Eine Dame in Paris Kritik

EINE DAME IN PARIS“ von Ilmar Raag (Co-B + R; Fr/Estland/Belg 2012; K: Laurent Brunet; M: Dez Mona; 87 Minuten; Start D: 18.04.2013); mit dem Mobbing-Drama „Klass“ tauchte der am 21. Mai 1968 geborene estnische Regisseur und Drehbuch-Autor erstmals in der internationalen Kinolandschaft auf; sein sozialkritischer Streifen um schulische Prügler wurde 2007 für den Auslands-„Oscar“ nominiert und erreichte 2009 unsere Kinos.. In seinem zweiten Kinofilm ist er verständlicherweise leiser. Denn er darf DIE SIE des französischen Kinos präsentieren: Die inzwischen 85jährige und immer noch hinreißend vitale Grand Dame JEANNE MOREAU. In einem „nicht besonders aufregenden“ Streifen, der aber durch IHREN AUFTRITT zu einer wunderbaren kleinen filmischen Perle geadelt wird.

Jeanne heißt hier Frida, stammt aus Estland und ist ein altes französisches Ekelpaket. Lebt reich in einer feudalen, großzügig eingerichteten Pariser Wohnung und „stänkert“ am liebsten. Mit sich und der Welt. Als ihr (viel) jüngerer Freund Stéphane (PATRICK PINEAU) die anpackende Anne aus Estland für sie engagiert, die in den letzten Jahren dort ihre – kürzlich verstorbene – demenzkranke Mutter alleingepflegt hat, gibt es zunächst natürlich Zoff. Frida, das weibliche Alphatier. Besser: Stinktier. Eigentlich will die sensible Anne (der estländische Star LAINE MÄGI als nett-verhuschte Feingeist-Stichwortgeberin) bald aufgeben, doch dann stellt sie sich „den Dingen“ und emanzipiert sich offensichtlich selbst dabei. Auf leise, wirkungsvolle Überzeugungsweise. Wie man hier sagt. Mit Geduld und Spucke. Von Sanft-Mut. Zwei ganz unterschiedliche Frauen, die sich je nach unterschiedlichem Temperament „aufmüpfig“ nähern. Annähern.

Ein ganz beschaulicher Film. Mit einer einmal mehr formidablen JEANNE MOREAU an der mondänen Stänker-Rampe. Ein neuer Film mit ihr ist wie eine Köstlichkeit von reifem Wein. Dabei ist „der Film“ neben ihr eigentlich egal. SIE wieder zu sehen, zu erleben, zu genießen, ersetzt jede noch so hübsche Kleinigkeit von „überschaubarer“ Story. Umgangsstory. Ihre Performance ist lebendig. Madame strahlt. Aus. Und an. Schaut, ich bin jetzt 85, und meine große Liebesgeschichte mit dem Kino ist immer noch nicht zu Ende. Wie wunderschön. Und – darf es noch ein bisschen weitergehen? Mit dieser ewigen Liebe? Bitte , Madame (= wegen IHR, natürlich = 4 PÖNIs).