THE RETURN OF THE FIRST AVENGER

THE RETURN OF THE FIRST AVENGER“ von Anthony & Joe Russo (USA 2013; B: Christopher Markus, Stephen McFeely; K: Trent Opaloch; M: Henry Jackman; 136 Minuten; Start D: 27.03.2014); im Original heißt der Streifen “CAPTAIN AMERICA: THE WINTER SOLDIER” und verweist auf die patriotischste Figur aus d e m US-Comic-Haus: MARVEL. Wo man ja seit geraumer Zeit die aufwändigen Film mit den eigenen Helden gleich selber produziert (“Marvel Cinematic Universe”/MCU). Die beiden Themen-Vorläufer „Captain America – The First Avenger“ (2010) und “Marvel´s The Avengers” (2010/s. Kino-KRITIK) waren totale Blödnummern, aber das ändert sich hier gewaltig. Dieses neue „Captain America“-Spektakel besteht seine Unterhaltungsprüfung. Ist vor allem unten, auf den Straßen, großartig „kämpferisch“ gelungen , weil mit sagenhaften Action-Motiven gefüllt, und gibt des Weiteren, erstaunlicherweise, auch inhaltlich einiges – hochpolitisches – her.

Zunächst – dieser Typ, der erstmals 1941 ins Comic-Leben trat, wird im heutigen Amerika „aufgetaut“. Der Weltkriegsheld lebt jetzt als Privatkerl Steve Rogers in Washington und bemüht sich, seinen Platz in der heutigen Gemeinschaft zu finden. Aber Superheld ist immer Superheld, anfangs darf er uns wieder zeigen, was er so alles als Super-Man draufhat. 25 Piraten haben ein Schiff gekapert, doch gegen IHN haben sie keine Chance. An seiner kämpferischen Locker-Seite: „Seine“ Heldin Natasha Romanoff alias Black Widow (alias die fesche, rothaarige SCARLETT JOHANSSON). Aber auch danach sind Ruhephasen für ihn gering, denn sein Chef Nick Fury (SAMUEL L. JACKSON), Direktor der amtlichen Friedensorganisation S.H.I.E.L.D., fällt einem Attentat zum Opfer. „Vertraue niemandem!“, lauten seine letzten Worte zu seinem besten Mitarbeiter. Und Captain America sowie weitere Agenten der Regierungsbehörde stehen plötzlich auf einer Abschussliste. Werden von einem besonders fiesen Übeltäter namens „Winter Soldier“ (SEBASTIAN STAN) attackiert. Der natürlich „im Auftrag“ handelt. Der gute Captain kommt einer hinterhältigen Verschwörung „ganz Oben“ auf die Schliche und bemerkt entsetzt, dass der Feind nun „Zuhause“, im inneren Machtzirkel Amerikas, lauert.

Unglaublich: Sein Ami-Land als Schurkenstaat. Motto: Mögliche Staatsgegner vernichten, bevor sie überhaupt ihre Terror-Attacken begehen. Können. Werden. Mittels einer aktiven Superdrohne machen wir UNS unangreifbarer, schwärmt Alexander Pierce (ROBERT REDFORD), Boss einer mächtigen Organisation, die für die Sicherheit des Landes verantwortlich ist (und nicht etwa das Weiße Haus!). Und will für eine „neue Ordnung“ sorgen. Marke: Kritische Bürger-Gedanken müssen bereits im Vorfeld erkannt und als „staatsgefährdend“ „entsprechend“ behandelt werden. Ganz aktuell: Die Visionen eines George Orwell (“1984”) in den USA des 21. Jahrhunderts: Big Brother Is Watching You. Liberalität ade. Allein Furcht soll künftig das politische wie handfeste – paranoide – Handeln in Amerika bestimmen. Dafür steht allerdings „Altes“ und sind Altgediente wie die Shields-Kameraden um den Captain im Weg. Doch DIE lassen sich natürlich nicht so einfach auslöschen. Ganz im Gegenteil. Wozu besitzen sie schließlich ihre „speziellen Kräfte“. Und Fähigkeiten. Fortan gelten SIE als Feinde. Als Aufständische. Im eigenen Land. Müssen nun desillusioniert gegen ihre eigenen Leute ´ran.

Eine mundende Show. Mit irrwitzig toller wie brillant choreografierter Verfolgungshektik und mitunter schlauen Story-Gedanken. Von wegen: Misstrauen in Autoritäten ist clever. Blindes Vertrauen dagegen führt zur Diktatur. Des Systems. Und seiner Apparate. Wobei der Captain auf die gute alte solide „Handarbeit“ setzt. Diese neue Technik ist ihm heuer zuwider. Mit „Ich dachte, die Strafe kommt erst nach dem Verbrechen“, setzt er auf bewährte demokratische Schlagzurück-Regeln. Die es zu verteidigen gilt. Dabei benimmt sich Captain America hier alles andere als gewohnt-übermütig, als patriotische Dumpfbacke, sondern nähert sich eines unterkühlten Real-Charmes. Wo anstatt Holzhammer-Blödsinn plötzlich interessante kritische Heimat-Gedanken eine nicht unerhebliche Amerika-Rolle spielen.

Chris Evans & Scarlett Johansson toben freundlich durch die modernen Neuen Comic-Zeiten, und dem 77jährigen lakonischen „Oscar“-Star ROBERT REDFORD (kürzlich erst in „All Is Lost“ begeisternd) in seinem ersten Hollywood-Blockbuster-Movie macht es offensichtlich Spaß, hier bigotte wie schurkische USA-Überwachungsmechanismen süffisant „zu präsentieren“. Wegen dieser kritischen Denkmotive ließ er sich wohl überreden, hier galant mitzumischen. In einem Fantasy-Epos der Genre-fremden Brüder-Regisseure Anthony Russo, 44, und Joe Russo, 42, (Komödienhit „Ich, du und der Andere“/2006), in dem überraschend viel furios-gute Unterhaltung steckt (= 3 ½ PÖNIs).