Ein perfekter Mord Kritik


Im Juni 1952 hatte in London ein Bühnenstück Premiere, das schon bald danach Alfred Hitchcock auf den Plan rief. Es hieß “Dial M for Murder“ und stammt von Frederick Knott. Hitchcock adaptierte es und schuf zwei Jahre später daraus – in einer einzigen Studio-Dekoration – den Klassiker “Bei Anruf Mord“. Die weibliche Hauptrolle spielte Grace Kelly – als blonde und reiche Unschuld. 1998 heißt das Remake von “Bei Anruf Mord“:
EIN PERFEKTER MORD“(USA 1998; 107 Minuten; Start D: 22.10.1998). Für den Drehbuch-Autor Patrick Smith Kelly ist es die erste Hollywood-Arbeit, während Regisseur Andrew Davis bereits als ein bewährter Genre-Handwerker gilt, der sich vor vier Jahren mit dem Richard Kimble/Harrison Ford-Spektakel “Auf der Flucht“ besonders hervortat. S e i n e weibliche Hauptakteurin ist heute GWYNETH PALTROW, eine 25jährige Blondine, die alles andere als “unschuldig“ auftritt.

Eine schöne, eine begehrenswerte junge Frau ist diese Emily Bradford Taylor. Und: Sie ist sehr, sehr reich. Den Umgang mit ihrem vielen Geld aber überlässt sie lieber ihrem Ehemann Steven, einem ebenso gutaussehenden wie geschäftigen Wall-Street-Broker um die 50. Der allerdings bekommt neuerdings ein Problem, denn: Emily hat einen Liebhaber. Einen zwar mittellosen, aber charmanten und talentierten jungen Maler namens David. Emily ist rettungslos verliebt in ihn, doch mittlerweile ist ihr Gatte dahintergekommen. Und weiß sogleich “teuren Rat“: Er “verbündet“ sich
einfach mit dem Lover seiner Frau, denn dieser hat beileibe auch keine weiße Weste und spielt ebenfalls ein gieriges Spiel.

Natürlich, das wissen wir ja auch aus dem Original-Stoff, natürlich kommt alles ganz anders. Beziehungsweise läuft alles schief. Nicht die schöne Emily wird ermordet, nein, plötzlich findet sich ein gänzlich Fremder in der feinen Wohnung am New Yorker Central-Park und ist mausetot. Nun hat jeder der Beteiligten ein Problem, und der ermittelnde Polizei-Inspektor beginnt mit seinen nörgelnden, misstrauischen Fragen und Ermittlungen.

Hollywood-Star MICHAEL DOUGLAS darf nach vielen “guten Figuren“ endlich einmal wieder die Seiten wechseln: Als eiskalter, berechnender Geld-Hai trickst er erfindungsreich, galant und gemein herum wie 1987 in Oliver Stones Film “Wall Street“, ohne hier allerdings darstellerisch so dominant zu sein wie damals. Überhaupt: Der Film “Ein perfekter Mord“ ist nur mehr ein sauberer, glatter Routinethriller.
Die Darsteller sind ordentlich herausgeputzt, das Handwerk stimmt, die Atmosphäre ist bestens ausgeleuchtet, aber es fehlt ganz einfach das “besondere Spannung-Herz“. Die Geschichte enthält kaum Überraschungen/Wendungen; sie ist vorhersehbar; sie kommt wie ein freundlicher ’Durchlauferhitzer’ daher. Ist “nur“ gute Gebrauchtware in Sachen Nervenkitzel halt.

“Man verlangt vom Publikum, fast zwei Stunden auf ein und dieselbe Fläche zu starren. Da muss man darauf schon etwas unterbringen, was das Interesse der Leute wachhält“, wusste Alfred Hitchcock schon vor langer Zeit. So gesehen bietet der neue Thriller “Ein perfekter Mord“ von Andrew Davis nur “Kaufhaus-Kino“ an: Also gute, solide Unterhaltung von der Stange. Nicht mehr, aber auch nicht weniger…(3 PÖNIs).