Arthur Kritik


ARTHUR“ von Jason Winer (USA 2010; 110 Minuten; Start D: 05.05.2011); ach nö, das Leinwand-Debüt des aus Baltimore stammenden Drehbuch-Autoren, TV-Produzenten und TV-Regisseurs („Emmy“-Auszeichnung als Produzent der TV-Komödien-Serie „Modern Family“) ist ziemlicher Pfusch. Dabei stammt das Drehbuch für seinen Regie-Erstling von PETER BAYNHAM, dem Autor des herrlichen Stinkefinger-Movies „Borat“ (2006). Und beruft sich auf einen tollen Vorgänger, auf die 1981 entstandene gleichnamige, vierfach „Oscar“-nominierte Komödie, die in der BRD (zum Kinostart am 22.1.1982, s. auch Kritik) den Kinozusatztitel „Arthur – KEIN KIND VON TRAURIGKEIT“ bekam. Buch + Regie damals: Steve Gordon. In der Titelrolle: Der britische Komiker, Schauspieler und Musiker DUDLEY MOORE (19.4.1935 – 27.3.2002), bekannt aus den Blake Edwards-Komödien „10 – Die Traumfrau“ (1979/mit Bo Derek) + „Micky + Maude“ (1984/mit Amy Irving). Der für seinen versoffenen „Arthur“-Clown eine „Oscar“-Nominierung einheimste.

Seine Kellnerin-Freundin Linda spielte „Cabaret“-Star und „Oscar“-Wirbel LIZA MINNELLI. Seinen väterlichen Butler-Freund Hobson interpretierte der britische Star-Mime Sir JOHN GIELGUD (14.4.1904 – 21.5.2000) dermaßen brillant, dass er dafür mit dem Nebendarsteller-„Oscar“ belobigt wurde. Schließlich wurden auch Komponist BURT BACHARACH, Texter PETER ALLEN sowie Sänger CHRISTOPHER CROSS für „Best That You Can Do“ mit dem Filmsong-„Oscar“ ausgezeichnet. 1988 schuf Regisseur Bud Yorkin, wieder mit Dudley Moore + Liza Minnelli in den Hauptrollen, eine Fortsetzung, „Arthur – On the Rocks“, aber die misslang und kam in der BRD (am 10.2.1989) auch nur noch auf Video heraus.

Das heutige Remake ist weit, ganz weit, vom „Oscar“-Duft entfernt. Zielt wieder auf den großen Lümmel Arthur Bach. Seines Zeichens komplett verwöhnter Milliardärs-Bubi. Der täglich rundum nichts Anderes zu tun gedenkt, als permanent „seine Fröhlichkeit“ auszuleben: Saufen, huren, alberne Kindereien noch und nöcher. Denn auf zwei Dinge kann sich der erwachsene Dauerschlawiner immer verlassen – auf sein stets übergut gefülltes Bankkonto, mit dem sich vieles regeln/ausbügeln lässt, und auf seine Ersatzmutter bzw. sein Kindermädchen Hobson. Die ihn seit 30 Jahren „betreut“. Was immer er wo immer „komisch“ anstellt, seine „Nanny“ haut ihn ´raus. Und bringt, pflegt ihn wieder halbwegs „in die Spur“ zurück.

Doch irgendwann ist für den zappligen Chaoten und Alki-Clown Schluss mit lustig. Mit dem ewigen Kindergeburtstag. Der durchaus charmante Ulk-Bad-Boy soll heiraten. Kriegt „von oben“, von seiner stinkreichen Mama (Geraldine James), die offizielle Anweisung, die attraktive Karriere-Managerin Susan (JENNIFER GARNER) zu heiraten. Von wegen „wirtschaftlichen Notwendigkeiten“. Sprich: Noch mehr Geld zu sowieso schon vielem Geld. Doch Arthur hat gerade die nette New Yorker Fremdenführerin und Demnächst-Kinderbuch-Autorin Naomi (GRETA GERWIG) kennen- und sofort liebengelernt. Möchte DIE lieber ehelichen. Kann er, bestimmt die Mama, aber dann ist seine viele Kohle weg. Total. Arthur wäre ein Poor Boy-Loser. Will er das? Wirklich? Zudem segnet auch noch Hobson das Zeitliche. Arthur ist nun ganz allein. Wie soll er sich denn bloß entscheiden???

Nö. Fade. Läppisch. Thematisch wie inszenatorisch wie darstellerisch nicht zusammenpassend. Dieses „Arthur“-Remake leidet an einem oberflächlich zusammengeschusterten Drehbuch. Mit manchmal lächelnden, schmunzelnden Ideen, überwiegend aber wenig originellen Spaßsituationen. Marke Backe-backe-Kuchen, der Arthur hat gerufen…., kindisch, mitunter nervig, vielfach uncharmant. Lau. Langweilig. Keine Spur(en) von den köstlichen Ausrastern des Originals. Mit der wunderbar chaotischen Stimmungskanone Dudley Moore. Stattdessen hier nur ein blasser Unterhaltungswurf mit bunten Papierschlangen. Und schlappem Timing. Obwohl der 35jährige britische 1 Meter 90 große Comedy-Exzentriker RUSSEL BRAND („Ich bin eine zum Leben erweckte Vogelscheuche“, heißt es in seiner Bestseller-Autobiographie „My Booky Wook“) den tölpeligen Kindskopf Arthur bemüht vorführt.

Er, der durch seine Rolle als durchgeknallter Rocker Aldous Snow in den Rock & Roll-Komödien „Nie wieder Sex mit der Ex“ (2008) und „Männertrip“ (2010) auch bei uns bekannt wurde, variiert sozusagen hier nur seinen dortigen Anarcho-Clown und will „so“ weitermachen. Ist, wirkt aber nicht mehr lustig. Meistens jedenfalls. Denn auch seine Verbal-Duelle mit „Oscar“-Dame HELEN MIRREN („The Queen“) als Aufpasserin Hobson sind nicht übermäßig pointiert. So wie sie es einst bei Dudley Moore + John Gielgud waren. Langweilen aber manchmal auch nicht so wie vieles Übrige. Zuckrige. Zudem: Seine große Liebe Naomi ist mit der matten Greta Gerwig („Greenberg“) als simple Graue Maus Naomi völlig fehlbesetzt. Während Jennifer Garner flott auszusehen hat und ab und zu mal zünftig ausrasten darf. Und ein NICK NOLTE als ihr bulliger Pittsburgher Baulöwen-Dad nur mal kurz herumgrunzt. Nick Nolte („Zoff in Beverly Hills“; „Herr der Gezeiten“) in einem Mitleidspart…, trauriges Kopfschütteln.

„Arthur“, die Neuauflage, ist nur ein trüber Luft-Spaß (= 2 PÖNIs).