Frankenweenie

Du bist ein riesiges Talent, aber DAS wird die (Film-)Welt erst ein paar Jahre später erfahren. Wahrnehmen. Wenn deine ersten Langfilme wie „Pee-Wee’s irre Abenteuer“, „Beetlejuice“ oder „Edward mit den Scherenhänden“ bekannt werden. Die Rede ist natürlich von TIM BURTON, dem am 25. August 1958 im kalifornischen Burbank geborenen phantasievollen wie phantastischen Regisseur, Drehbuch-Autoren und Produzenten. Dessen Wunderwerk „Big Fish“ von 2003 erst noch der populären Entdeckung bedarf und der zuletzt mit der Neuverfilmung von „Alice im Wunderland“ (2010) einen triumphalen Welterfolg feierte. Sein neuestes Werk allerdings, das hierzulande am 24. Januar 2013 in die Lichtspielhäuser kam, ging inmitten der zeitgleich laufenden Hits wie „Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger“ oder „Django Unchained“ weitgehend unter. Dabei ist

FRANKENWEENIE“ von Tim Burton (USA 2011/2012; B: John August; K: Peter Sorg; M: Danny Elfman; 87 Minuten; Start D:24.01.2013; Heimkino-Veröffentlichung: 29.05.2013)

ein cineastisches Meisterwerk. Des modernen Puppenfilms. Besitzt außerordentlich viel Populär-Charme. Bereitet unheimlich VIEL Vergnügen. Mit dem provozierenden Motto: Untote Wesen müssen keineswegs immer nur böse sein. Wobei der Ausgangspunkt von Thema und Film weit zurück geht. Bis hin zu den Anfängen des Tim Burton. Der 1984, im Alter von 26 Jahren, einen schwarz-weißen Real-Kurzfilm schuf, den seine Produktionsfirma „Walt Disney“ als „zu düster“ und „Verschwendung von Ressourcen“ befand, weil so gar nicht „familientauglich“, und im Archiv verschwinden ließ. Heute gehört dieses 29minütige Schmankerl zu den Highlights im Bonusmaterial von DVD und Blu-ray.

„Frankenweenie“ zielt nicht von ungefähr in Richtung „Frankenstein“. Jenem Film-Klassiker (von 1931; mit dem unvergessenen Boris Karloff), indem ein (deutscher) Wissenschaftler aus verschiedenen Leichenteilen eine „ideale Kreatur“ zusammenmixt. Die Familie Frankenstein weiß davon natürlich nichts. Sie lebt in den gemütlichen Sechzigern in der verschlafenen amerikanischen Kleinstadt New Holland. Der Junior in der dreiköpfigen Kleinfamily heißt Victor, ist 10 und zeigt sich als ebenso höflicher wie introvertierter kleiner Bursche. Der seinen Hund Sparky (also „Funke“) abgöttisch liebt. Wie umgekehrt auch: Man bildet ein unzertrennliches Freundes-Paar. Doch dann passiert DAS, was bei Tim Burton selbstverständlich und in seinen Filmen immer wieder vorkommt: Der Tod als Auftakt zu einem absonderlichen Spaß. Sparky gerät beim Spielen buchstäblich unter die Räder. Eines Autos. Die Trauer in der Familie Frankenstein ist enorm. Aber das Leben muss – nach der Beerdigung von Sparky – weitergehen. Auch für den untröstlichen Victor. Dessen neuer Naturkundelehrer, Mr. Rzykruski (mit Vampir-Charme), ihn auf die Idee bringt. Stichwort: Geschickte Stromstöße sorgen für ein „Leben“ zurück. Gehört, geplant, getan. Sparky ist wieder da. Genauso lieb und munter wie davor. Nur ein bisschen ramponierter, von wegen der vielen Schrauben und Nähte an und in seinem wuselnden Körper. Doch dann erfahren Victors Klassenkameraden von diesem „innovativen Wiederbelebungsprojekt“. In ihrer Nachbarschaft. Und wollen DAS AUCH „machen“. Können. Was ziemlich üble und aufsehenerregende Folgen für die ansonsten so beschauliche, ruhige Region bedeutet. Jedenfalls düsen plötzlich ziemlich unappetitliche Monster durch die Gemeinde. Und lassen Victor und Sparky zu Hass-Objekten werden. Die „ausgeschaltet“ werden müssen. Der dumme Mob ist / zieht los. Mit Karacho.

Das Äußere. In herrlichem Schwarz-Weiß: Diese „stimmigen“, immer gleichen Flachbungalows. In denen man abends vor dem kleinen Fernseher sitzt, um sich beispielsweise die (damals gängigen) filmischen Gruseleien um Christopher Lee als „Graf Dracula“ anzuschauen. Die Spiele der Schatten. Inmitten köstlicher Stummfilmbewegungen. Untermalt von prickelnd-schaurigen, stimmig-stimmungsvollen Spannungsklängen. Von Tim Burtons Hauskomponisten Danny Elfman („Charlie und die Schokoladenfabrik“; „Die fantastische Welt von Oz“). Das ganze Klasse-Horror-Nett-Programm. In dieser handwerklich präzisen Stop-Motion-Animation (die Tim Burton ja auch schon für sein Meisterstück „Corpse Bride – Hochzeit mit einer Leiche“2006/“Oscar“-Nominierung und vorher auch für sein wunderbares Trick-Werk „Nightmare Before Christmas“ anwandte). Mit liebevollen Zitaten an all die herrlich überkandidelten Genre-Köstlichkeiten wie Godzilla, King Kong, Die Mumie oder Die Gremlins. Oder mit diesen gedanklichen Ironie-Anspielungen etwa an den berühmten „Friedhof der Kuscheltiere“, nach Stephen King. Das Innere: Die trashig-feine Outlaw-Palette des Horror-Genres wird sympathisch augenzwinkernd wiederbelebt. In und mit „komischen“ Figuren. Die auf eine hinreißende, faszinierende tour-de-force losgeschickt, losgelassen werden. Voller fixer, pointierter Durchtriebenheit bei vortrefflich-emsigem Vergnügen. „Frankenweenie“ ist mit herrlich bizarren Charakteren und grandios monströsen „Kuscheltieren“ ausgestattet. Ergebnis: Die immens reizvolle Power- Märchen-Magie. Mit unheimlich beeindruckendem Retro-Spaß-Look. Für „Kenner“ wie für (Genre-)Neulinge. DIESE PERFORMANCE pfeffert. Macht (bild-)schön an. Als WOW- Familien-KINO. Unterhält clever- prächtig. Wie tatsächlich Ratten-scharf. Sowie toll „Sparky“-funkelnd.

„Frankenweenie“ ist eine „übergreifende“ herzerwärmend-schräge Gruselshow. Für DIE die unbedingte Empfehlung gilt. Jetzt (wenigstens) fürs niveau-kesse Heimkino. UND:

Sowohl in 2 D wie auch (wie damals im Kino auch) in 3 D. Plus exzellenten Bonusangeboten (wie eben jenem Ursprungskurzfilm von Tim Burton von 1984 sowie dem taffen Musikvideo „Pet Sematary“/The Ramones) (= 4 ½ PÖNIs).

Anbieter: „Disney“