DEADPOOL 2

„DEADPOOL 2“ von David Leitch (USA 2017; B: Rhett Reese; Paul Wernick; Ryan Reynolds; nach dem gleichn. MARVEL-Comic-Charakter; Co-Produzent: Ryan Reynolds; K: Jonathan Sela; M: Tyler Bates; 119 Minuten); …und noch ’n‘ Ami-Comic. Gerade tobte sich noch die MARVEL-Prominenz auf der Leinwand in „Avengers: Infinity War“ aus, da schickt Hollywood bereits einen weiteren Superhelden auf die Knaller-Reise. „Deadpool“, eine Nebenfigur aus dem „X-Men“-Imperium. Er darf zum zweiten Mal nach seinem Erstauftritt im Februar 2016 durchstarten. Damals gab es kritische Dissonanzen bei uns in der Redaktion: während für mich „Deadpool“ Bullshit-Kino war (s. Kino-KRITIK), war Kollegin „Carrie“ Steinkrug voller begeistertem Enthusiasmus (s. Kino-Gast-KRITIK). Ginge es nach den Besucherzahlen, hätte Carrie recht, denn mit knapp 2,7 Millionen Kino-Zuschauern hierzulande gab es einen beachtlichen Zuspruch. Und überhaupt: Das Budget für diesen Streifen betrug damals „nur“ 58 Millionen Dollar, während die Lichtspiel-Show weltweit rund 760 Millionen Dollar einnahm. Profit deckt alles zu.

Auch jetzt erneut? Wo sehr viel mehr Budget-Dollars in die Produktion gesteckt wurden? Bevor es in die kritischen Details geht, eine – leider dazugehörige – entsetzliche Nachricht, denn es gab einen schlimmen Todesfall während der Filmarbeiten: Am 14. August 2017 starb die zum ersten Mal beim Film mit-arbeitende afroamerikanische Stunt-Frau Joi „SJ“ Harris in der Figur für Zazie Beetz als Domino bei einem Motorradunfall, währenddessen sie keinen Helm trug. Zwei Tage wurde die Produktion unterbrochen, dann machte man weiter. Keine Wertung, sondern traurige Chronistenpflicht.

Als neuer Spielleiter für Teil 2 wurde der Stunt-Koordinator und Regisseur DAVID LEITCH verpflichtet. Der hatte neulich bei den beiden John Wick-Action-Movies mit Keanu Reeves mitgewirkt und war auch für den Charlize Theron-Schwachsinn „Atomic Blonde“ verantwortlich. Auffallend bei diesen Filmen: die übermäßige, völlig unkontrolliert-überbordende, humorfrei-stupide Baller-Baller-Gewalt. Menschen wird von oben genüsslich in den Kopf geschossen, die Lady lässt die Knochen knacken. Was für (k)ein Vergnügen! Und Leitch tobt sich hier weiter aus. Inszeniert eine elende Dauer-Gewalt, die nur dadurch ständig „beruhigt“ wird, weil ja alles Geschehen sofort und ironisch-vollmundig-vulgär als Filmzitat und überhaupt: eben zum absurden Comic erklärt wird. Wo doch alles „erlaubt“ sei. In der Tat: Die vielen Hinweise auf Bond, Logan-Wolverine, „Die Eiskönigin“, „Star Wars“  und zigfach andere Aufrufe wirken ganz ulkig locker, lässig, poppig, aber nach und nach auch reichlich ermüdend. In der Vielzahl. Und abgestumpft. Dazu kommt, dass die Story keine richtige ist, sondern nur als „Appetithappen“ für die Aneinanderreihung von Gewalt, Gewalt und Noch-Mehr-Gewalt dient: Stunt-handfest oder mit Hilfe des Computers.

Ein dicker Bub, Russell (Julian Dennison), besitzt feurige Superkräfte und wird von einem Mutanten aus der Zukunft bedrängt: Cable = JOSH BROLIN ist nicht nur bei den aktuellen „Avengers: Infinity War“ derzeit Über-Schurke (Thanos), sondern auch hier. Damit der, Russell, nicht später, als Super-Erwachsener, seine Familie auslöscht: klar, „Terminator 2“-Winke-Winke. Deadpool (RYAN REYNOLDS) will den – eigentlich nicht sonderlich netten und schon gar nicht spannenden – Fettkloß retten, kriegt das alleine nicht hin, also sucht er sich Gleichgesinnte, um den Mutanten Cable in die Schranken zu weisen. Oder so ähnlich. Oder so doof.

Natürlich wird auch der beliebte 1. Teil-Gag wiederholt, einfach mittendrin die Chose zu unterbrechen, um sich schnell mal direkt wie angeblich gagig ans Publikum verbal zu wenden, aber auch dies löst keine umfangreichen Begeisterungsstürme aus. Etwas Schmunzeln, gewiss. Drumherum, wenn DP = Deadpool ein X-Force-Team zusammenzustellen versucht, also bei den anderen pappigen Superhelden, wird es mitunter triefend-banal. „Heldin“ Domino (ZAZIE BEETZ) kommt über den Billig-Status als dunkelhäutige Alibi-Mitläuferin nicht hinaus; keine Wirkung, keine Akzente. Zudem wird es ganz lau beim Nebenpersonal, etwa beim indischen Taxi-Man (Karan Soni), über den wegen seines dauernden Pannen-Akzents blöd gelästert wird, der sich aber auch als langweiliger lächerlicher Voll-Horst-Blödmann zeigt. „Deadpool“, der Film, bemüht sich, ulkig-doppelzüngig aufzutreten, ständig gewollt-ironisierend, dabei jedoch bedient er eher die vermeintlich angegangenen Vorurteile grob in Sachen Rassismus, Hautfarbe, Sexualität. Und Gewalt-Krawumm. Was unangenehm-dümmlich wirkt.

Und Ryan? Der Reynolds? Der Mit-Autor und Co-Produzent knautscht sich in sein Latex-Kostüm („Ich seh‘ aus wie ein Pepperoni-Fladenbrot“), haut permanent Sprüche ‚raus, ja doch, und hetzt sich ab. Während er, Achtung!: „50 Shades of Hintern versohlt“. Mit einem mehr dumpfen denn lachenden Auge (= 2 PÖNIs; wg. ein paar guter Sprüche halt).

Preis: EUR 6,99