Croods Kritik

DIE CROODS“ von Chris Sanders & Kirk DeMicco (B+R; USA 2012; M: Alan Silvestri; 98 Minuten; Start D: 21.03.2013); ursprünglich sollten die britischen Knet-Künstler von „Aardman Animations“, die Erfinder von „Wallace & Gromit“, dieses Projekt vorantreiben. Jedenfalls stammt die erste Drehbuchversion – aus dem Jahr 2005 – immerhin von der Monty Python-Ikone John Cleese und dem Autoren Kirk DeMicco, dessen Regie-Debüt 2008 der Animationsfilm „Space Chimps – Affen im All“ war, für „Aardman“. 2007 gingen die Filmrechte an das einst von Steven Spielberg mitbegründete Unternehmen „DreamWorks“, was den dortigen Mitarbeiter Chris Sanders, Illustrator und Mit-Erfinder der Anarcho-Filmfiguren von „Lilo & Stitch“ (2002), aktiv werden ließ. Sanders, 53, wurde 2011, gemeinsam mit seinem Regie-Partner Dean DeBlois, mit dem er schon bei „Lilo & Stitch“ zusammenarbeitete, für den hervorragenden Animationsstreifen „Drachenzähmen leicht gemacht“ für den „Oscar“ nominiert. Diese Vorabinfos sind insoweit wichtig, als wir es hier insgesamt nicht mit diesen sonst vielfach „süßlichen, niedlichen Animationsshows“ à la Disney’s konservativer Familienplanung zu tun haben, sondern mit eckig-kantigem wie lustigem Family-Entertainment. In dem mehr verblüffender „Stunk“ passiert, als es die poppigen Äußerlichkeiten – zunächst – anzeigen. Signalisieren.

Wie hier. Die Welt. In ihrer Entwicklung. In ihrem Wandel. Von der Urzeit zur nächsten (Stein-)Zeit. Die Evolution halt. Schreitet fort. Sie sind die Letzten. Family-Vertreter aus den Anfängen. Die Croods. Eigentlich eine „stinknormale“ Proll-Sippe. Mutter, Vater, drei Kinder. Und mit einer Schwiegermutter, die von ihrem Schwiegersohn wenig hält. Während er ihr Ableben herbeisehnt. Man haust in einer dunklen Höhle, predigt den Gören vor allem „Angst“ als wichtigsten Überlebensgrundsatz. Geradezu paranoid hält Papa Grug „Furcht“ als die Meßlatte fürs Überleben. Hoch. Also „traut“ man sich nur ab und zu aus der Wohnhöhle, um draußen mal schnell Nahrung aufzuspüren, und saust danach gleich wieder in die schützende Dunkelheit zurück. Nun ist es damals so wie heute – die kesse Tochter Eep hat die pubertäre Gusche voll. „Wagt“ sich mehr und höher neugierig ´raus. In die angeblich so lebensfeindliche „andere Welt“. Begegnet ihrem „ersten Boy“, dem jungen Menschenburschen Guy. Natürlich – Girl meets Boy. Nichts kann nun die emotionalen wie weltlichen Entwicklungen mehr aufhalten. Und weil der „kreative“ Planet halt noch zünftig experimentiert, wie es denn „künftig“ eigentlich so „sein“ soll auf der Erde, stehen fortan kernige Überlebens- wie Annäherungs- wie Entdeckungsabenteuer auf dem irdischen Spielplan. Was Urerzeuger Grug überhaupt nicht in den (gestrigen) Lebenskram passt, weil dies doch seine Autorität ziemlich untergräbt. Innerhalb dieser neuen, nun größeren wie inzwischen auch „tierischen“ Gruppe. Freundlich ausgedrückt. Also gibt er schon mal den Beleidigten. Was aber niemanden mehr so recht zu interessieren scheint. Eep & Begleiter haben jetzt das Sagen. Führen. In Sachen neues Da-Sein probieren. Sozusagen – das Feuer entdecken. Und auch Schuhe. Das Mädel ist entzückt.

Ein Gag-Fest. Zum listigen wie schelmisch- hintergründigen Schauen: Jedenfalls „haut“ einmal mehr dieses putzige 3 D-Verfahren – Motto: Wenn Pusteblumen schweben oder das Popcorn aus den Maiskolben explodiert – ulkig auf die Augen. Ebenso wie diese noch zu domestizierende Riesen-Grinsekatze. Wie erfreulich phantasievoll: Wenn Kulturhistorie auf eigenwillige Modern-Art trifft. Und dabei poppig swingt. Mit mehr Köpfchen als Buntbetäubung. Mit viel originellem Slapstick-Beat und lakonisch-lockeren „Kommentierungen“. Im Original von Nicolas Cage als gestresstem Familienoberhaupt Grug und mit Emma Stone als aufmüpfiger Teenie Eep. Sowie mit der Stimme von Ryan Reynolds als cooler Guy. In der deutschen Version von Uwe Ochsenknecht, Janin Reinhardt und Kostja Ullmann sprachlich serviert.

„Die Croods“ ist ein einfallsreiches, turbulentes Crazy-Vergnügen. Von tollem Animationsfilm. Pfiffig wie emotional. Catch as Cartoon-Can (= 4 PÖNIs).