Krimi im Cinema Bundesallee

SPANNUNG SATT (1986) – Zu einer Kriminalfilmreihe im „Cinema“ in der Bundesallee

Ach, das ist ja einfach, dachte ich mir. Über mein Lieblingsgenre zu schreiben, wird nicht allzu schwer fallen, schließlich hast du viel gesehen und kannst dich außerdem in einige in interessante (Nachschlag-) Literatur vertiefen. Aber dann ging’s schon bei der Formulierungssuche los. Was überhaupt ist ein „echter“ Kriminalfilm‘? Antwort: Ein Stück Film, der sich aus mehreren Motiven zusammensetzt. Und zwar aus denen des Film-Thrillers, des Gangster-Films, des Detektiv-Films und des Abenteuer-Films. „Im allgemeinen Sprachgebrauch muss das Wort Kriminalfilm für fast alle Filme herhalten, in denen ein Verbrechen eine wesentliche Rolle spielt“, verunsicherte Buchers Film-Enzyklopädie zusätzlich, denn dann kämen ja auch Western, Science Fiction… in Betracht.

Aber lassen wir das und berufen wir uns lieber nochmal auf die Identifizierung hei Bucher. „Da die Gedankenspiele, die den Reiz dieses Genres ausmachen, einer möglichst direkten Darstellung bedürfen, um optimal wirken zu können, spielen fast alle Kriminalfilme in der Gegenwart“. .Also bitte und hinein ins 107fache herbstliche Spannungsvergnügen. Ursprünglich, so informieren „Cinema“-Chef Udo Zyber und Mitarbeiter Manfred Bittmann, waren mal 250 Filme geplant, aber davon musste bald Abstand genommen werden, weil viele Kopien trotz intensiver Bemühungen und Suche entweder nicht aufzutreiben oder nicht mehr vorführbar waren oder von Verleihern nicht rausgerückt wurden.

Also blieb quasi ein gesiebtes „Lieblingsprogramm mit Abstrichen“ der Beiden übrig, das sich aber wirklich sehen lassen kann. Weil halt viele Filme dabei sind, die endlich wieder mal auf einer Leinwand genossen werden können und. die selten oder gar nicht mehr sonst im Kino vorzufinden sind. Wie zum Beispiel „Der Anderson Clan“ von Sidney Lumet aus dem Jahre 1970, einer Klaugeschichte mit Orwell- Geschmack und Sean Connery in Bestform. Oder er kam nur nachts von Gruselexperte William Castle (1964), wo sich Barbara Stanwyck von ihrem blinden Ehemann bedroht fühlt, der eigentlich längst tot sein sollte.

In Rene Clements „Das Haus unter den Bäumen“ hatte Faye Dunaway 1971 einiges auszustehen, bevor der Alptraum für sie vorüber war. „La Maison Sous Les Abres“ gehört zu den pikantesten Psycho- Erlebnissen des weiß Gott nicht unterentwickelten 70iger Filmjahrgangs. Allein sieben Filme stammen von einem der großen Spannnngsvirtuosen Hollywoods, von Don Siegel. In dem 1975 entstandenen Reißer „Die schwarze Windmühle“ lässt er den genervten britischen Agenten Michael Caine ganz schön lange „im Regen stehen“, bevor der sich zum entscheidenden Duell mit dem Überschurken treffen darf. Natürlich ist auch Clint Eastwood als „Dirty Harry“ (1971) wieder mal im actionreichen Einsatz, während die Rauschgiftschmuggelstory „Der Henker ist unterwegs“ von 1958 weitgehend unbekannt geblieben ist. Trotz Eli Wallach. „Man geht wieder über Leichen“ von Clive Donner, 1965 fertiggestellt, sollte ich unbedingt auch erwähnen, in dem Alan Bates als skrupelloser Aufsteiger herum tönt bis schließlich rauskommt… (aber wer wird denn was verraten).

Über „Nacht über Paris“ von Pierre Chenal wusste 1958 der ‚Film-Dienst‘ nur zu schimpfen, und zwar „ganz übel die dargestellten Polizeimethoden“ heißt es da. Charles Vanel war damals aber auch noch sehr prügelfest. Kein geringerer als „Afrika“-Experte Sydney Pollack startete 1965 mit einer aufregenden Story seine große Karriere. In „Stimme am Telefon“ gelingt es dem Medizinstudenten Sidney Poitier die verzweifelte Anne Bancroft vom Selbstmord abzuhalten. Während zehn Jahre später Hollywood-Routinier Robert Aldrich mit „Straßen der Nacht“ eine außergewöhnliche Polizei- und Liebesgeschichte schuf, die von Publikum nicht angenommen wurde, weil Burt Reynolds als depressiver Pulle und Catherine Deneuve als Feudal-Nutte gegen den „guten Geschmack“ spielten. Natürlich ist auch ein „Meisterwerk“ im Angebot, das jederzeit unter die ersten zehn der Bestenliste gehört: „Vier im roten Kreis“ von Jean-Pierre Melville, der einst die schwärzesten französischen Krimis drehte, die es je gab (auch „Der eiskalte Engel“ fehlt natürlich nicht im Aufgebot).

So könnte das nun weitergehen, zu den meisten Filmen fallen einem Anekdoten, Momentaufnahmen oder szenische Erinnerungen ein. Aber als subjektiver Anreiz mag das genügen. Liebhaber und Anhang können sich auf was gefasst machen… .