Casablanca

Am Anfang gab es das Bühnenstück; ‚“Everybody Comes To Rick“: Von
Murray Burnett und Joan Alison. Geschrieben im Sommer 1940 in einem
kleinen Appartement in New York. Weil der Broadway es nicht abnahm, wurde
das 97-Seiten Werk Hollywood angeboten. Wo es am 8. Dezember 1941 eintraf.
Hollywood war elektrisiert. Denn nach dem Angriff der Japaner auf Pearl
Harbour war die politische Neutralität aufgehoben. Man suchte jetzt
verstärkt nach patriotischen Geschichten und Figuren. Am 12. Januar 1942
kaufte der Warner Bros.-Produzent HaI B.Wallis für 20000 Dollar die
Rechte:

CASABLANCA“ (USA 1942; 102 Minuten; gekürzte Fassung Start D: 29.08.1952, Originalfassung: 01.10.1975) war geboren.

Die erfahrenen Autoren Philip und
Julius Epstein machten sich gemeinsam mit dem 27jährigen Schriftsteller
Howard Koch an die Drehbuch-Entwicklung. Viele Ideen und Entwürfe
entstanden. Von den ersten Besetzungsgerüchten ist vor allem jenes in
Erinnerung geblieben: RONALD REAGAN als Rick Blaine. Bald aber war das
Team komplett zusammengestellt. Für die beiden Hauptrollen wurden der
43jährige Star HUMPHREY BOGART und die 27jährige Schwedin INGRID BERGMAN
engagiert. Drumherum: Emigranten-Kollegen wie Paul Henreid aus Österreich,
Claude Rains aus England und Conrad Veidt aus Deutschland. Dazu, am

Klavier, der schwarze Sänger DOOLEY WILSON, der nicht Klavierspielen
konnte. Der stimmte einen Song aus dem Jahr 1931 von Heman Hupfeld an,
der zum Leitmotiv und Welterfolg wurde: „AS TIME GOES BY“.

Nur 5 Schauspieler des Teams waren gebürtige US-Amerikaner, als am
25. Mai 1942 die Dreharbeiten von „Casablanca“ unter der Leitung des aus
Ungarn stammenden Regisseurs MICHAEL CURTIZ begannen. Dabei war die Story
noch gar nicht fertig. Im Gegenteil: Sie wurde Tag für Tag erst
weiterentwickelt. Und: Vor allem der Schluss bereitete den Beteiligten
schlaflose Nächte, wie Co-Autor Julius Epstein vor 10 Jahren bei einem
Deutschland-Besuch verriet.
Schließlich aber war alles am 3. August 1942 „im Kasten“. Drehzeit:
59 Tage; Budget: Knapp 1 Mio. Dollar. Die Fein-Arbeit, der Schnitt,
konnte beginnen. Wobei niemand ahnte, dass hier eine Film-Legende
geschaffen werden sollte.
Weil sich die politische, sprich kriegerische Weltlage Anfang November
1942 durch die Landung alliierter Invasionstruppen unter General
Eisenhower in Französisch-Marokko verschärfte, wurde „Casablanca“ vorab
ins Kino gebracht. Am 26. November 1942 erblickte der Film im
„Hollywood-Theatre“ in New York das Leinwand-Licht. Landesweiter
US-Kino-Start war dann am 23. Januar 1943, kurz nach der Konferenz von
Casablanca mit Roosevelt und Churchill.

Der Rest ist Ruhm: Nach gleich
8 Nominierungen erhielt „Casablanca“ im Jahr darauf 3 „Oscar-Trophäen:
Für den „besten Film“, den „besten Regisseur“ und für das „beste
Drehbuch“. Allerdings sollten erst noch 33 weitere Jahre vergehen, bevor
der Film in der kompletten Version in West-Deutschland zu sehen und zu
hören war: Denn bei der Uraufführung im August 1952 fehlten sage und
schreibe 24 politische Minuten: Alles was mit dem Dritten Reich und den
Nazis zu tun hatte, war aus geschäftlichen Gründen getilgt worden.
Erst die ARD stellte 1. Oktober 1975 „Casablanca“ unter der Synchron-
Regie von Wolfgang Schick und mit der deutschen Bogart-Stimme von
Joachim Kemmer vollständig vor. Und seitdem können auch wir hierzulande
diesen unsterblichen Klassiker so richtig und ausdauernd genießen… (= 5 PÖNIs).