BATMAN

D e r Film dieser Woche ist d a s Gesprächs- beziehungsweise Werbe-Thema seit Monaten:

„BATMAN“ von Tim Burton (USA 1989; B: Sam Hamm, Warren Skaaren; nach den gleichn. DC-Comics; K: Roger Pratt; M: Danny Elfman; 126 Minuten; deutscher Kino-Start: 26.10.1989), einem Regie-Newcomer, der neulich mit dem Blödsinn “Beetlejuice“ nicht gerade angenehm auffiel.

Um “Batman“ existiert seit fast einem Jahr ein riesiger Dauerrummel. Die millionen-teure Werbemaschinerie übersteigt alles bisher Dagewesene. Deshalb waren natürlich auch hierzulande die Erwartungen groß. Und? Sie wurden glatt enttäuscht.

“Batman“ ist kein g a n z schlechter, aber auch kein guter Film. Er ist das typische Computer- und Reißbrett-Produkt der modernen, hochtechnisierten Hollywood-Industrie: Ohne Seele, ohne Tiefe, ohne menschliche Regungen, dafür mit “animierten“ Menschen und technisch natürlich auf Hochglanz herausgeputzt. Die Story für das Know-How ist ebenso lächerlich wie unglaubwürdig.

Irgend so ein reicher, jungenhafter, netter Fuzzi lebt in einem mächtigen Schloss, das in einer düsteren, schmutzigen, korrupten Großstadt von morgen liegt. Gotham City als eine Art Schäbig-Ausgabe von New York im Jahre 2050. Er hat die nicht erklärte Begabung, mittels eines fledermausartigen Kostüms fliegen und übermenschliche Taten im Namen der Gerechtigkeit ausüben zu können. Die Bösewichter der Stadt fürchten diesen Flattermann genauso wie der kleine Rest. Obwohl er denen doch die Verbrecher reihenweise vom Hals schafft. Niemand kennt ihn näher, er wird schlicht und ergreifend “Batman“ genannt. Sein großer Gegenspieler heißt Joker. Ein mieser Psychopath, der aus ebenfalls nicht eindeutigen Gründen zaubern kann und seine Umgebung mit schrecklichen Untaten terrorisiert. Sein Markenzeichen ist sein dämonisches Grinsen: Die Folgen eines Säurebads, in das ihn “Batman“ einst beförderte. Der böse Mann ist sauer und sinnt auf Rache. Eine hübsche Foto-Journalistin wird zum emotionalen Streitobjekt der Beiden, und das war‘s dann schon. Das große Schluss-Duell geht natürlich so aus, dass die Folgen 2 bis 47 gedreht werden können.

Ist “Batman“ also storymäßig flach, über weite Strecken langweilig, vorhersehbar und vielfach auch nur Behauptung, so glänzt er in seinem Design. Die Ausstattung, das Dekor, mal bei “Blade Runner“, mal bei Fritz Lang und seiner 20er Jahre Utopie “Metropolis“ abgesehen, ist einfallsreich und faszinierend. Und die Schauspieler?

“Batman“ ist ein Film mit falschem Titel. “Joker“ müsste er eigentlich heißen. Denn JACK NICHOLSON als grimassierender Fantasy-Mephisto und böser Kasperle-Entertainer stiehlt allen die Show. Während MICHAEL KEATON in der Titelrolle nur ein monotones Starrbild ist und KIM BASINGER nur hübsch auszusehen hat, haut Nicholson mit greller Clowns-Maske kräftig auf den Putz. Hüpft wie Gene Kelly und Jerry Lewis ungebremst durch die Szenerie und hat manch schadenfrohe Lacher auf seiner Seite. Aber Regisseur Burton treibt auch ihm den schwarzen Humor schnell aus, die meiste Zeit krakeelt und ballert Joker-Nicholson nur wie ein blöder Satan herum. Apropos ballern: “Batman“ ist auch viel zu brutal. Sinnlos wird übermäßig geprügelt, geschossen, gemordet, gequält… Der Comic, also der Spaß, bleibt auf der Strecke.

Das Fazit: “Batman“ muss man nicht sehen. Man wird es aber nach dieser gigantischen, teuren und dummen Werbung. Dennoch, mir ist jede Folge von ALF hundertmal lieber, weil komischer und unterhaltsamer, als dieses blasse, hochgezüchtete Science-Fiction-Panoptikum namens “Batman“ (= 1 ½ PÖNIs).

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