Argo Kritik


ARGO“ von und mit Ben Affleck (USA 2011; B: Chris Terrio; K: Rodrigo Prieto; Co-Pr: George Clooney und Grant Heslov; 120 Minuten; Start D: 08.11.2012); so 100%ig zählte ER in Hollywood bisher nicht zu den „Großen“. Obwohl BEN AFFLECK, geboren am 15. August 1972 im kalifornischen Berkeley, schon „einiges“ erfolgreich geleistet hat. Als Schauspieler, Produzent, Regisseur und als „Oscar“ prämierter Drehbuch-Autor (“Good Will Hunting“, 1998, gemeinsam mit Matt Damon). Affleck fiel zu Beginn seiner Karriere in den Independent-Produktionen eines Kevin Smith auf („Mallrats“, „Dogma“, „Chasing Amy“) vorteilhaft auf, trat dann in „Blockbuster-Movies wie „Armageddon – Das jüngste Gericht“ und „Der Anschlag“ (als Jack Ryan) sowie auch in dem unsäglichen „Pearl Harbor“ an; wurde insgesamt siebenmal für die „Goldene Himbeere“ für die „schlechteste schauspielerische Leistung“ nominiert und zweimal „damit bedacht“ (für seine Auftritte in „Daredevil“ und in „Liebe mit Risiko – Gigli“). 2006 dagegen, als er in dem Streifen „Die Hollywood-Verschwörung“, der die Untersuchungen rund um den Tod des Schauspielers George Reeves thematisierte, die Hauptrolle des George Reeves spielte, wurde er als „Bester Darsteller“ beim Venedig-Festival mit der „Coppa Volpi“ ausgezeichnet. Mit seinen ersten beiden eigenen Regie-Arbeiten – „Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel“ (2007) und vor allem „The Town“ (2010) – stieß Ben Affleck auf „erhebliche“ positive Resonanz. Die sich nun mit seinem drittem Regie-Werk stark fortsetzt.

Die Aktion war bis 1997 mit einem „Top Secret“-Vermerk versehen. War bis dato „nur“ für das Archiv des CIA dokumentiert. Zwei Jahre darauf machte der CIA-Agent Antonio J. Mendez mit seinem Buch „The Master of Disguise“ den wahnwitzigen Vorgang publik. 4. November 1979. Anhänger des Ayatollah Chomeini stürmen die Botschaft der USA in Teheran. Nehmen 52 Botschaftsangehörige als Geiseln. Dies ist bekannte Geschichte, nach 444 Tagen, am 20. Januar 1981, wurden die Geiseln endlich freigelassen. Dass sich aber unmittelbar „nebenbei“ ein weiteres spektakuläres Ereignis abspielte, war im Detail rund 18 Jahre unbekannt. Geblieben. Denn im Windschatten der chaotischen Botschaftsstürmung entkamen sechs Amerikaner, die sich in der kanadischen Botschaft versteckten. Dort gedeckt und unterstützt vom Botschafter Ken Taylor (VICTOR GARBER) und seiner Ehefrau. Jedoch täglich von „Entdeckung“ durch die „suchenden“ Iraner bedroht. Als „Washington“ davon erfährt, beginnen die Überlegungen, die Sechs herauszuholen. Doch „Geeignetes“, also „Durchführbares“, fällt niemandem ein. Bis Agent Tony Mendez (BEN AFFLECK) einen „total bekloppten“ Vorschlag einbringt: Stichwort Hollywood. Wir wäre es, wenn von dort Pläne bekannt werden, dass ein neuer aufwendiger Science-Fiction-Film in Planung ist. Titel: „ARGO“. Für die „sandigen Außenaufnahmen“ sollen „exotische Locations“ im Iran gesucht werden. Bei der Rückreise will „Produzent“ Tony Mendez die Sechs als Crewmitglieder „mitnehmen“. Ausfliegen (lassen). Natürlich ist die Skepsis immens („Haben Sie keine bessere blöde Idee?“ / „Es ist die beste blöde Idee, die wir haben“). Mendez zieht „sein Ding“ gegen alle Einwände und Widerstände durch. Gemeinsam mit Hollywoods Masken-Guru John Chambers (Make-up-„Oscar“ für „Planet der Affen“ / der runde JOHN GOODMAN, einst irrer Bowling-Kumpel von „The Big Lebowski“, einmal mehr in einer augenzwinkernden Glanztypen-Nummer) und dem altgedienten, eitlen Trash-Filmer Lester Siegel (köstlich lakonisch: ALAN ARKIN). Die Mission Fake-Kino läuft „riesig“ wie lauthals an. Immer skeptisch beäugt von der CIA-Chefetage. Und dann vor Ort, im Iran. Wo man den „abtrünnigen“ Botschaftsleuten auf der Spur ist. Und Tony Mendez schnell handeln muss. Doch dann wird seine Mission „von oben“ abgesagt. Um Konflikte mit der in Planung befindlichen militärischen Befreiungsaktion der Botschaftsgeiseln zu vermeiden. Doch Mendez ist schon „zu sehr drin“, um sich „davon“ noch abhalten zu lassen.

