Blood Diamond Kritik

BLOOD DIAMOND“ von Edward Zwick (USA/D 2006; 143 Minuten; Start D: 25.01.2007); einem 54jährigen „robusten“ Hollywood-Spannungs-Handwerker (Produzent/Regisseur), der mit Filmen wie „Glory“ (1989/Nebendarsteller-„Oscar“ für Denzel Washington); „Legenden der Leidenschaft“ (1994/mit Anthony Hopkins + Brad Pitt) und zuletzt „The Last Samurai“ (2003/mit Tom Cruise) auch bei uns auffiel. Sein neuer Film, der in den USA während der konsumfreudigen Weihnachtszeit (kurz vor Heiligabend) herauskam, versetzte die Diamantenindustrie in Aufruhr; fürchteten Juweliere um ihr traditionell einträgliches Geschäft: Schließlich geht es um das afrikanische wie internationale BLUTGESCHÄFT MIT DIAMANTEN. Der Filmtitel ist der offizielle UNO-Begriff für politisch „kontaminierte“ Edelsteine. Und beschreibt damit SOLCHE Diamanten aus Afrika, mit denen afrikanische Rebellentruppen sich Waffen (und damit Macht) verschaffen. In den 90er Jahren tobte im afrikanischen Sierra Leone ein blutiger Bürgerkrieg. Während das Land im Chaos versank, plünderten die Warlords die Diamantenvorkommen. Mit diesen „Blutdiamanten“ füllten sie ihre Kriegskassen. Als will fähiger Helfershelfer/“Soldaten“ benutzten sie vor allem Kinder, die sie in überfallenen Dörfern ihren Eltern raubten. Grausamkeit, Elend, Massaker, Armut, Unterdrückung waren an der amoralischen Tagesordnung.

LEONARDO DI CAPRIO spielt den Waffenhändler und Söldner Danny Archer. Einen ebenso desillusionierten wie abgebrühten, charmanten Burschen, der sich ohne einen Hauch von Idealismus und Sendungsbewusstsein auf eine gefährliche Schatzsuche begibt. In seinem Schlepptau: Solomon Vandy (großartig: DJIMON HOUNSOU), ein ehemaliger Fischer, der als zwangsverpflichteter Sklave solch einen sagenhaft-wertvollen Stein gefunden und heimlich vergraben hat. Für die Zusammenarbeit mit Danny stellt er nur eine Bedingung: Archer soll ihm helfen, seine auseinandergerissene Familie wieder zusammenzuführen, vor allem: Seinen entführten und zum Kindersoldaten „umfunktionierten“ Sohn in einem umkämpften Gebiet aufzuspüren/zu retten.

Ein packender Abenteuerfilm; ein aufregendes Polit-Drama; ein rüdes Gewalt-Spektakel; von grandiosem Schauwert; mit brillanten Kritik-Gedanken und realem Horror. In seiner Figurenzeichnung zwar ziemlich klischeehaft „schwarz-weiß“ hantierend (Afrikaner sind entweder Nur-Fies oder Sonst-Ganz-Okay; Weiße denken/fühlen/handeln da schon „differenzierter“), dennoch INSGESAMT mit großem KINO-Unterhaltungspotenzial und interessant-aufregend-unbequemen Tatsachen über globale Zusammenhänge von Wirtschaft, Politik und üblen (Kriegs-)Folgen.

Die Sensation aber ist der 31jährige LEONARDO DI CAPRIO (kürzlich erst in „Departed – Unter Feinden“ von Martin Scorsese gut zu erleben) als cooler Abenteurer/Seelenverkäufer mit draufgängerischem Indiana-Jones-Geschmack, in einer modernen Humphrey-Bogart- bzw. Clark-Gable-Rolle, als ein „aus der Zeit“ gefallener Held: Ebenso charmant wie abgeklärt wie völlig individuell wie sich letztlich opfernd. „Milchbubi“ Di Caprio ist nun also erwachsen geworden…..und läßt seiner Partnerin JENNIFER CONNELLY als toughe, engagierte amerikanische Journalistin-Freundin nur eine (unromantische) Stichwortgeber-Chance. Auffallend wie bemerkenswert zudem – am Film-Ende steht noch der kluge Satz: „ES IST SACHE DES KUNDEN, DARAUF ZU BESTEHEN, DASS DIAMANTEN BLUTFREI SIND!“ (= 4 PÖNIs).