Einer wie Bruno Kritik

EINER WIE BRUNO“ von Anja Jacobs (D 2011; 108 Minuten; Start D: 12.04.2012); da haben wir also wieder einmal solch einen vielfach finanziell unterstützten deutschen Film. Der in Kooperation mit dem ZDF entstand und dessen Drehbuch – von Marc O. Seng – vom „Kuratorium junger deutscher Film“ gefördert wurde. Der eigentlich schon am 10. November 2011 in die Kinos kommen sollte, dessen Start dann aber verschoben wurde. Und heute dort genauso wenig zu suchen hat wie damals, zur mitleidvollen grauen Jahreszeit. „Einer wie Bruno“ ist eines jener deutschen Werke, die nach gut einer halben Stunde „durchschaubar“ sind und völlig reizlos bleiben:

Die 13jährige Radost (LOLA DOCKHORN) lebt allein mit ihrem Vater. Jenem Bruno (CHRISTIAN ULMEN). Die Mutter ist schon lange tot. Das Problem: Papa ist behindert. Erheblich geistig behindert. Und muss von der Tochter „bemuttert“ werden. Um halbwegs über die täglichen Runden zu kommen. Und zum Beispiel vor dem Jugendamt „bestehen“ zu können. Dieses Amt wird einmal mehr von einer „typischen grauen Amtsfrau“ vertreten: Ebenso streng wie irgendwie quasi unterbelichtet. DIE nicht mitbekommen darf, wie schwer behindert der „alleinerziehende Papa“ wirklich ist. Denn sonst würden sie ja getrennt werden. Müssen. Also ackert Radost an vielen Alltagsfronten – Zuhause, in der Schule, mit der beginnenden Pubertät. Natürlich soll „DAS mit dem Papa“ geheim bleiben. Gar vor den Mitschülern(Innen). (Warum eigentlich?) Deren Hänseleien „ziemlich“ sind. Weil bei denen Radost, mit ihrem uncoolen Outfit und ihrem zurückhaltenden, bloß nicht auffallenden Wesen, als „verklemmte Tusse“ gilt. Und dann gibt es ja noch den smarten neuen Mitschüler Benny. DEM gibt Radost Mathe-Nachhilfe, und in DEN verliebt sie sich. Benny stammt aus gutem reichem Bürger-Hause und geht das Dasein eher „locker“ an. Als Hobbygitarrist. Radost entdeckt plötzlich eine „ganz andere“ Lebensqualität und gerät prompt in Konflikt mit Papa Bruno. Und ihren eigenen „aufblühenden“ Interessen. Zeitlich. Häuslich. Körperlich. Beziehungsweise umgekehrt. Die Folge(n): Bruno-Papa reagiert, pardon, „bekloppter“. Noch unkontrollierter.

Klischee hoch sowieso. Unglaubwürdig, dumm, lahm, vorhersehbar. Im Geschehen, in den Typen, in den Bewegungen. Banalität pur. Dass ein junges Mädchen überhaupt mit ihrem völlig überforderten und geistig extrem behinderten Vater unbegleitet zusammenlebt, murks. Quatsch. SO beschrieben völliger Nonsens. Nicht abnehmbar. Oder annehmbar. Weil auch jederzeit „bekannt“ in der Entwicklung. Deshalb also auch emotional total neutral. Unergiebig. Langweilig. Uninteressant. Auf der wieder einmal völlig unterforderten Kinoleinwand. Wo dieser ständige Behauptungsfilm in und mit seinen „stickigen“, flachen TV-Bildern nichts zu suchen hat. Doch weil es irgendwo diese Vereinbarung gibt, dass geförderte deutsche Filme auch immer „erst“ ins Kino kommen müssen, bevor sie im Fernsehen verramscht werden und im Nirwana-Archiv verschwinden…..

CHRISTIAN ULMEN als „Rain Man“ für Arme: Warum tut er sich DAS an??? Eben war er noch der etwas minderkluge Schüler in und als „Jonas“, jetzt also gibt er den ge- und verstörten Erwachsenen. Ebenso bemüht wie leider auch ganz „klein“. Läppisch. Unwichtig. Eher belästigend. Eine Anteilnahme an seiner Figur ist leider überhaupt nicht möglich. So „simpel“, brav-doof wird „Einer wie Bruno“ präsentiert. Der deutsche Film tritt mal wieder die Rückwärtsbewegung an. In Sachen „gute Absicht“. Und „Show“ sowieso: Diesen Film braucht wirklich niemand (= 1 PÖNI).