DAS SCHÖNSTE MÄDCHEN DER WELT

„DAS SCHÖNSTE MÄDCHEN DER WELT“ von Aron Lehmann (Co-B * R; D 2017; Co-B: Lars Kraume; Judy Horney; K: Andreas Berger; M: Boris Bojadzhiev; Konstantin Scherer; 103 Minuten); wie oft schon gelesen und auch gesehen: Es ist ein populärer Literatur- und Film-Klassiker, ausgehend von der auch heute mehr denn je aktuellen Betrachtung  –  äußerlich ist wichtiger als innerlich. Motto: CYRANO VON BERGERAC, zuletzt 1990 attraktiv auf der Leinwand, in Gestalt von Gerard Depardieu, der freiheitsliebende Poet mit der gigantisch großen Nase. Der sich in die schöne Roxanne verliebt, aber sich – wegen seines Gesichts-„Makels“ – nicht traut, sich zu offenbaren. Also schickt er den schlichen Christian vor, um seine Verse an die Geliebte vorzutragen.

2018 findet „Cyrano von Bergerac“ in der Schulklasse statt. Wo der weibliche Neuling Roxy (LUNA WEDLER) sogleich den Boys den Kopf verdreht. Doch mit wem freundet sich das schmucke Girl an? Mit dem sensiblen Außenseiter Cyril (AARON HILMER), der sich oft der Häme ausgesetzt sieht von wegen seines umfangreichen „Kolbens“ im Gesicht. Aber „wirkliches“ Interesse hat Roxy an dem attraktiven Rick (DAMIAN HARDUNG). Der sich leider aber als eher geistiger Tiefflieger („Mr. Valium“) erweist. Doch damit nicht der fiese Angeber-Aufreißer Benno (JONAS EMS) Rick aussticht, startet Cyril eine waghalsige Verkupplungsaktion. Schreibt für Rick coole Songs und romantische SMS. Und das alt-moderne Spiel mit der Maskerade inmitten von authentischen Battle Raps kann starten. Merke: „Ich hatte noch nie ’ne Freundin, und solange ich diese Türklinke im Gesicht habe, wird sich das auch nicht ändern“, näselt Cyril.

Frisch, fröhlich, weniger fromm, aber schön frei-mundig. Und ganz schön frech. Cyrano in der Hip-Hop-Version. Bei einer Klassenfahrt nach Berlin. Mit namhaften „Statisten“ wie HEIKE MAKATSCH in der Klischee-Pose einer dauer-nervösen Klassenlehrerin oder der als coole Cyril-Mutter kurz und witzig auftrumpfenden ANKE ENGELKE. Während im Stichwort- und Beigabe-Ensemble verkrampfte, unangenehm aufgedonnerte Girlies-Figuren mit ihren bescheidenen Schalk-Bemühungen den Spaß eher dämpfen, wie auch ein überaus dussliger „Bereit für Berlin“-Animateur-Lehrer (Johannes Allmayer), und auch der Rick-Typ Damian Hardung zu überzogen-bekloppt mimt, sind die beiden sympathischen „Rampensäue“ LUNA WEDLER & AARON HILMER eine choreografisch-charmante, also körpersprachlich voll pointiert-anmachende Bewegungs-Wucht.

Diese neue Cyrano-Version ist ein hübscher Zeitgeist-Spaß, mit allerdings manchmal affig-albernen Humor-Bremsen (= 3 PÖNIs).