Ein Freund von mir Kritik

EIN FREUND VON MIR“ von Sebastian Schipper (D 2006; 84 Minuten; Start D: 26.10.2006); der 1999 mit seinem Debütfilm „Absolute Giganten“ auffiel. Thema: Freunde, die sich an der Schwelle zum Erwachsenen-Sein befinden. In dieser „therapeutischen“ Kumpel-Komödie nun geht es um zwei völlig gegensätzliche Kerle-Typen: Mathematiker Karl ist verschlossen, in sich gekehrt, hat in seiner Designer-Wohnung die Umzugskisten immer noch nicht ausgepackt, benimmt sich so, als sei er in seinem Leben nur zu Besuch; Lebenskünstler Hans dagegen, der sich gerade in sein Leben gedrängt hat, zeigt sich als extrovertierter Luftikus, mit dauerhafter Genuss-Sucht, mit kessen Sprüchen und provokanten Aktionen (wie z.B. „geiles Nacktfahren“ im Porsche).

Was die Franzosen schon vor zig-Jahren so wunderbar-unaufgeregt-sinnlich auf die Leinwand gezaubert haben („Die Abenteurer“ von Robert Enrico, mit Alain Delon + Lino Ventura/1966), versucht nun auch der deutsche Film. Thema: „Besondere Männer-Freundschaft“ als Suche nach dem „richtigen Platz“ im Leben. Doch was einst spielerisch–locker ´rüberkam, wirkt hier Story-ausgangsmäßig ziemlich naiv, klischeehaft, reichlich an den Haaren herbeigezogen.

Erst wenn die Beiden-hier RICHTIG „loslegen“, in einer Art „Nummernrevue“, wenn der Eine den Anderen aus seinem trübsinnigen Leere-Loch mit seinem sprudelnden/überbordenden Temperament herauszulocken versucht, dann funken tatsächlich die Gedanken/Späße/Gags. Dann wird eben nicht „tiefblickend (DEUTSCH) therapiert“, sondern dann geht einfach-schön-spontan „die Gag-Post ab“. Auch dank zweier gut-getimter Hauptakteure: DANIEL BRÜHL ((28/“Der Duft von Lavendel“) mimt den stillen Typen, während der momentan Dauerbeschäftigte im deutschen Film, JÜRGEN VOGEL (38/“Der freie Wille“), den draufgängerischen Kasper und Hallodri überzeugend proll-tönend vorführt.

Ein nicht uninteressantes Seelen-Road-Movie, bei dem es Übermut, Lachen und Spontanität gegenüber Schwermut und Tiefblick nicht so leicht haben wie es durchaus möglich wäre. DAS LEICHTE einfach mal wirklich LEICHT und LOCKER und dabei prickelnd-unterhaltsam zu erzählen, das fällt/bleibt im deutschen Kino immer noch ziemlich schwer… (= 3 PÖNIs).