East Is East Kritik

EAST IS EAST“ von Damien O’Donnell (GB 1999; B: Ayub Khan-Din, nach seinem gleichn. Bühnenstück; 96 Minuten; Start D: 18.05.2000; Video-Premiere: 23.11.2000; DVD-Veröffentlichung: 11.01.2001).

Großbritannien ist ein multikulturelles Land, obwohl die etwas mehr als 3 Millionen Ausländer 1998 nur einen Anteil von 5,5% der Gesamtbevölkerung bildeten. 477000 von ihnen sind Pakistani. Einer von ihnen heißt AYUB KHAN-DIN. Er wurde als 8. von 10 Kindern in einer englisch-pakistanischen Familie geboren und wuchs in einer streng moslemischen Atmosphäre auf. Eigentlich wäre es‚ schwierig gewesen, Schauspieler zu werden. Doch als Ayub an der Reihe war, einen Beruf zu ergreifen, waren die Eltern vom vielen Diskutieren mit den anderen Kindern so erschöpft, dass sie ihn gewähren ließen. Ayub wurde ein erfolgreicher Schauspieler und brillierte u.a. 1987 in der Hauptrolle des Stephen Frears-Filme “Sammy und Rosie tun es“. Mit seinem stark autobiographischen Bühnenstück “East Is East“ debütierte Ayub Khan-Din. Mitte der 90er Jahre als Autor. Danach verfasste er daraus das Drehbuch für die Verfilmung seiner Jugend-Erinnerungen.

Der Film “East Is East“ spielt Anfang der 70er Jahre in der nordenglischen Stadt Salford. Dort lebt die pakistanisch-britische Großfamilie Khan. Innerhalb der Familie herrschen zwei Weltanschauungen und viele Widersprüche und Spannungen. Während die 7 Kinder, 6 Söhne und 1 Tochter, längst den britischen, also westlichen Lebensstil aufgenommen und verinnerlicht haben, pocht Vater und Patriarch George (OM PURI) auf seine pakistanischen, also traditionellen Wurzeln.
Mutter Ella, eine bodenständige, fürsorgliche Engländerin, dient inmitten der familiären Turbulenzen als starker Puffer. Nachdem bereits ein Sohn die väterlichen Befehle satt und das Heim fluchtartig verlassen hat, will George, den seine Kinder spöttisch auch “Dschingis-Khan“ nennen, sein Gesicht in der Gemeinde wahren. Und will nun seine beiden ältesten Söhne mit den Töchtern aus einer reichen Nachbarsippe “heimlich“ verheiraten. Neue Probleme sind vorprogrammiert.

Der neue britische Film “East Is East“ zählte im Vorjahr zu den erfolgreichsten in Großbritannien überhaupt. Mit sehr viel Fingerspitzengefühl, Einfühlungsvermögen und typisch feinem-britischen Humor gelingt Regie-Debütant DAMIEN O‘DONNELL ein beeindruckender wie unterhaltsamer Balanceakt: Einerseits erzählt er sehr überzeugend vom Zusammenstoß der Kulturen und beweist dabei sehr viel Sinn und Geschmack für Situationen und Stimmungen. Und zeigt dabei sowohl Respekt wie auch Verständnis für traditionelle Werte. Andererseits blickt er aber auch ehrlich und direkt auf einen despotischen Vater, der verzweifelt um seine Identität und Kultur in der für ihn noch immer “fremden Umgebung“ ringt: George ist auch nach Jahrzehnten nie “richtig“ in England angekommen und heimisch geworden, während es ein Zurück für ihn nach Pakistan/in seine Heimat nicht mehr geben kann. Die Suche nach Werten und Wertigkeit treibt ihn jäh zur Verzweiflung.

Regisseur Damien O‘Donnell beleuchtet in “East Is East“ beide Seiten und Gefühl des Lebens und der Kulturen. Dabei imponiert, wie er ohne Schuldzuweisungen oder Denunzierung von Personen auskommt. Ein wunderbarer kleiner Film, der als humaner Appell für Toleranz und Verständnis NATÜRLICH nicht nur für englische Verhältnisse gilt. Ganz im Gegenteil: Mangels entsprechender heimischer Angebote ist dieser neue britische Film “East Is East“ genau die hervorragend, filmische Ergänzung zur kürzlichen BERLINER REDE des deutschen Bundespräsidenten Johannes Rau über die Ausländerpolitik und die Ausländersituation hierzulande. Tenor dort wie hier: Ohne Angst und Träumerei verständnisvoll zusammenleben. Fazit also: „East Is East“ oder ein kluger Film zur richtigen Zeit (= 4 PÖNIs)!