Distant Voices, Still Lives

Man kann über die Jury-Entscheidungen zum 1. Europäischen Filmpreis kaum schelten. Eines jedoch ist zu bedauern. Ein Film, der gleich mit fünf Nominierungen bedacht war, ist unverdientermaßen leer ausgegangen. Ich meine den schon auf vielen Festivals hochgelobten und wirklich außergewöhnlichen Film

DISTANT VOICES, STILL LIVES“ von Terence Davies (GB 1988; 85 Minuten; Start D: 01.12.1988).

Das ist ein filmisches Fotoalbum aus der Jugendzeit des Regisseurs Anfang der fünfziger Jahre in Liverpool. Es sind Erinnerungen des Schmerzes an grausame und ungerechte Väter, an misshandelte Mädchen und Frauen, an die kargen Rituale des Alltags, die immer wieder durch die Lieder und Songs von damals verschönert wurden.
Dabei gelang dem Team um Terence Davies präzise Bilder und Einblicke aus dem proletarischen Milieu. Dennoch ist “Distant Voices, Still Lives“ keine EIendsschnulze oder eine blindwütige Sozialattacke, ganz im Gegenteil. Der Film ist ein sensibles, genau beobachtetes Porträt einer Unterschicht und ihres traditionellen Lebensstils.
Jede Szene erzählt eine eigene kleine Momentgeschichte. Es ist aufregend, in diesen unbekannten, interessanten Gesichtern “zu lesen“, einzutauchen in ihre Gefühle, mit ihnen zu leiden oder ihren Gesängen zuzuhören.

“Distant Voices, Still Lives“ ist einer der mitteilsamsten und anregendsten Filme der letzten Zeit (= 4 ½ PÖNIs).