Cuban Fury – Echte Männer tanzen Kritik

CUBAN FURY – ECHTE MÄNNER TANZEN“ von James Griffiths (GB 2013; B: Jon Brown; K: Dick Pope; M: Daniel Pemberton; 98 Minuten; Start D: 19.06.2014); das ist d e r 4:0-Film zum ersten deutschen WM-Spiel beim Turnier in Brasilien (zur Erinnerung, für später: 4:0 gegen Portugal). Er ist flott, hat gute Verbal-Pässe, setzt torreife Pointen und vermag prächtig zu unterhalten. Obwohl das Thema „überschaubar“ ist. Doch die Briten verstehen es einmal mehr vortrefflich, mit einer überhaupt nicht originellen Story trotzdem viele köstlich-unterhaltsame Humor-Punkte zu erzielen.

Weil sie Prima-TYPEN dafür in ihren Reihen haben. Wie die Deutsche Fußball-Nationalmannschaft. In deren Team gibt es (wie früher schon mal sehr erfolgreich) einen „Reißer“ mit dem schönen deutschen Namen MÜLLER. Vorname: Thomas. Ein herrlich schlaksiger Team-Player. Uneitel. Mit heruntergelassenen Stutzen „unauffällig“ wie brillant- gefährlich vorne herumwuselnd. Gleich dreimal müllerte es bekanntlich in diesem denkwürdigen WM-Auftaktspiel am gestrigen Montag, den 16. Juni 2014. NICK FROST, geboren am 28. März 1972 in Romford im britischen Essex, ist darstellerisch ein britischer „Müller“. Als „pummliges Kind“ im lustigen Körper. Als „komischer Stürmer“. Gemeinsam mit seinem ehemaligen WG-Mitbewohner Simon Pegg und dem Regisseur Edgar Wright war er in solch schrägen Film-Einschlägen wie „Shaun oft he Dead“ (2004), „Hot Fuzz – Zwei abgewichste Profis“ (2007) sowie zuletzt in „The World’s End“ stark beteiligt. Außerdem konnte der füllige Nick in – natürlich britischen – Späßen wie „Kinky Boots – (Man(n) trägt Stiefel“ (2005), vor allem als DJ David „Dr. Dave“ in dem Hit „Radio Rock Revolution“ von 2009 sowie in dem Science-Fiction-Nonsens „Paul – Ein Alien auf der Flucht“ (2011) viele Pluspunkte einfahren. NICK FROST besitzt inzwischen auch hierzulande viele Fans. Und bedient sie nun als rundlicher „John Travolta“ mit enthusiastischem Salsa-Fieber. Und zwar deshalb:

Er heißt hier Bruce. War 1987, als 13jähriger, drauf und dran, mit seiner Partnerin und Schwester Sam die Junioren-Weltmeisterschaft im Salsa zu gewinnen. Das Tanzparkett war seine Bühne, der Salsa seine Passion. Doch dann wird er von Rowdys gedemütigt und verprügelt. Ein Trauma, das ihm bis heute nachhängt. Apropos, heuer hat dieser herzensgute, schüchtern geerdete Bruce einen tristen Bürojob in einer Maschinenbaufirma und mit Tanzen längst nichts mehr am Hut. Kriegt aber drum herum immer noch genügend „ab“: Ist hin und wieder „beliebte“ Spott-Zielscheibe seines zotigen Schleimer-Kollegen Drew. Dann aber taucht die attraktive Amerikanerin Julia (RASHIDA JONES) auf, die neue Chefin. Und sie hat eine riesige Leidenschaft, na, klar: SALSA. Doch wie mit dieser „10“ in Kontakt kommen? Zumal dieses eklige Alphatier Drew (CHRIS O’DOWD) sich ihr gegenüber schon in Positur stelzt. Doch wozu hat man seine zwar wenigen, aber wirklichen Freunde? Die zeigen sich bisweilen zwar reichlich durchgeknallt, doch was soll’s, der Tanz-Weg ist das Flächen-Ziel: Bruce & Konsorten im heißen Training fortgeschrittenen Lebens.

Ich weiß, dies hört sich nicht gerade überaus erfinderisch an. Ist es auch nicht. Kommt aber dennoch schelmisch und britisch-bissig klasse ´rüber. Weil die Figuren wie ihre Pointen funkeln. Diesen sich emanzipierenden Bruce-Trauerkloß in der stattlichen Figur und dem erstaunlich bewegungsaktiven Nick Frost zu erleben, ist bildlich gesprochen wie guten, leckeren Alkohol selbstironisch zu sich zu nehmen. Angesiedelt zwischen amüsantem Guinness und edlem Whisky pur. Mal Turnschuh, mal Lack. Wobei ihn das ebenfalls prächtig aufgelegte und angemachte Ensemble sympathische Beihilfe zukommen lässt; und hier soll besonders KAYAN NOVAK als heißblütiger schwuler neuer Salsa-Gehilfe Bejan aus dem Iran erwähnt werden, der mit extravaganten Dribbeleien fröhlich auffällt.

Eine herzhafte britische Sommer-Komödie, kurz vor Sommer-Anfang: „Cuban Fury“ ist wie eine ausgelassene (Augen-)Party nach einem 4:0 „für UNS“ (= 3 ½ PÖNIs).