Blind Date – Verabredung mit einer Unbekannten

BLIND DATE – VERABREDUNG MIT EINER UNBEKANNTEN“ von Blake Edwards (USA 1986; B: Dale Launer, K: Harry Stradling Jr.; M: Henry Mancini; 95 Minuten; Start D: 27.08.1987)

Er heißt Graham Stark und dürfte hierzulande bislang nur wenigen wirklich aufgefallen und bewusst bekannt sein. Dabei sorgte gerade er in einigen Blake-Edwards-Späßen für den appetitlichen Humor „aus der zweiten Reihe“ als brillanter Mime und Stichwortgeber. Schon 1964 war er als Hercule Lejoy der genervte Assistent von „Inspektor Clouseau“ Peter Sellers in „Ein Schuß im Dunkeln“ und unvergessen bleibt er gewiss in seiner Lieblingsrolle als andauernde übertölpelter Kellner in „Victor/Victoria“. Graham Stark ist einer von Großbritanniens bekanntesten Komikern und kam einst über seinen Kriegskamerad Peter Sellers von der Royal Air Force – Unterhaltungstruppe zum Edwards- Ensemble. Bislang drehte er rund 90 Filme, aber bei uns hat ihm, der so unglaublich komisch sein kann, noch niemand seine Referenz erwiesen. An dieser Stelle wurde dies nun nachgeholt.

In „Blind Date – Verabredung mit einer Unbekannten“ ist Stark einmal mehr der gepeinigte Butler, der nicht zur Ruhe kommt, weil es einer garstigen Dogge namens Rambo nicht in den Kram passt. Wie also reagiert solch ein ge- und verstörter Hausmann? Er zeigt dem Köter erst einmal seinen nackten Allerwertesten, um ihm danach eine Lektion in Sachen Foppen zu erteilen. Endlich einmal darf Graham als „Jordan the Butler“ der Sieger sein, wenn auch nur gegen eine aufgebrachte Töle. Ganze sieben oder acht Minuten dauert dieser urige Spuk, aber wieder sind es kleine, unübersehbare Köstlichkeiten des britischen Mimen mit der unterkühlten Fassade. Aber natürlich kann sich der etwa 100minütige „Rest“ auch sehen lassen, und wie. Der 45. Film des derzeit besten Komödienexperten Hollywoods ist einer der komischsten und gelungensten überhaupt und gesellt sich zu seinen Meisterwerken „Frühstück bei Tiffany’s“ (1961), mit der wundervollen und wunderschönen Audrey Hepburn, „Der rosarote Panther“ (1964), dem Auftaktfilm mit seiner legendären Clouseau-Figur um den unvergesslichen Peter Sellers, „Der Partyschreck“ (1968), wieder mit Sellers, und „Victor/Victoria“ (1982).

Hier geht es um den Junggesellen Walter Davis (BRUCE WILLIS, Amerikas neues Multitalent), dem rechtschaffenen Angestellten eines Finanzierungsbüros, der für ein Firmenbankett dringend eine weibliche Begleitung benötigt. Sein Bruder „verschafft“ ihm daraufhin Nadja (KIM BASINGER), allerdings nicht ohne die warnende Mahnung, auf keinen Fall Alkohol in ihre Nähe kommen zu lassen. Schon wenige Tropfen würden ausreichen, um aus diesem lieben, zurückhaltenden und züchtigen Wesen eine Unberechenbare werden zu lassen, die nicht zu bremsen sei und unkontrollierte Rundumschläge verübt. Natürlich macht das gerade den braven Walter neugierig, während die Folgen dann in der Tat ein einziger Albtraum für den völlig überraschten und ratlosen Typ sind. Was er fortan alles mit Nadja erlebt und auszuhalten hat, ist mit Worten so gut wie gar nicht zu beschreiben, so aberwitzig, so völlig überdreht, so unglaublich spielen die sich überschlagenden Ereignisse ab.

Ein weiterer Hauptbeteiligter dabei ist noch der Ex-Freund von Nadja, David Bedford (JOHN LAROQUETTE), ein psychopathischer Anwalt, der ständig auf den entgeisterten Walter losgeht, dabei aber das Pech hat mit seinem Wagen, der sich mehr und mehr in eine Schrottkarre verwandelt, immer in irgendwelchen Schaufensterscheiben zu landen. Dennoch aber nicht aufgibt und schließlich scheinbar alle Trümpfe und Nadja in den Händen hält. Aber das kann natürlich nicht der irren Weisheit letzter Schluss sein, was Regisseur Edwards und vor allem sein exzellenter Drehbuchautor Dale Launer auch so sehen.

Apropos Dale Launer, schon mit „Ruthless People – Die unglaubliche Entführung der verrückten Mrs. Stone“ schrieb er ein komisches Kino-Trumpf-As, hier aber hat er sich nochmal übertroffen. Denn das ein „Running Gag“, ein fortlaufender Jux, eine sich entwickelnde Alberei, über einen ganzen Film verteilt wird, ist üblich, manchmal allerdings sind es auch nur ein paar lustige Minuten hintereinander. Das aber solch eine ruhelose, pointierte Show gleich ununterbrochen über eine Dreiviertelstunde läuft, ohne das kaum Zeit zum (gedanklichen wie physischen) Luftholen bleibt, geschweige denn das herrliche Chaos gebremst oder aufgelöst wird, ist ungewöhnlich, dürfte zu den Spitzenleistungen in Sachen Leinwand-Humor zählen und gehört in die Guinness-Liste (= 5 PÖNIs).