Ein mutiger Weg Kritik


EIN MUTIGER WEG“ von Michael Winterbottom (USA/GB 2007; 108 Minuten; Start D: 13.09.007); einem renommierten britischen Regisseur des Jahrgangs ´61, der neben Ken Loach und Mike Leigh zu den bedeutendsten Regisseuren des britischen/europäischen Kinos zählt. In seinen Filmen (TV: „Für alle Fälle Fitz – Episode 1: Mord ohne Erinnerung“/1993; „Butterfly Kiss“/1995; „Welcome to Sarajewo“/1997; „I Want You“/1998) greift er oft brisante politische Themen auf, um sie „unterhaltungsmäßig-verpackt“ an den/die Zuschauer zu bringen: „Wenn man politisch sein will, muss man etwas im Mainstream machen…“. Mit seinem authentischen afghanischen Flüchtlingsdrama „IN THIS WORLD“ erhielt er den Siegerpreis, den „Goldenen Bären“ der Berlinale von 2003. Im Vorjahr bekam er, als „bester Regisseur“, den „Silbernen Berlinale Bären“ für sein Werk „ROAD TO GUANTANAMO“.

In seinem neuesten Film (USA/GB 2006; Co-Produzent: Brad Pitt) steht erneut das Thema TERRORISMUS im Blick- und Mittelpunkt. Der „passende“ Ort dazu: Das politisch zerrüttete PAKISTAN im Jahr 2002. Basierend auf dem Buch „Ein mutiges Herz: Leben und Tod des Journalisten Daniel Pearl“ von Marianne Pearl aus dem Jahr 2003 blicken wir auf den 23. Januar 2002: „Es könnte spät werden“, sagt Daniel Pearl (Dan Futterman), Korrespondent des „Wall Street Journals“, zu seiner Frau, als er sich in Karatschi von ihr verabschiedet. Er will sich mit wichtigen Terroristenführern zu einem Interview treffen – und kehrt nicht wieder zurück. Der Film schildert in einer Art REPORTAGE-SPIELFILM mit akribischer Genauigkeit die folgenden zehn Tage. Es ist die Zeit des seelischen Horrors, des Wartens, der Ermittlungen von Geheimdienstmitarbeitern, FBI-Agenten und Anti-Terror-Fahndern. Doch die vielen hektisch-fiebrigen Such-Anstrengungen an diesem unüberschaubaren, unwirtlichen Ort sind vergeblich. Ein Mitarbeiter des Krisenstabs muss schließlich Pearls schwangerer Ehefrau Marianne, selbst eine engagierte Journalistin, mitteilen, dass Terroristen ihren Mann kaltblütig enthauptet haben.

Der Film kommt als nüchternes, Fakten-orientiertes und komplexes Dokudrama daher. Dass keine deutliche Stellung bezieht, sondern sich als Fürsprecher von Terror-OPFERN-allgemein sieht. Die Handkamera ist in diesem Moloch von Karatschi ständig in Bewegung, beschreibt Unruhe/Hektik/Angst; zeigt/zeichnet ein „emotionales Katastrophenbild“ von Ort und Seele. Dass dabei die MENSCHLICHE DIMENSION dieser authentischen „Thriller“-Tragödie niemals aus den Augen gelassen wird, dafür sorgt natürlich Hollywood-Star ANGELINA JOLIE als Hauptakteurin. Sie ist zugleich „Zugpferd“ des Films wie berührende „Heldin“.

Mit blasser Schminke sowie ungewohnter Löckchenfrisur vermeidet sie Effekthascherei und Tränendrüse. Bemüht sich redlich, als überzeugende Ikone zwischen den Kulturen sowie zwischen Mensch-Rettung und journalistischer Wahrheitsfindung aufzutreten; kann aber eine nur „begrenzte Glaubwürdigkeit“, ein „begrenztes Interesse“-hierzulande, nicht vermeiden. Ein Ami-Spielfilm als „historisches Zeugnis“, das für Nachdenken wie Ratlosigkeit sorgt, aber auch bereits in vielen anderen guten Berichten/Dokumentationen aufrichtig wie engagiert thematisiert wurde (= 3 PÖNIs).