Ein Mann namens Ove Kritik

Link für Pöni TV „EIN MANN NAMENS OVE“ von Hannes Holm (B + R; nach dem gleichn. Roman von Fredrik Backman/2012; Schweden 2015; K: Göran Hallberg; M: Gaute Stroraas; 116 Minuten; Start D: 07.04.2016); es klingt immer so entschuldigend, wenn man als Rezensent anfangs darauf hinweist, dass es sich hier um einen puren „Menschen-Film“ handelt. Der mit den üblichen Plastik-Kino-Figuren nichts gemein hat und auch auf Krach-Bumm-Zisch sowie Spezialeffekte gänzlich verzichtet. Und dann verkündet der Drehbuch-Autor und Regisseur HANNES HOLM, 53, auch noch im Presseheft, dass seine filmischen Referenzen für dieses Werk herrliche Vorbildfilme wie „Mein Leben als Hund“, „Forrest Gump“, „About Schmidt“ und „Besser geht’s nicht“ seien. Und fortfährt: „Mit meiner Geschichte möchte ich die Herzen der Menschen erreichen, in doppelter Hinsicht, mit Witz ebenso wie mit Dramatik. Es ist eine Geschichte über das Leben, eine Reise zwischen Lachen und Tränen, wie das Leben selbst“. Starker Gefühlstobak, oder?

Ich mag der „Erklärung“ von Hannes Holm voll und ganz zustimmen. In seinem Film „Ein Mann namens Ove“, in Schweden ein Publikumshit, ist schön-schmutzig-schönes Wohlfühlen annonciert. Was an der Hauptfigur liegt: Ove. Nur Ove. Einfach-Ove (ROLF LASSGARD). Ein oller pedantischer Griesgram. In der Alters-Nähe von 60. Ove wohnt in einer Reihenhaussiedlung und ist seit dem Tod seiner geliebten Ehefrau Sonja zu einem öffentlichen Widerling geworden. Ein Nur-Noch-Griesgram. Dem alles und jeder auf den Keks geht. Der jeden Morgen seine Kontrollrunde durch die Siedlung macht und bemüht ist, Falschparker zu melden, Fahrräder an ihren „dafür vorgesehenen“ Platz zu räumen, auf korrekte Mülltrennung zu achten. Ove, der ewig schlecht gelaunte Meckerkopp. Und Miesepeter. Einst war er „Präsident“ der Eigentümergemeinschaft der Siedlung, doch dann setzte ihn diese Nachbarschaftsvereinigung ab. Was Ove aber nicht daran hindert, weiterhin seiner „Pflicht“ nachzugehen und Leute anzuschwärzen. Und ständig anzuraunzen. Ove, der Blockwart, den sie auch auf der Arbeit, bei der Bahn, nicht mehr „benötigen“. Was Ove abfällig zur Kenntnis nimmt.

Aber damit soll nun Schluss sein, INSGESAMT, denn Ove hat keine Lust mehr auf „dieses Leben“. Auf diese Scheiß-Welt. Mit den vielen saudummen Menschen. Er hat beschlossen – und seiner Frau beim täglichen Grabbesuch auch mitgeteilt -, aus dem Leben zu scheiden. Um schnellstmöglichst wieder mit ihr zusammen sein zu können. Also zieht er seinen Sonntags-Anzug an und ist gerade dabei, sich im Wohnzimmer aufzuhängen, als er „gestört“ wird. Von neuen Nachbarn. Einer schwedisch-iranischen Kleinfamilie. Die offensichtlich Ove nicht in Negativ-Gänze versteht, sonst wäre sie ja wohl nicht ständig an einer guten Nachbarschaftsbeziehung mit ihm interessiert. Als auch das nächste Suizid-Bemühen schiefläuft, klar, wieder diese neue Nachbarin Parvaneh (BAHAR PARS), diesmal mit einem Einparkproblem, sein Briefkasten ist umgenietet, wird Ove noch „mürrischer“. Und natürlich beim nächsten Versuch…, Sie ahnen schon. Aber, dann taucht auch noch diese – sich nicht abschütteln lassende – wunderschöne Katze auf, die es unbedingt auf Ove „abgesehen“ hat. Als neuen festen Dosenöffner. Ausgerechnet ihn, der doch – nach Menschen – auch Tiere gar nicht mag.

FREDRIK BACKMAN, Stockholmer des Jahrgangs 1981, brach ein Studium der Religionswissenschaften ab und war danach als Gabelstaplerfahrer, Restauranthilfskraft und Journalist unterwegs. Und als Blogger. Machte sich selbständig und veröffentlichte 2012 seinen Debüt-Roman: „En man som heter Ove“. 2013 wurde er, nach über 600.000 verkauften Exemplaren, zu einem der erfolgreichsten Autoren Schwedens gekürt. 2014 erschien der Roman auch bei uns und belegte wochenlang Spitzenplätze in der Bestsellerliste. (P.S.: Mit seinem zweiten Roman, „Oma lässt grüßen und sagt, es tut ihr leid“, ist Fredrik Backman derzeit auch wieder auf Erfolgskurs; die Lese-Empfehlung gilt). Die filmische Adaption seines ersten Romans „wirkt“. Anfangs widerwillig, zu sehr ist dieser Ove ein Stinkstiefel, als dass man ihn mögen mag, dann interessiert er mehr und näher in der melancholischen Betrachtung seines spannenden Lebenslaufs. Motto: Wie und weshalb wird ein Mensch zu d e m, wie er sich heute präsentiert. Diese Facetten im früheren Da-Sein von Ove bilden das, was man „Fleisch-Stoff“ nennt. Spätestens dann wird es hinreißend, wenn dieser Kauz durch eine Sonja (IDA ENGVOLL) „entdeckt“ wird, die ihn so akzeptiert wie er nun einmal ist. Also linkisch, begrenzt kommunikativ, aber mit einer guten Seele ausgestattet. Eine tiefe Liebe nimmt ihren stimmungsvollen Herz-Verlauf. Bis….

Ich mag diesen langen, pfundigen Schlacks: ROLF LASSGARD, 61. Hierzulande wurde er durch die Verkörperung des Kommissars Kurt Wallander bekannt, den er von 1994 bis 2007 in den Verfilmungen der Erfolgsromane von Henning Mankell spielte. Hier mimt er einen Alptraum-Diamanten-Typen: Einen bärbeißigen Misanthropen. Marke Terrier, mit Erinnerungsstufe „Walter Matthau“. Der vom ekligen zum besseren Grantler mutiert. Und, nebenbei angemerkt, einer klassischen schwedischen Automarke zu neuem „Glanz“ verhilft. Einem Glanz, den Lassgard’s Ove nun auch langsam bei Menschen in seiner Umgebung zu entdecken vermag. ROLF LASSGARD und sein Mit-Mensch Ove bilden ein prächtiges Ein-Personen-Paar. Und sind das spielerische Vergnügen in einem humor-exotischen Gefühlsfilm, der mit seinem coolem schwedischen Charme lächelnd und stimmungsprächtig berührt (= 4 PÖNIs).