BIRDS OF PREY: THE EMANCIPATION OF HARLEY QUINN

PÖNIs:    (2/5)

„BIRDS OF PREY: THE EMANCIPATION OF HARLEY QUINN“ von Cathy Yan (USA 2019; B: Christina Hodson; frei nach den Comic-Figuren von DC; K: Matthew Libatique; M: Daniel Pemberton; 110 Minuten; deutscher Kino-Start: 06.02.2020).

Gastkritik von Caroline „Carrie“ Steinkrug

Es war einmal … im Jahr 2016. Als DCs Antiheldentruppe, die „Suicide Squad“, die Kinobühne betrat, um zu demonstrieren: Auch Kriminelle können Superstars sein (s. Kino-KRITIK). Letztendlich „stöckelte“ aber vor allem eine direkt in die Herzen des Publikums: MARGOT ROBBIE alias Harley Quinn. Die süßeste Versuchung seit es den Joker gibt, denn dessen Kreation, Gespielin und Freundin ist sie. Abhängig von seiner Person. Seinem Schutz unterstellt. Innerhalb einer „Bonnie & Clyde“-Partnerschaft, die für eine Verfilmung deshalb besonders interessant ist, weil sie eine extreme – einerseits romantische, andererseits aber auch missbräuchliche – Mischung aus Grausamkeit und Gefühl personifiziert. Und darin ihre Faszination begründet. Findet. Doch das alles ist Geschichte, denn der „Clown Prince of Crime“ darf nicht mehr mitspielen. In der Synopsis: Hat er sich von seiner „Mörderbraut-Barbie“ getrennt. Offiziell heißt es dazu: Mrs. Robbie wollte ihre „Harley“ lieber innerhalb einer reinen Mädchen-Gang parken, als in einer dualen Beziehung. Unter der Hand: Munkelt man, dass es große Unstimmigkeiten zwischen der „Produktion“ – sprich der Regisseurin – und dem Joker-Darsteller JARED LETO gab, der jetzt also nicht mehr dabei ist und stattdessen aktuell für Hauptkonkurrent-MARVEL arbeitet. Dumm gelaufen. Und: schade.

Stattdessen 1: die „Birds of Prey“ (= Raub- oder Greifvögel). Ersetzen ihn. Quasi so etwas wie die „Spice Girls“ des DC Universums. Nur um einiges blutiger. Schlagkräftiger als die populäre Weibchen-Band aus Großbritannien. Die „Birdies“ sind: „Sporty Spice“, die rachsüchtige Mafiatochter Helena Bertinelli genannt „Huntress“ (MARY ELIZABETH WINSTEAD); „Posh Spice“, die Barsängerin Dinah Lance mit dem Künstlernamen „Black Canary“ (JURNEE SMOLLETT-BELL) und „Scary Spice“ Renee Montoya (ROSIE PEREZ), eine Polizistin auf der Suche nach neuen (Ab-)Wegen. Junge Frauen, die sich emanzipieren. Wollen. Allen voran Frisch-Single Harley Quinn (MARGOT ROBBIE), die vielleicht Titelhelden ist, jedoch einiges an Federn lassen muss, wenn es um die Aufmerksamkeit innerhalb der Storyline geht. Denn diese verlagert sich eher in Richtung: Fiese „Vögelchen“, die – zwar schon mit ihrer Hilfe, aber wenig präsent – ein kleines Diebesmädchen jagen, das wiederum einen wertvollen Diamanten verschluckt hat und diesen wieder aus…sch…scheiden soll. Wie ulkig. Dazu kommen namenlose Kopfgeldjäger, die ihnen hinterherhetzen, jetzt wo Ex-„Daddy`s Lil Monster“-Quinn ihre Immunität verloren hat. Die ihr einst durch Mr. J. gegeben war.

Das Fan-Herz des wohl berühmtesten Paares in der DC-Welt leidet. Auch, wenn es die Trennungsphase zuvor schon in der Vorlage gab. Grund hier: Der Joker schickte seine Liebste auf einer Rakete Richtung Himmel, um sich wieder voll und ganz auf die Arbeit konzentrieren zu können. Das fand diese verständlicherweise nicht so toll und plante deswegen ihre Vendetta. Gegen den Lover. Aus dieser (Jagd-)Beziehung entwickelte sich folglich mal Hass, mal Liebe, aber stets war die Connection zueinander – in welcher Form auch immer – ein Thema. „On“/„Off“ sozusagen. Diese ganz zu eliminieren … funktioniert so nicht. Nicht einmal in Zeiten des (berechtigten) Hollywood-Feminismus oder MeToo.

