CAMINO A LA PAZ

„CAMINO A LA PAZ“ von Francisco Varone (B + R; Argentinien 2016; K: Christian Cottet; M: Vox Dei; 94 Minuten; OF mit deutschen Untertiteln); ein sinn-volles spirituelles Road Movie aus einer südamerikanischen Ecke der Welt, wo sich die Mittelschicht der Gesellschaft inzwischen auch mehr und mehr „abgenabelt“ fühlt. Wie der 35jährige Sebastián (RODRIGO DE LA SERNA), der nichts mehr in die Reihe kriegt, zynisch auf vieles reagiert, dabei resigniert hat und sich treiben lässt. Die beabsichtigte Familiengründung mit seiner langjährigen Freundin hat er jedenfalls erst einmal ad acta gelegt. Einziger Stolz ist sein alter Peugeot 505, den er hingebungsvoll pflegt. In Schuss hält. Weil er das Telefon des Vormieters in der neuen kleinen Wohnung immer noch nicht umgemeldet hat, bekommt er andauernd Anrufe für einen Fahr-Service. Und so beschließt er irgendwann, Aufträge anzunehmen, um das Haushaltsgeld aufzubessern. Kommt mit dem älteren Herren Kahlil in Kontakt (ERNESTO „Flaco“ SUAREZ), der wegen seines angeschlagenen Gesundheitszustands ihn öfters als Fahrer benötigt. Obwohl Sebastián ihn nicht gerade freundlich behandelt, macht ihm der Alte eines Tages einen Vorschlag: Fahre mich in das 3000 Kilometer entfernte La Paz nach Bolivien. Für – sehr – gutes Fahr-Geld. Sebastián akzeptiert widerwillig, und es bessert nicht gerade seine Laune auf, dass Herr Kahlil unentwegt Knoblauch isst, eine extrem schwache Blase hat und als gläubiger Moslem fünfmal am Tag die Fahrt unterbrechen lässt, um zu beten. Ihm also eigentlich ständig auf die Nerven geht. Zudem werden am Straßenrand des Öfteren neue Reisebegleiter „eingesammelt“. Einschließlich eines Hundes. Doch je länger die Tour miteinander dauert, je mehr nähert man sich langsam an. Eine Art Vater-Sohn-Beziehung nimmt Fahrt auf. So dass man sich schließlich auch in Sachen Musik zu verständigen vermag:  Orientalische Klänge einer Sufi-Musikgruppe vermischen sich mit Rock-Musik, die von der argentinischen Gruppe „Vox Dei“ = „Stimme Gottes“ aus deren Konzeptalbum „La Biblia“ von 1971 stammt.

Ein Road-Movie als Läuterungs-Film. Ein „Normal“-Christ trifft auf einen praktizierenden Moslem. Ein alter Mann will sich würdig und würdevoll „verabschieden“; ein Junger beginnt zuzuhören, zu erfahren, zu begreifen. Entwickelt Toleranz. Ein warmherziger Film, dessen Humanität anspricht, weil er sich unangestrengt und ohne Ausrufungszeichen-Predigt gegen Hass, Abgrenzung, Egoismus und für Dialogbereitschaft und Vertrauen einfühlsam, mitteilsam äußert.

„CAMINO A LA PAZ“ ist ein kleines feines Empathie-Juwel; tut in dieser Zeit gut (= 4 PÖNIs).