Eine offene Rechnung Kritik

EINE OFFENE RECHNUNG“ von John Madden (USA 2010; 113 Minuten; Start D: 22.09.2011); der britische „Shakespeare in Love“-Regisseur hat hier eine Remake des (unbekannten) israelischen Spielfilms „Ha-Hov“ von 2007 gedreht, der hierzulande im Fernsehen unter dem Titel „Der Preis der Vergeltung“ lief. Spannungsthema: Psycho-Thriller und Schicksalsdrama. Zwischen Ehre und Liebe. Und der „wahren“ Wahrheit. Originaltitel: „The Debt“, „Die Schuld“.

Ausgangspunkt ist das Bemühen dreier israelischer Mossad-Agenten, zwei junge Männer, David (SAM WORTHINGTON/“Avatar“) und Stefan, und die junge Rachel, im düsteren Ostberlin von 1966 einen „entdeckten“ Nazi-KZ-Arzt zu entführen und nach Israel zu bringen. Wo er vor sich vor Gericht verantworten soll. Als die Mission scheitert, beschließt das Trio ihre Arbeit trotzdem als „Erfolg“ zu melden. Öffentlich als „gelungen“ zu verkaufen. Indem sie erklären, den Massenmörder Dieter Vogel (dämonisch: JESPER CHRISTENSEN/der geheimnisvolle Schurke Mr. White aus den beiden letzten, neuen Bonds „Casino Royale“ + „Ein Quantum Trost“) erschossen zu haben. Damit gelten sie in Israel als Nationalhelden. Drei Jahrzehnte danach taucht eine Zeitungsmeldung auf, nach der Vogel überlebt hat und in einem Heim für Demenzkranke in der Ukraine untergetaucht ist. Rachel (HELEN MIRREN) macht sich daran, die einstige Lüge nun endgültig wie unauffällig „zu bestätigen“.

Regisseur John Madden und seine drei Drehbuch-Autoren verhaspeln sich umständlich in einem nicht sonderlich originellen und auch nicht sehr glaubwürdigen Gestern-Jetzt-Plot. Anfangs verfolgen sie eine Art Entführungskrimi im verkommenen, „misstrauischen“ Ostberlin der Sechziger Jahre. In der Krimi-Pause: Aufkommende Gefühls“sachen“ unter den Dreien. Dann lassen sich die militärischen Vopos nicht überrumpeln. Alles läuft schief. Schnitt. 1996. Immer noch, weiterhin – Schuldkomplexe bei den jetzt alten Dreien. Weil sie für etwas „gefeiert“ werden, dass ja nicht stimmt. Vor allem Rachel, über die ihre Tochter gerade eine Helden-Hymne von Buch geschrieben hat. Der sensible David erträgt diese ewige Moral-Schuld nicht mehr und wirft sich vor ein Auto. Die bislang etwas starre, verhärtete Rachel, die David liebte, aber Stefan (TOM WILKINSON) ehelichte, bemüht sich nun, „das Lebenslügenwerk“ „zu vervollständigen“. Wird plötzlich zur Super-Agentin. Düst in die Ukraine, geht dort schnell mal in die Klinik, um den Widersacher endgültig „zu erledigen“. Hier nun findet John Madden gar keine Substanz. Lässt schließlich blindwütig und blutig – anstatt angemessen psychologisch – simpel drauflos stechen.

Ein Film-Zwitter. Weder Fisch noch Fleisch. Mal Psycho, mal Hackebeil. Mal Seele, mal Waffen. Mal Kurz-Romanze. Kein überzeugender Streifen (= 2 PÖNIs).