Big Eyes Kritik

BIG EYES“ von Tim Burton (USA 2013; B: Scott Alexander, Larry Karaszewski; K: Bruno Delbonnel; M: Danny Elfman; 106 Minuten; Start D: 23.04.2015); die keineswegs „goldenen 1950er und 60erJahre“: „Mann“ war geschlechts-spezifisch die Nummer 1 und gesellschaftlich „vorne“; „Frau“ zählte automatisch nur als Nummer 2. Als geduldetes Anhängsel. Eine alleinerziehende Frau und Mutter, ganz schwierig. Und eine Frau, die „Talent“ besaß, zum Beispiel in der Malerei: Großes Misstrauen.

San Francisco in den 60er Jahren. Margaret (AMY ADAMS) ist geschieden. Kümmert sich um ihre Tochter Jane allein wie liebevoll. Die beiden Mädels bilden ein Team. Als ihr geschiedener Ehemann das Sorgerecht für Jane beantragt, kommt ihr Walter Keane (CHRISTOPH WALTZ) „gerade recht“. Ein charmanter, eloquenter Burschen-Mann. Der von Paris zu erzählen weiß, dem Aufenthalt an der dortigen Kunst-Akademie, und seine Bilder mit Pariser Straßen-Motiven ebenso zu verkaufen versucht wie Margret ihre eigenartigen Bilder. DIE von Kindern mit ganz besonders großen Augen. Hypnotischen Seelen-Augen. Kurzum: Man heiratet. Tochter Jane darf bei ihr bleiben und hat jetzt einen neuen Daddy. Margarets Bilder kommen langsam an. Werden entdeckt. Mehr und mehr. Werden gemocht. Vom „Volk“. Geraten in Mode. Werden viel gekauft. Da aber in den damaligen Zeiten offensichtlich ein „Künstler“ mehr hermachte als eine KünstlerIN und Margaret sich in der Öffentlichkeit sowieso mehr schüchtern denn selbstbewusst bewegt, übernimmt Walter Keane ihren Part. Mit ihrer Zustimmung: Stellt sich als DER Künstler in Positur und wird zum Maler-Star. Mit ihren immer begehrter werdenden Bildern. Kann endlich DAS öffentliche Leben führen, das er schon immer führen wollte: anerkannt, beliebt, erfolgreich. Reich. Währenddessen Margaret „heimlich“ weiter fleißig malt. Doch je mehr ER in der Öffentlichkeit wie ein Erfolgs-Pfau geltungssüchtig herumstolziert und sich kultig feiern lässt, umso unglücklicher wird sie. Zumal er sich von Mal zu Mal ekliger benimmt. Cholerischer. Von „seinem“ Ruhm gar nicht genug kriegen kann. Und sie zunehmend drangsaliert. Mit jähzornigen Ausbrüchen. Und der Aufforderung, stumm zu bleiben und noch mehr „herzustellen“. Damit die Welt auch mit „Keane“-Postkarten, -Poster und vielen weiteren Merchandising-Produkten überschwemmt werde. Bis SIE schließlich „erwachsen“ wird. Sich emanzipiert hat. Und alles erklärt. Öffentlich.

Nie gehört – von Walter und vor allem von (der heute 87jährigen) MARGARET KEANE. Von ihren eigenartigen Kulleraugen-Bilder. DIE heute als „Kunst des Kitsches“, wie nachzulesen ist, eingestuft werden. Eigentlich eine typische Tim Burton-Geschichte. Die Geschichte eines außergewöhnlichen Talents. Das erst seine inneren Dämonen besiegen muss, um „wahr“ leben zu können. Burton, Kalifornier des Jahrgangs 1958, meine Lieblingsfilme von ihm sind „Pee-Wee’s irre Abenteuer“, vor allem „Big Fish“ (2003), „Charlie und die Schokoladenfabrik“ sowie „Corpse Bride – Hochzeit mit einer Leiche“, „Sweeny Todd – Der teuflische Barbier aus der Fleet Street“ und zuletzt der zauberhaft-schräge „Frankenweenie“ (2012/s. Kino-KRITIK), wollte erst gar nicht Regie führen. Und nur als Produzent das Projekt anstoßen. Wollte seinen beiden Drehbuch-Autoren Scott Alexander und Larry Karaszewski, die für ihn schon das Drehbuch zu dem Biopic des Trash-Filmers „Ed Wood“ (1994) herstellten sowie für Regisseur Milos Forman die Drehbücher zu den Biopics „Larry Flint – Die nackte Wahrheit“ (1996) und „Der Mondmann“ (1999) verfassten, die Chose überlassen. Doch dann stieg das für die Hauptrollen vorgesehene Star-Paar Reese Whiterspoon & Ryan Reynolds aus, wurde durch Amy Adams & Christoph Waltz ersetzt und Burton übernahm doch die Regie.

Irgendwie ist es aber nicht „sein“ Film. Geworden. Sondern eine „leidliche“ Auftragsarbeit. Mit Unentschieden-Atmosphäre. Mal als bunte Dunkel-Komödie, mal als Drama. Ohne den berühmten schrägen Typen-Schwung eines Tim Burton. Und seinem geschätzten süffisanten Unterton. Von wegen gesellschaftlicher Pointen-Häme. AMY ADAMS, fünffach nominierte „Oscar“-Lady und zweifache „Golden Globe“-Gewinnerin („American Hustle“ im Vorjahr und jetzt auch hierfür), haucht ihrer Margaret Kaine sensibles Leben ein. Ist zurückhaltend spannend. Reizvoll. Faszinierend. Seelen-tief. Währenddessen der zweifache Nebendarsteller-„Oscar“-Preisträger CHRISTOPH WALTZ („Inglourious Basterds“; „Django Unchained“) als Lügner und Blender arg chargiert. Schlimm grimassiert. Seine Figur überhaupt nicht „im Griff“ hat. Unter hinterhältige Kontrolle bekommt. Mehr deppert plärrt als glaubhaft-überzeugend betrügt. Was 50% des Films zum Ausfall erklärt. Und ihn einer gewissen Belanglosigkeit aussetzt. Gleichwohl – die Fotografie ist farblich exzellent und passt sich malerisch an. Und diese Geschichte war es wert, erzählt zu werden. Und Amy Adams beherrscht mit ihrem leisen, subtilen Spiel und Stil die Szenerie, während Christoph Waltz nur fade blendet. Klarer darstellerischer Punkt-Sieg für die prickelnde Blondine. In einem „gebremsten“ Tim Burton-Movie (= 3 PÖNIs).