CAN A SONG SAVE YOUR LIFE?

CAN A SONG SAVE YOUR LIFE?“ von John Carney (B + R; USA 2012/2013; K: Yaron Orbach; M: Gregg Alexander; 103 Minuten; Start D: 28.08.2014); die Begeisterung über seinen dritten Spielfilm “ONCE” (s. Kino-KRITIK) war im Januar 2008 enorm; der für gerade einmal 130.000 EURO in Irland entstandene musikalische Menschen-Streifen fand überall auf der Welt kultige Liebhaber. Der mit einem Budget von 25 Millionen Dollar ausgestattete, in den USA gedrehte neue Film des 42jährigen Iren JOHN CARTNEY „kümmert“ sich erneut um ungewöhnliche Menschen und auch wieder um die Musik. In welcher Reihenfolge auch immer. Im „deutschen“ Frage-Filmtitel wird die Richtung vorgegeben und lässt die Antwort ahnen: Natürlich. Kann ein Song dein Leben „retten“. Und das ist dann auch die wunderbarste Szene im Film: Die britische Songwriterin Gretta (KEIRA KNIGHTLEY) singt auf der Bühne eines kleinen Clubs in New York einen melancholischen, nur von ihrer Gitarre begleiteten Song und der zufällig anwesende Musik-Profi Dan (MARK RUFFALO) sieht dabei „mehr“. Wie sich plötzlich Schlagzeug, Bass, Geigen & Co. dazu „bewegen“ und aus diesem leisen Song ein poppiges, stimmungsvolles Wunderwerk gestalten.

Dan ist elektrisiert. Gretta nicht. Kann sie auch gar nicht, denn ER entpuppt sich als abgebrannter Suffkopf. Der als Musikproduzent einst mächtig erfolgreich war, einen guten Riecher für spannende Talente hatte, dann aber völlig versackte. Die Anteile seines Plattenlabels verscherbelte und versoff. Seine Frau Miriam (CATHERINE KEELER/“Capote“) hat ihn längst aus dem Haus geworfen, die pubertierende Tochter Violet (HAILEE STEINFELD/“True Grit“) ist am väterlichen Kontakt wenig interessiert. Kurzum: Als wir den frustrierten Dan kennenlernen, ist er ein Wrack. Dann aber beginnt der Film diese sonderbare feine Geschichte zu entwickeln, siehe Titel. Und der Spaß nimmt seinen Klang-Lauf.

Es dauert lange, bis der Film in Schwung kommt. Knapp 30 Minuten erleben wir einen desorientierten Dan, obwohl wir DAS und IHN längst identifiziert haben. Dazu wird auch IHRE traurige Love-Story mit dem egoistischen Sänger-Knilch Dave (ADAM LEVINE, Frontmann der „Grammy-gekrönten Band „Maroon 5“) motivisch zwischenerzählt, so dass es dauert. Bis es zu diesem faszinierenden Happening an diversen New Yorker Schau-Plätzen unter freiem Himmel kommt, wo livehaftige Aufnahmen für eine „authentische“ CD entstehen. Eingefangen mit dieser atmosphärischen Vor-Ort-Stimmung: Unter Brücken, auf U-Bahn-Stationen, auf Hochhäusern, in kleinen Gassen, in Hinterhöfen, auf Ruderbooten im Central Park. Entspannt, inspirierend, kribbelnd. Als Soundtrack des Lebens. Für zwei Melancholiker, denen der Originaltitel die Richtung weist: „Begin Again“. Motto: Individuelle Musik als unverfälschter Seelen-Ausdruck.

Wenn man will, „Once“ nochmal, nur jetzt „umfangreicher“. Mit erst ziemlich vielen Umwegen. Wehwehchen. Um dann hinreißende „Posaunen-Pointen“ zu entwickeln. Marke: Wenn Träume kreativ angegangen und verwirklicht, bisherige Lebenseinstellungen umgekippt werden. Der Film ist nicht gerade umwerfend, aber äußerst charmant. Zum Mögen. Weil die beiden Rampen-Figuren brillieren: KEIRA KNIGHTLEY, die schöne Britin, 28, verströmt Verletzlichkeit und Mut, singt ihre Lieder selber und begeistert durch Natürlichkeit und sympathischen Normalton. MARK RUFFALO, 45, neulich der Polizisten-Kollege von Leonardo Di Caprio in dem verstörenden Scorsese-Schocker „Shutter Island“, gibt den verletzten, eigentlich erwachsenen Teddy-Bären, der erst über ziemlich ruppige Umwege wieder in seine existenzielle Vernunfts- und musikalische Spaßspur gelangt.

Erst holprig, dann schwungvoll: „Can A Song Save Your Life?“, ein legeres spätsommerliches Feel-Good-Movie 2014 (= 3 ½ PÖNIs).