DEATH PROOF – TODSICHER

„DEATH PROOF – TODSICHER“ von Quentin Tarantino (B + Co-Produzent + K + R; USA 2006; M: u.a. Jack Nitzsche sowie populäre Pop-Songs; 114 Minuten; deutscher Kino-Start: 19.07.2007); Hollywoods beliebtester „Krawall-Macher“ als Drehbuch-Autor, Regisseur, Schauspieler + Produzent. Tarantino kam am 27. März 1963 in Knoxville/Tennessee zur Welt. Seine Mutter Connie war bei der Geburt erst 16, sein Vater 21. Als er zwei war, zog seine Mutter mit ihm nach Los Angeles, wo sie ihn alleine groß-zog. Seine Freizeit verbrachte Tarantino bevorzugt in kleinen Vorstadtkinos, die hauptsächlich Martial-Arts-Filme („China-Kracher“) und B-Movies zeigten. Im Alter von 16 Jahren brach er für eine Schauspielausbildung die Schule ab. Fünf Jahre später übernahm er einen Job in der „Video Archives“-Videothek in Manhattan Beach. Dort „bekam“ er sein umfassendes filmisches Detailwissen. Der Rest ist Legende/Karriere: 1992 war der Gangster-Thriller „RESERVOIR DOGS – WILDE HUNDE“ (mit u.a. Harvey Keitel) sein Debütfilm; Tarantino wurde über Nacht zum neuen Hoffnungsträger für den unabhängigen Film. Ein Jahr darauf entstand „PULP FICTION“ (s. Kino-KRITIK / mit u.a. John Travolta + Samuel L. Jackson), der die „Goldene Palme“ von Cannes erhielt sowie den „Oscar“ für das „beste Drehbuch“ zugesprochen bekam (und weitere 6 „Oscar“-Nominierungen erhalten hatte). Für „JACKIE BROWN“ von 1997, eine Hommage an das „Schwarze Genre-Kino“ der 70-er (s. Kino-KRITIK /mit u.a. Pam Grier + Robert Forster), erhielt er ebenfalls eine „Oscar“-Nominierung. Danach schuf er 2002 das 2-teilige Rache-Epos „KILL BILL (mit der Schwert-Lady Uma Thurman), das 2003 + 2004 im Abstand von wenigen Monaten in die Kinos kam.

Sein neuestes, 5. Langfilm-Projekt heißt im Original „GRINDHOUSE“. Das Freundespaar Tarantino & Robert Rodriguez („El Mariachi“/“Desperado“/“From Dusk Till Dawn“) kam auf die Idee, das klassische DOUBLE-FEATURE-Programm der 70-er wiederaufleben zu lassen. (In Anlehnung an die „schmuddligen“ Grindhouses, die in den 30-er und 40-er Jahren in den Zentren der Großstädte der USA aufkamen und bis in die 80-er Jahre vor allem B-Movies mit Sex, Gewalt und bizarren Plots nonstop zeigten. GRINDHOUSE = der Begriff kommt vom englischen Verb TO GRIND OUT, also ETWAS ABWETZEN, also immer und immer wieder „ABSPULEN“). Verbunden durch ebenfalls von ihnen gedrehte Fake-Trailer, sollten beide Etwa-Ein-Stunden-Filme in einem Programm laufen. Und so kam es in den USA dann auch: Das zweigeteilte Trash-Projekt lief am 6. April 2007 dort an – und wurde zum Flop. So dass jetzt INTERNATIONAL beide Filme GETRENNT sowie LÄNGER angeboten werden.

Tarantino + Rodriguez fertigten/montierten dafür ihre ursprünglichen Langfassungen von 90+ Minuten als nunmehr jeweils EIGENSTÄNDIGE Filme. „Death Proof – Todsicher“ kommt in dieser Woche bei uns in einer 113-minütigen Fassung heraus; „Planet Terror“ von Rodriguez wird erst im Herbst, am 4. Oktober, bei uns folgen. Übrigens: Ohne die Fake-Trailer jetzt. „DEATH PROOF – TODSICHER“ huldigt, wie soll es auch anders sein, dem B-Kino. Thematisiert das „Schmutzkino“ von einst. Sensible Seelen seien gewarnt: Hier geht es verbal wie physisch „zur Sache“. Erst stellt Tarantino, mit sich selbst in der Rolle eines Wirtes, „lustige Südstaaten-Provinz-Girlies“ in den Blick- und Mittelpunkt. Man palavert, zickt, posiert, kifft in der Stammkneipe, um dann von einem doch recht freundlich aussehenden und sich auch (zunächst) „so“ gebenden Psychopathen mit Namen „Stuntman Mike“ auf der Straße in den Tod gejagt zu werden. Einige Monate später und einige Orte weiter ist Mike wieder aktiv.

Diesmal hat er 4 Ladies vom Film im Visier: Stuntfrauen. Die allerdings können allerhand aushalten/vertragen, können „vehement“ zurückkeilen. Und tun dies dann auch genüsslich. Sie werden zu „ebenbürtigen Partnern“ auf der langen, staubigen Todesstraße… sozusagen. Nochmal sei gewarnt: Ein ganz und gar SCHMUTZIGER Film. Ein richtig-feiner SCHROTTFILM. Mit viel politischer, gesellschaftlicher, erzählerischer und vor allem auch visueller UNKORREKTHEIT. In Anspielungen an z.B. Autocrash-Klassiker wie „Fluchtpunkt San Francisco“ von Richard C. Sarafian aus dem Jahr 1970 (der „Easy Rider“-Epoche), könnten die Weiber-Kämpfer auch gut und gern als die nicht gerade zimperliche Frauen-Gang aus dem Russ-Meyer-Klassiker „Faster, Pussycat Kill! Kill!“ bzw. „Die Satansweiber von Tittfield“ von 1966 durchgehen.

Während der sonst so nette KURT „Die Klapperschlange“ RUSSELL als „Irrer der Landstraßen“ mächtig viel Spaß an seinem neuen „Killer-Image“ zu genießen scheint. „Death Proof“ ist ein einziger Lobgesang auf das Billig-, das Schund-Kino und bietet alle Zutaten, die ein anständig-unanständiges B-Movie benötigt: Paranoide Action, spritzendes Blut und kreischende Mädels. Wenn Tarantino hier viele Blech- und Körperteile umhersausen lässt, restauriert er ironisch-schwarzhumorig ein Filmgenre, das es sonst nur noch in der Erinnerung und in den dunklen Ecken der Videotheken gibt. Übrigens: Entsprechend „zugerichtet“ präsentiert sich sein Film auch überhaupt – mit zerkratztem Vorspann sowie unsauberen Schnitten tut er gerade so, als handele es sich hier um die arg geflickte Kopie eines „damaligen Pictures“ aus dubioser Quelle…

Ach so ja: Und auch in der Musik gibt sich Tarantino gerne wieder Classic-bewusst mit vielen Jukebox-Raritäten von einst, darunter dem unverwüstlich-herrlichen Rabauken-Rock-Song „HOLD TIGHT“ mit Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick & Tich. Ein Hammer, wie DER sich heute noch/wieder anhört, wie der MITREISST und WIE die Show-Girls ihn lieben… (= 4 PÖNIs).

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