Deepwater Horizon Kritik

DEEPWATER HORIZON“ von Peter Berg (USA 2015; B: Matthew Michael Carnahan, Matthew Sand; basierend auf einem „New York Times“-Artikel von David Barstow, David Rohde und Stephanie Saul vom 25. Dezember 2010; K: Enrique Chediak; M: Steve Jablonsky; 107 Minuten; Start D: 24.11.2016); vier Monate ist es her, dass das britische Mineralöl- und Energie-Unternehmen BP mit einer weiteren Milliardenzahlung versucht hat, einen endgültigen finanziellen Schlußstrich unter die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko vom 20. April 2010 zu ziehen. Doch das Geschehen von damals ist damit nicht aus der Welt, sondern das Thema kommt durch diesen gelungenen Katastrophen-Thriller weltweit über die Kinos wieder zur Erinnerung. Dabei interessieren Regisseur Peter Berg („Friday Night Lights – Touchdown am Freitag“; „Hancock“) und seine beiden Drehbuch-Autoren weniger die fürchterlichen ökologischen Folgen dieser größten Umweltkatastrophe in der Geschichte der USA, sondern die letzten verhängnisvollen Stunden vor der Explosion und die darauffolgenden Ereignisse innerhalb der Besatzung. „Basierend auf wahren Ereignissen“, heißt es im Vorspann.

Vorab zur Statistik: 2001 wurde die Bohrinsel „Deepwater Horizon“ in Südkorea fertiggestellt. 9438 Quadratmeter war die Plattform groß (121 Meter mal 78 Meter). In 10.600 Meter Tiefe wurde 2009 gebohrt. Am 20. April 2010 geschah der Unfall, über den die Untersuchungskommission in ihrem Abschlussbericht später befand: Der Unfall war „vorhersehbar und vermeidbar“. Zwei Tage nach der Explosion ging die Bohrinsel unter. 11 Mitarbeiter kamen ums Leben. 1500 Meter unter der Wasseroberfläche entstand ein Leck. 87 Tage lief Öl in den Golf von Mexiko. Über 1000 Kilometer Küste der US-Bundesstaaten Louisiana, Mississippi, Alabama und Florida wurden verschmutzt. 48000 Helfer mit bis zu 10.000 Booten waren zeitweise im Einsatz, um die Verschmutzung aufzuhalten. 780 Millionen Liter Erdöl liefen aus dem Leck in den Golf von Mexiko. (Was einer Füllmenge von rd. 50.000 Tanklastwagen entspricht). Weite Teile der Küsten wurden mit giftigem Ölschlamm verseucht. Fast 7 Millionen Liter chemische Öl-Bekämpfungsmittel wurden eingesetzt. Hunderttausende Seevögel starben wegen der Verschmutzung. Genaue Zahlen dazu gibt es nicht. Auch die Todesrate von Delfinen und Schildkröten stiegen deutlich an. 3 Firmen trugen laut Untersuchungsbericht die Hauptschuld an dem Unfall: der britische Ölkonzern BP, Tiefsee-Spezialist Transocean und Zementhersteller Halliburton. 61,6 Milliarden US-Dollar kostete BP laut eigenen Angaben vom Juli 2016 die Katastrophe.

Ausgangspunkt: Zeitverzug. Und Zeit kostet BP täglich sehr viel Geld. Also drängt der sich auf der Bohrinsel befindende BP-Manager Donald Vidrione (JOHN MALKOVICH) aufs schnelle Weitermachen, was bedeutet, mögliche Mängel außer (Begutachtungs-)Acht zu lassen. Nach dem Motto: Wird schon gut-gehen. Ist doch immer gut-gegangen. Wir müssen weitermachen. Wir brauchen jetzt das Öl. Auch der Manager kriegt von seinem „Oben“ viel Druck. Die Einwände von Experten wie Chef-Techniker Mike Williams (MARK WAHLBERG) und Jimmy Harrell, dem Chef der Deepwater Horizon (KURT RUSSELL), werden ignoriert. Dann schießen irgendwann Gas und Öl unter ungeheurem Druck an die Oberfläche und das unglaubliche Chaos nimmt seinen grausamen Lauf.

Der Film erzählt von mutigen Männern, die unter Einsatz ihres Lebens auf diesem stählernen Koloss, in diesem flammenden Inferno Kollegen zu retten versuchen. Zeigt Nähe und nennt Namen. Gibt diesen Menschen ein Gesicht, die innerhalb dieses „Gewinn-Öl-Spiels“ zwar taffe Profis sind, aber im Grunde auch nur „Marionetten“. Der höheren Geld-Macht vertraglich gehorchen müssend. Und immer wieder begibt sich das aufwühlende Katastrophen-Szenario bildlich in die pulsierende Nähe der gigantischen Gerätschaft tief unter Wasser. Wo es ständig rumort, sich Stahlmassen bewegen, die Anlage wie eine Vereinigung von düsteren Würmern ausschaut, die die Macht übernehmen wollen.

Der Schau-Wert ist enorm. Der Gedanken-Wert folgt. „Deepwater Horizon“ will nicht Heldentum vorführen und erklären, sondern spannende Menschlichkeit vermitteln. Inmitten eines unvorstellbar schlimmen Katastrophen-Szenarios. Der Super-Gau dominiert. Um dann die zu ehren, die gekämpft, es aber nicht hieraus geschafft haben. Irgendwann sind die Namen der Toten in die Filmhandlung mit-eingebunden.

„Deepwater Horizon“ ist ein düsterer Kerle-Film mit rasantem Action-Charisma. Aufwühlend, spannend, erneut (wie bei den ersten Meldungen damals) fassungslos und dann nur noch wütend machend. Die Stars wie Mark Wahlberg, Kurt Russell, John Malkovich und Kate Hudson, als Ehefrau von Mike Williams, folgen den Spuren dieser erneut aufrüttelnden, erschütternden Begebenheiten. Bedienen routiniert das tragische Spannungsthema dieses hochexplosiven Films (= 4 PÖNIs).