Ein perfekter Platz Kritik


EIN PERFEKTER PLATZ“ von Daniéle Thomson (Co-B+R; FR 2006; 106 Minuten; Start D: 31.08.2006), ist auch die Tochter eines berühmten (französischen) Film-Vaters, ist die Tochter von Gérard Oury, der auch bei uns mit seinen Louis-de-Funes- Scherzen wie „Scharfe Sachen für Monsieur“ (1964), „Die dummen Streiche der Reichen (1971) oder „Die Abenteuer des Rabbi Jacob“ (1973) ein Millionen-Publikum fand. Der 3. Film seiner Tochter (der erste blieb bei uns unbekannt; Nr.2 hieß „Jet Lag – Oder wo die Liebe hinfliegt“/2002; mit Jean Reno und Juliette Binoche) erzählt auf angenehm sanfte, sympathische Art und Weise von einem kleinen Mikrokosmos in und an einer Prachtstraße von Paris: Der Avenue Montaigne (im 8. Arrondissements).

Hier gibt es innerhalb eines Radius von wenigen hundert Metern teure Edelboutiquen, das noble Hotel Plaza Athenée, ein ehrwürdiges Aktionshaus, ein beliebtes Theater („Comédie des Champs Elysées“) sowie einen der bedeutendsten Konzertsäle Frankreichs. Der „heimliche Mittelpunkt“ jedoch bildet eine Bar des Theaters auf der anderen Straßenseite. Dort landet/strandet eines schönes Abends die aufgeweckte blonde Provinz-Pflanze Jessica. Die das Credo ihrer Großmutter hierhin geführt hat: „Ich habe mein ganzes Leben lang den Luxus geliebt“, hat ihr die alte Dame lebensweise mitgegeben, „und da ich mir den Luxus nicht leisten konnte, beschloss ich, bei ihm zu arbeiten“.

Jessica wird zu einer Art „Moderatorin“ verschiedenster Personen-hier: Schauspieler, Kunstsammler, Pianisten, Regisseure, ein mürrischer Akademiker, eine patente Theater-Concierge. Neurotiker, Spinner, Geschäftemacher, Bilanzirer, Melancholiker…, der ganze charmante Reigen eben. Auf den Spuren der Glücks- wie Liebessucher, der Lebensträume(r), der Bewältigung von Lebenskrisen. Sympathisch-altmodisches Figuren- und Welttheater, mit lächelndem Atem, mit optischer Eleganz, einigem französischem Esprit, einer wunderbaren Musikalität sowie einer Prima-Ensemble-Atmosphäre. Mit viel Gefühl und Amüsement zusammengepuzzelt, erinnernd an die „hauchenden“, sensiblen Klassiker eines Claude Sautet („Die Dinge des Lebens; „Vincent, Francois, Paul und die Anderen“).

Mit u.a. Cécile de France („L´Auberge Espagnole – Barcelona für ein Jahr“ + „L´Auberge Espagnole – Wiedersehen in St. Petersburg“), dem 69jährigen Grandseigneur Claude Brasseur („Eine einfache Geschichte“), „Oscar“-Preisträger SYDNEY POLLACK (als Regisseur: „Nur Pferden gibt man den Gnadenschuß“; „Tootsie“; „Jenseits von Afrika“; als Schauspieler: „“Eyes Wide Shut“ von Stanley Kubrick) als „verhuschter amerikanischer Impressario“ und der großen, alten Dame der französischen Bühne/des französischen Kinos SUZANNE FLON (zuletzt u.a. „Die Brautjungfer“/“Die Blume des Bösen“, beide von Claude Chabrol), die kurz nach den Dreharbeiten, am 15. Juni 2005, im Alter von 87 Jahren verstarb. Schöne, melancholisch-stimmungsvolle Menschen-Komödie, die in Frankreich im Vorjahr über 2 Millionen Franzosen verzauberte (=3 PÖNIs).