Crossing over Kritik

CROSSING OVER“ von Wayne Kramer (B+R; USA 2008/113 Minuten; Start D: 25.06.2009); der 1965 in Südafrika geborene und in den USA lebende Filmemacher besitzt seit dem Jahr 2000 die amerikanische Staatsbürgerschaft. 2003 schuf er den faszinierenden Debüt-Film „THE COOLER“, ein Casino-Liebes-Krimi mit William H. Macy, Maria Bello und Alec Baldwin („Oscar“-Nominierung). 2006 folgte „Running Scared“, ein packender Straßen-Mafia-Polizei-Krimi.

Hier nun wandelt er auf den episodenhaften Menschen- und Erzähl-Spuren von „L.A. Crash“, dem „Oscar“-Film von Paul Higgis (2007), indem er „fremde Schicksale“ thematisch verknüpft. Beteiligte: Eine Schauspielerin aus Australien; ein Musiker aus England; eine iranische Großfamilie; Flüchtlinge aus der Dritten Welt; ein koreanischer Teenager; eine mexikanische Fabrikarbeiterin. Sie alle sind – mehr oder weniger – angekommen im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“, in den USA, und wollen dort bleiben. Doch „aufhalten“ bedeutet nicht gleichzeitig „bleiben-dürfen“. Max Brogan (HARRISON FORD) von der Einwanderungsbehörde kann davon „ein Lied singen“: Denn tagtäglich macht der Veteran und Quasi-Polizist „Jagd“ auf die „Illegalen“ und tapert buchstäblich und wortwörtlich im Elend herum. Doch er ist weder blind noch taub dabei geworden, und so kümmert er sich eines Tages um den kleinen Sohn einer illegalen jungen Mexikanerin. Was Folgen hat.

Der mit RAY LIOTTA, ASHLEY JUDD, CLIFF CURTIS („Whale Rider“) und JIM STURGESS (“Across The Universe“) weiterhin prominent besetzte Film beleuchtet ebenso intensiv-spannend wie bisweilen bedrückend-nahegehend Immigranten-Leben im Einwanderungsland USA. Wo seit dem 11. September 2001 „ein verdammt anderes Klima“ herrscht, was hier einer muslimischen Schülerin, die kritisch über Selbstmordattentäter in der Schule referiert, zum Verhängnis wird. „Crossing Over“ zeigt sich als spannende Bestandsaufnahme aktueller amerikanischer Fremdenangst, wenngleich bisweilen einige rührselige Beitöne und charakterliche „Ungereimtheiten“ unangemessen erscheinen. Dennoch: Ein Film, der mit unterhaltsamen Mitteln stets gut den Kopf „füttert“ (= 3 ½ PÖNIs).

ALLERDINGS: Im Internet, bei „Filmstarts.de“, ist einer Meldung vom 30.4.09 zu entnehmen, daß Autor und Regisseur Wayne Kramer sich von seinem „fertigen Film“ distanziert. Der Grund: „Haupt-Produzent“ Harvey Weinstein habe über 20 Minuten entfernt und so die Struktur des Episodendramas ge-/verändert. So sei zum Beispiel der KOMPLETTE HANDLUNGSSTRANG mit („Milk“-„Oscar“-Preisträger) SEAN PENN (= taucht im „jetzigen Film“ überhaupt nicht auf) aus dem Film geschnitten worden. Der Film, den er inszeniert habe, so wird dort Wayne Kramer zitiert, sei um ein Vielfaches mutiger und deutlicher gewesen als das, was jetzt zu sehen ist. Vielleicht gibt eines Tages die „komplette“ DVD-Version Auskunft darüber, ob „Crossing Over“ möglicherweise „anders“ gesehen werden muß.