DER PERFEKTE CHEF

PÖNIs: (5/5)

„DER PERFEKTE CHEF“ von Fernando León De Aranoa (B + R; Spanien 2020; K: Paul Esteve Birba; K: Paul Esteve Birba; M: Zelta Montes; 120 Minuten; deutscher Kino-Start: 28.7.2022);

SENÓR BOSS! Eine Wucht: J A V I E R  B A R D E M! Titel = „DER PERFEKTE CHEF“ von Fernando León De Aranoa (B + R; Spanien 2020; K: Paul Esteve Birba; M: Zelta Montes; 120 Minuten; deutscher Kino-Start: 28.7.2022). Wenn man einen Film schaut und dies nicht merkt, dass man einen Film beobachtet, weil man dermaßen abgetaucht ist, sich eingebunden fühlt, dann handelt es sich um ein „BESONDERES WERK“. Um ein Meisterwerk. Vor allem auch, wenn man ihn im (spanischen) Original einverleibt, mit deutschen Untertiteln, und dies intensiv dazu beiträgt, dass man sich mit Film, Personal, Atmosphäre, Tiefgang,  Bewegungen und Sprache faszinierend verbunden fühlt. Und so wird und wirkt auch klar, dass dieser Film zu den herausragenden Erlebnissen des Kinojahres 2022 zählen wird. Will sagen, schon an dieser Kritikstelle, die unbedingte Besichtigungsempfehlung gilt! Für dieses empathische wie gedankliche Ausnahme-Goldfilmstück.

Die Örtlichkeit  – irgendwo in der spanischen Provinz. Mit Kleinstadt-Nähe. Dort befindet sich d a s Unternehmen – übersetzt: Blanco Waagen. Kein Schreibfehler, sondern tatsächlich – Industriewaagen werden hier produziert (und nicht etwa Autowagen). Etwas heruntergekommene große Lettern signalisieren draußen, an der riesigen Wand der Produktionshalle, was hier angesagt ist, „verlangt“ wird, nämlich, übersetzt: Fleiß, Ausgewogenheit sowie natürlich: Zuverlässigkeit. Signale, Anordnungen, die vom kompetenten „väterlichen“ Chef kommen, von Senór Julio Blanco (Javier Bardem). Einer, wie er sich präsentiert, einer ganz und gar lieben, mit sanften Tönen versehenen außerordentlichen und dabei sehr fürsorglichen Führungsfigur. Dem speziell seine „Fabrik-Menschheit“ am Ausnahme-Herzen liegt. Von wegen, wie er öfters gerne erklärt: Ich glaube an Gleichgewicht und Gerechtigkeit. Herr Blanco ist fest davon überzeugt, dass seine Worte Gesetz bedeuten, weil schließlich seine Entscheidungen das Wohl der Firma bestimmen. Einem quasi familiären Familienverbund. Diese Einstellung hat Senór Blanco Reichtum beschert, Respekt eingebracht und viele blecherne, porzelanige Auszeichnungen. Die in seinem privaten Haus eine feinsinnig ausgeleuchtete Wand becircen. Aber – jetzt gilt es, sich den letzten fehlenden „Teller“ noch einzuverleiben, um „komplett“ zu sein. Dabei handelt es sich um den Preis für exzellente Unternehmensführung der Regierung. In diesem Jahr soll es endlich damit  klappen. Doch die glanzvolle Fassade beginnt zu bröckeln. Als plötzlich unerwartete Probleme auftauchen. Weil sich der gütige Blanco mit einem entlassenen Mitarbeiter, einem deprimierten Produktionsleiter (dessen häusliche Liebe „wackelt“) und einer listigen Praktikantin herumtun muss. In einem geradezu grotesken Wettlauf gegen die Zeit, von wegen: Die Prüfungskommission der Regierung steht bald vor dem Werktor, ist der doch sonst so liebe Buana-Chef hektisch bemüht, die Probleme seiner Angestellten schnellst-möglichst zu lösen. Allerdings überschreitet er dabei allerhand moralische Grenzen. Doch was tut man nicht alles für den begehrten Erfolg.

Begeisternd: Mit einer köstlichen, wunderbar-bissigen schwarzen Komödie kehrt „Oscar“-Preisträger, kehrt Superstar JAVIER BARDEM („No Country for Old Men“/s. Kino-KRITIK; der brillante Bond-Bösewicht in „Skyfall“/s. Kino-KRITIK) in sein Heimatland Spanien zurück. Liefert mit einem bestechenden Auftritt als souveräner Patriarch einer erfolgreichen „Fabrik-Familie“ eine Glanzleistung als Führer ab, dem die Kontrolle über sein souverän geführtes Reich zu entgleiten droht. In seiner dritten Zusammenarbeit mit dem Autoren-Regisseur León de Aranoa („Montags in der Sonne“; Loving Pablo“) zieht dieser Seelen-Akrobat alle Register seines grandiosen Könnens und präsentiert Firmenchef Blanco als eine unvergessliche Figur des modernen Kinos. Zuhause wurde dieser „perfekte Chef“ für gleich 20 GOYAS (von 28 einheimischen „Oscar“-Möglichkeiten) nominiert und bekam diesen höchsten spanischen Filmpreis u. a. für den „Besten Film“; für die „Beste Regie“; für das „Beste Drehbuch“ und für den „Besten Hauptdarsteller“ JAVIER BARDEM. Selten traf die Verbindung packende GESELLSCHAFTSKRITIK und vortreffliche, hartnäckige UNTERHALTUNG so zielsicher. Wunderbar! (= 5 PÖNIs).

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