Eine Schwalbe macht den Sommer Kritik

EINE SCHWALBE MACHT DEN SOMMER“ von Christian Carion (B+R; Fr 2001; 103 Minuten; Start D: 01.08.2002).

Sandrine ist 30. Sandrine ist gutaussehend, erfolgreich und unzufrieden. Also beschließt die Internet-Trainerin den radikalen Wechsel. Im Beruf wie im Leben: Raus aus der Metropole Paris, hin aufs Land. Als Bäuerin.
Die Landwirtschaftsschule wird reibungslos absolviert; die Suche nach einem geeigneten Bauernhof ist bald erfolgreich. Inmitten der herrlichen Landschaft in den französischen Voralpen findet Sandrine das Objekt der neuen Begierde. Allerdings: Dort erwartet sie auch der alte, knochige und sehr BODENSTÄNDIGE Besitzer.
Ein grummliger Typ. Ein eigensinniger Alter. Adrien. Obwohl er beschlossen hat, sich zurückzuziehen und zu verkaufen, gibt er den Hof und das Inventar nur widerstrebend. her. Zumal an SO EINE neue Chefin hier.
Misstrauisch beäugt er jeden Schritt von Sandrine. Die aber fackelt nicht lange und packt an. Krempelt Haus und Hof ganz schön um. Und hat erste Erfolge. Ihr Ex—Lover ist beeindruckt.

Zwei Welten. Die moderne und die traditionelle. Dazu: Der Macho und die weibliche Power. Aber auch: Erotik und Internet. Und: Plackerei und Zweifel.

Das französische Kino ist immer für Überraschungen gut. Nach dem neulich wunderbaren Star-Spektakel um die “8 Frauen“ erwartet uns diesmal mit dem neuen Film “Eine Schwalbe macht den Sommer“ ein aufregend – sensibles Meisterwerk. Dabei verwendet der Co-Autor und Regisseur Christian Carion in seinem Spielfilm – Debüt Motive von Freundschaft, Freiheit und das Recht auf individuelle Träume. Ohne zu verklären oder sentimental-märchenhaft zu wirken, begibt sich der filmende Bauernsohn Christian Carion auf autobiographische Spurensuche. Erzählt vom modernen Leben und seinen Dennoch-Möglichkeiten. Seinen Alternativen. Auch zwischen den Generationen. “Eine Schwalbe macht den Sommer“ ist ein ebenso hintergründiger Heimatfilm wie eine fein-ironische Charakterstudie. Mit klugen und sehr unterhaltsamem philosophischen Geschmack. Motto: Der Sinn des Lebens. Die ewige Definition. Und die ständige Spannung beziehungsweise An-Spannung der
Menschen dazu.

Ein liebenswerter Film. Ein ruhiger Film. Einen behutsamen Film. Ein klarer Film. Als reizvolles Kammerspiel mit zwei hervorragenden Darstellern: MATHILDE SEIGNER interpretiert angenehm-unangestrengt und selbstbewusst Sandrine. Überzeugt durch Kraft. und Charme. Ihr Partner ist der brillante MICHEL SERRAULT. Dessen Körpersprache einzigartig ist. Der mit einer kleinen Handbewegung oder einem simplen Zucken im Mundwinkel mehr Anteilnahme und Emotionen erzeugt und erreicht, als es sonst viele Worte oder Action-Momente versuchen. Ein GIGANT der Schauspiel-Kunst! Und: Ein faszinierendes Duo hier. In einem neuen französischen Film, der außergewöhnlich wahrhaftig wirkt.

In der Tat: “Eine Schwalbe macht den Sommer“ oder: Eine schöne, neue Zelluloid-Schwalbe bereichert jetzt auch bei uns diesen Kino-Sommer (= 4 PÖNIs).