Stattdessen 2: zielt der Film weit am Potential der Antiheldin vorbei. Deren Pro-Liste doch so lang ist. Sein könnte. Da wäre: MARGOT ROBBIE! Süß. Sexy. Unglaublich talentiert. Mehr als nur eine Klischee-Blondine. Eine Schauspielerin, die inzwischen zu Recht durch Auftritte wie in „I, Tonya“ (2018; „Oscar“-Nominierung; s. Kino-KRITIK) zum Weltstar avancierte. Schlüpft wieder in ihre tätowierte Haut. Doch leider nur noch als harte Hau-Drauf-Wie-Nix-Püppi und nicht mehr als Zucker-Blondes-Gift-Lolita. Mit Doppelboden-Sexappeal. Was der Figur einfach nicht gut bekommt. Denn: Ihr typischer Charme, geht bereits zu Beginn mit den abgeschnittenen Haaren den Abfluss ‘runter. Weicht einer furchtbaren Bob-Frisur als Metapher dafür, dass jetzt generell wohl nur noch „kurzer Prozess“ gemacht wird. Ihr gesamter Look ist dahin. Die niedlichen erotischen Outfits: weg. Ersetzt durch: Papagei-Klamotten. Vergangen sind die Zeiten der so heißbegehrten Jeremy-Scott-High-Heels, die nach „Suicide Squad“ Millionen von Frauen in Verzückung versetzten. Weil einfach fast jedes „Girl“ so sein wollte wie SIE: bezaubernd und tödlich zu gleich. Gutes Stichwort: tödlich. Weil: Dieser Film ist härter, krasser, derber. Pusht mehr den Gore-Faktor, also einen blutrünstigen Effekt, als den der Action. Natürlich winkt in diesem Punkt Konkurrent MARVEL zynisch mit dem Brutalo-Meister „Deadpool“ aus der ersten Riege ins Parkett (s. Kino-KRITIK). Von dem hat sie sich dann wohl gleichfalls diesen ständig nervenden Voice-Over abgeschaut, der krampfhaft versucht das zu erzählen, was einfach nicht vorhanden ist: eine Geschichte. Die vorne und hinten nicht funktioniert, weil anstelle einer starken „Bonnie“, die den leeren Platz von „Clyde“ füllen müsste, nichts zündet! Noch nicht einmal der Witz (im Kontrast zu der „ach-so-angepriesenen“ Gewalt), welcher ihr von ihren Erfindern Paul Dini und Bruce Timm eigentlich mit in die Wiege gelegt wurde. Die Folge: viel Frust. Null Fun. Kaum Entertainment. Lacher während der Pressevorführung: 1 1/2.

Stattdessen 3: EWAN McGREGOR – was für ein Bösewicht! Hätte man dem süßen Sonnyboy aus Schottland so gar nicht zugetraut. Sein „Roman Sionis“ alias Antagonist „Black Mask“, auf der Jagd nach dem verlorenen Juwel: brilliert! Erfindet sich neu. Ist dermaßen intensiv fies, dass er den Bad-Ass-Chicks die Show klaut. In einem emanzipierten Kontext … dramatische Pause … Ende. Der Diskussion.

Kurzum: BIRDS OF PREY – AND THE FANTABULOUS EMANCIPATION OF ONE HARLEY QUINN, so der Original-Titel, ist zwar kein Total-Ausfall, aber trotzdem unfassbar schrecklich unbefriedigend, weil die ganze Zeit der (aktuelle Vergleichs-)Gedanke, der Wunsch mitschwingt, was hätte sein können, wenn MARGOT ROBBIE einem Regisseur wie Todd Phillips begegnet wäre. Der die Freundin seines JOKERs (s. Kino-KRITIK) mit der gleichen Intensität, der Liebe zum Detail, dem Gespür, dem Feingefühl für Dialoge, für Inszenierung, für Erzähltiefe auf Kino-Leinwand gezeichnet hätte. Können. SIE hätte in den Mittelpunkt gehört. Gemusst. „Die Rolle eines Harlekins ist zu dienen. Er ist nichts ohne seinen Meister“, heißt es an einer Stelle. Stimmt. Dass in diesem Fall aber schlussendlich zwei Kerle die Oberhand gewinnen, nämlich erstens: Mr. J., der schmerzlich vermisst wird und zweitens: EWAN McGREGOR mit seiner alles überlagernden Darstellung, dient wirklich keinem. Weder dem Spaß, noch der Emanzipation. Und diese „Clown Princess of Crime“ hätte es dermaßen verdient gehabt mehr zu sein als eine dumpfe Punk-Göre im Babysitter-Modus. So ein (mich) enttäuschender Rummelrotz!!! (= 2 „Carrie“-PÖNIs; …Bruce der Haustier-Hyäne und dem ausgestopften Bieber im pinken Tutu-Röckchen sei Dank.)

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