Eine ganz heiße Nummer Kritik

EINE GANZ HEISSE NUMMER“ von Markus Goller (D 2010; 95 Minuten; Start D: 03.11.2011); ist Regional-Fernsehen auf der unterforderten Leinwand. Der im Bayerischen Wald und in Regensburg entstandene (vom ZDF co-produzierte) Film ist eines jener Eine-Idee-Movies, wie sie hierzulande gang und gebe sind. Als zahnlose Leberkas-Komödie ohne Chilli. Mit viel Laienspiel-Charme. Nach dem Motto: Viel Lärm um (Gar-)Nichts. Inmitten niederbayerischen Spießer-Einöde. Von Marienzell. Wo der konservative wie traditionelle wie autoritäre katholische Geist ständig „präsent“ ist. Also sind Tratsch und Ratsch an der Tagesordnung. Während sonntags der Pfarrer Gandl (SIGI ZIMMERSCHIED) in der Kirche „mahnt“ und werktäglich abends durch die Gemeinde stolziert, um nach dem moralischen Rechten zu schauen. Kein Wunder, dass Heuchelei und Verlogenheit hierorts triumphiert. Klischeehaft wie aber auch und vor allem – unhumorig.

Weil seit der Schließung der örtlichen Glashütte „das Geld“ in der Region knapper geworden ist, steht auch ein Tante-Emma-Lebensmittelladen kurz vor der Pleite. Von Waltraud Wackernagel (GISELA SCHNEEBERGER), Maria Brandner (BETTINA MITTENDORFER) und Verkäuferin Lena (ROSALIE THOMASS). Die rettende Kunden-Idee erreicht das Trio zufällig – Telefon-Sex. Stöhnen und „Auskunft“ für Geld. Erst skeptisch, dann voller Enthusiasmus machen sich die Ladies „gehemmt“ ans geschäftige Werk. Und siehe da, ES funktioniert. Bisschen dilettantisch anfangs, gschamig, „laienhaft“ halt, aber immerhin. So dass auch der ständig altersgeile Vater von Maria auf dem Klo „neugierig“ wird. Doch die neue lukrative Einnahmequelle ruft Neider auf den Plan. Wie die arrogante Bürgermeister-Gattin und Wirtin Gerti (MONIKA GRUBER). Die sich immer ein Vergnügen daraus macht, gemeinsam mit ihrem „beschränkten“ Anhängsel Hannelore (CLEO KRETSCHMER) im Schlepptau, das Laden-Trio zu demütigen. Und nun stinkesauer ist, dass DIE unerwartet „zu Geld“ kommen. Wieso? Woher? Was ist da bloß los?

Ehrlich – nix. Nix Aufregendes. Die Laden-Ladies stöhnen und quatschen bemüht um die Wette, die Dorf-Hexe zickt unaufhörlich und immer gleich, und nebenbei gibt es noch peinliches Lover-Getue. Mit einem „netten Anrufer“. Ach so ja – und der unvermeintliche junge Dorf-Depp Jakob (Ferdinand Schmidt-Modrow) wird auch serviert, entweder in schmierig oder in behämmert. Das ganze Figurenprogramm vom Bayern-Dorf. Und bis es mal ein wenig losgeht, mit dem profitablen Stöhnkonzert, sind vorhersehbare wie witzlose Drumherum-Problemchen zu überstehen wie – die naive Lena hat einen „feudalen“ Lover in München, auf den sie – natürlich – vergeblich setzt; während der arbeitslose Ehemann von Waltraud „mürrischer“ wird und Maria mit ihrem geilen Demenz-Papa „hantiert“.

Schwachsinn pur, überhaupt nicht kino-tauglich. Um Möchtegern-Sinnsuche, Laienspiel-Anarchie, TV-Käse, der auf der Stelle dumm herumalbert. Das Drehbuch stammt von Andrea Sixt, basierend auf ihrem eigenen Roman von 2008. Regisseur Markus Goller, der 42jährige Münchner, hat sich nach seinem letzten Komödien-Erfolg „Friendship“ (2010/mit Matthias Schweighöfer) diesmal ziemlich verhoben. Sein Heimatfilm besteht aus lauter unpointiertem Krampf. Marke harmlos, platt, wurscht. Und dies mit den sonst so „heißen“ Pointen-Garanten vom Kabarett wie die einstige Gerhard Polt-Partnerin Gisela Schneeberger („Fast wia im richtigen Leben“/TV; „Kehraus“, „Man spricht deutsh“/Kino), wie eine Monika Gruber („Normal is des ned“/TV), die sich als Leinwand-Debütantin völlig unter Satire-Wert verkauft und immer nur gleichbleibend zicken-doof sein darf, oder wie ein Sigi Zimmerschied, einst mal Religionspädagogik-Absolvent im Fernstudium und sonst listiger Passauer Polit-Scharflästerer („Neues aus der Anstalt“/ZDF), der hier als Pfarrer ziemlich deppert ´rüberkommt. Von der einstigen Klaus Lemke-Muse Cleo Kretschmer ganz zu schweigen.

Was für ein plattes Ding mal wieder von deutscher Komödie: Dumm & Doof. Fürs (außerbayerische) Kino völlig ungeeignet (= 2 PÖNIs / 3 x gelächelt, 1 ½ x gelacht).