Beste Chance Kritik

BESTE CHANCE“ von Marcus H. Rosenmüller (Co-B + R; D 2013; Co-B: Karin Michalke; M: Gerd Baumann; 102 Minuten; Start D: 26.06.2014); wenn der Start gelingt, kannst du gut weitermachen. Der Debüt-Spielfilm des in der oberbayerischen Gemeinde Hausham am Tegernsee 1973 geborenen und dort aufgewachsenen Drehbuch-Autoren und Regisseurs MARCUS H. ROSENMÜLLER ging gleich prima ab: „Wer früher stirbt ist länger tot“ war 2006 auch außerhalb Bayerns ein Volltreffer und kam insgesamt auf 1,8 Millionen Kino-Besucher. Seine gleich danach gedrehte „Olympia“-Komödie „SCHWERE JUNGS“ (s. Kino-KRITIK) war ebenfalls ein schlitzohrig- menschelnder Spaß-Volltreffer.

Danach begann er sich für die Freundinnen Kati (ANNA MARIA STURM) und Jo (ROSALIE THOMASS) zu interessieren. Die in Tandern leben, einem „überschaubaren“ Dorf-Ort im Oberbayerischen. In „BESTE ZEIT“ (2007) beschreibt er das dörfliche Da-Sein der 17jährigen. Ihren nicht unproblematischen Übergang zum Erwachsenwerden. Und ihr Drängen nach „draußen“, „in die Welt“. In einer vortrefflichen Mixtur aus skurrilem Humor-Schwank und stimmungsvollen Heimat-Elementen. Und in (lässig verständlicher) Bairischer Originalsprache.

Ein Jahr danach entstand der zweite Teil dieser als Trilogie ausgerufenen „speziellen“ Heimatfilm-Reihe: „BESTE GEGEND“, angesiedelt im Jahr 1995. Kati besteht das Abitur, Jo muss in die Nachprüfung. Wieder wollen sie schnell „raus“, doch immer wieder „komplizieren“ sich die Dinge. Erst durch Katis Opa, der erkrankt, dann durch „hormonellen Strom“. Von wegen Weltreise, viel mehr gilt es, sich mit den kleinen Dramen des Provinz-Alltags zu arrangieren. Ein weiterer originell-charmanter Blick auf Freundschaft und die komischen Winkelzüge des Lebens.

Nun also, nach über fünf Jahren, die neue und abschließende filmische Verabredung mit diesen beiden bekannten Mädels. Wieder ausgehend von Tandern. Wo Kati weiterhin Zuhause ist. Ihr „Wegziehen“ hat sie nur bis zur Uni nach München gebracht, wo sie jetzt kurz vor dem Abschluss ihres Architekturstudiums steht. Und genervt ist. Von Daten, Zahlen, Fakten und überhaupt….von ihrer WG-Sippe. Und als sich dann noch „mysteriös“ anhörende „Hilferufe“ von Jo aus Indien auf dem AB befinden, ist sie ganz aus dem Denkhäuschen. Alarmiert beschließt sie, nach Indien zu düsen, um Jo behilflich zu sein. Wozu ist man schließlich dick befreundet, oder?

Ihre Bemühungen allerdings, Gleichgesinnte, die Clique aus Jugendtagen, diesbezüglich zu aktivieren, sind vergebens. „Man“ hat sich inzwischen arrangiert. Von wegen Beziehungen, feste Jobs, Heiratsvorbereitungen, Hausbau…, diese ganzen intensiven bürgerlichen Dinge. Also fliegt Kati alleine. Währenddessen haben die Eltern von Kati & Jo in den Nachrichten von politischen Unruhen in Indien gehört. Wir sind im familienfreundlichen Bayern, was so viel heißt wie – die Väter müssen sofort hinterher, nach Indien, um ihre Mädels „da rauszuholen“. Währenddessen zwei – taucht Jo plötzlich im Dorf auf. Ist aus Indien zurückgekehrt. Schwanger. Fassen wir also zusammen: Die liebe Kati befindet sich derzeit im riesigen Moloch Indien. Sucht dort Freundin Jo. Zwei ältere Väter-Herren suchen ihre Töchter. Dort, also in Indien. Jo dagegen müht sich – zurück in der bayerischen Heimat – ab, irgendwie „die Kurve“ zu kriegen. In Sachen WAS WO WARUM und WIE. Geht es weiter.

In diesem Schwank. Der eigentlich viel zu leicht von Hier nach Dort Menschen, Gedanken, Seele transportiert. Eben noch Tandern, jetzt Mumbai. Stichwort: Der Clash der Kulturen. Davon aber mit Charme, lakonischer Beweglichkeit unprätentiös erzählt. „Zur Wahrscheinlichkeit gehört eben auch, dass ab und zu was Unwahrscheinliches passiert“, darf Kati dazu erklären. Das Abenteuer winkt. Mit bisweilen handfesten Konfrontationen. Marcus H. Rosenmüller streift „Arm“ und „Reich“, belässt es aber bei kritischen Mustern. Ohne Ausrufungszeichen. Oder Belehrungen. Oder Angstmache. Allerdings auch ohne Figurentiefe(n). Eine urige wie logiklose Emotionalität entsteht. Gefühlsbetonte Kontraste. Zwischen Bayern und Indien. Stammtisch und Ashram. Zwischen hiesigem Nebel und dortiger Farbenpracht. In der es aber auch schon mal „deftig“ zugeht. In Sachen Liebe wie Hiebe.

ANNA MARIA STURM schlüpft mit offensichtlicher Verve noch einmal hinein in den neugierigen Kati-Taumel. Und befindet sich auf ihrem ersten großen Trip. ROSALIE THOMAS („Eine ganz heiße Nummer“; Das Leben ist nichts für Feiglinge“) hat als Jo dagegen die ersten unruhigen Lebensrunden bereits absolviert und darf nun erst einmal daheim „grübeln“. Zwei Schauspielerinnen mit der sympathischen wie ortsüblichen „Passt schon“-Aura. Drumherum die bekannten, bewährten Vermittler. Wie (vor allem ganz prächtig gelassen) Kabarettist ANDREAS GIEBEL als Katis optimistischer Papa Hubert („Kochen können’s ja, die Inder, des muss ma‘ ihnen lassen“) und dem unverwüstlichen Grantler-Partner HEINZ- JOSEF BRAUN als Jos Erzeuger. Die beiden bodenständigen Bayern in Mumbai….sorgen für hübsche menschelnde Pointen.

Für DIE Marcus H. Rosenmüller ein gutes Gespür besitzt. Marke: Das GROSSE GANZE in der Einfachheit des Alltäglichen. Heraus zu kitzeln. Anklingen zu lassen. Übrigens mit balladenhafter Unterlegmusik der Beatles (wie mit dem Georg Harrison-Song „While My Guitar Gently Weeps“ von ihrem 68er „Weißen Album“). Nun also Schluss? Aus? Ende? Vielleicht geht es mit Kati, Jo & Co. ja doch bajuwarisch weiter. Wäre so verkehrt eigentlich nicht (= 3 ½ PÖNIs).