„Argo“ existiert wirklich. Über den Roman „Lord of the Light“ von Roger Zelazny aus dem Jahr 1967. Als typische Sci-Fi-Ware. Die es nie zu einer Verfilmung gebracht hat. Hier aber als phantastische Grundlage für „die Rückführung“ dient. Die Ben Affleck in drei packenden Akten realisiert. Am Anfang – der mit authentischem Dokumentarmaterial beigegebene Ausgangsvorgang. Die Botschaftserstürmung. Mit der hektischen Betriebsamkeit. Draußen wie drinnen. Mit der Flucht der Sechs, fünf Männer, eine Frau. Im Mittelteil beginnen die „absurden Gedanken“ real zu werden. In Vorbereitung zu gehen. Die nervöse wie (für uns) „vergnügliche“ wie zugleich trotzige Basis-Arbeit. Von und in „Hollywood“. Mit seinen sonnigen „Spinnern“. Sowie beim (eigentlich) fassungslosen CIA-Boss Jack O’Donnell (BRYAN CRANSTON als strammer wie cooler Bürokrat „mit Arsch“). Der hin- und hergerissen ist. Von all DEM. Im letzten Akt dann die gesamte Einser-Spannung. An und mit der Durchführung. Der Tarnung. Nicht ganz an den „totalen“ Fakten angelehnt, sondern mit kleinen, aber vehementen, also „wirkenden“ Hollywood-Ideen aufregend angereichert (Produktionsbudget: 44,5 Millionen Dollar). Als Wow-Stimmung. Für Nass-Hände sorgend. Mit erstklassiger professioneller Spannungswürze. Und mit dem CIA-Burschen Mendez nun als „Regisseur“. Am Teheraner Flughafen.

BEN AFFLECK, mit Rauschevollbart, mimt seinen CIA-Helden Tony Mendez sowohl unaufdringlich wie „freudig erregt“. Über solch einen – tatsächlichen – Coup. Seine Bilder sind dem Thema angemessen untergeordnet, also ohne ideologische Großduftmarken versehen. Stattdessen: Tolle Spannung, als exquisite Unterhaltung, aber ohne „überirdische“ Figuren. Man „bedient“ sich des „diebischen“ Historien-Themas und setzt ebenso sprühend-lakonische wie wirkungsvolle atmosphärische Motive (Kamera: RODRIGO PRIETO/“Amores perros – Von Hunden und Menschen“) und „nervöse“ Charaktere in faszinierende Thriller-Bewegung. Ben Affleck hat mit „Argo“ einen saisonalen filmischen Überraschungscoup geschaffen. Der sich inzwischen in den Staaten zum Überraschungserfolg gemausert hat. Mit ersten „Oscar“-Chancen in Verbindung gebracht wird. BEN AFFLECK hat sich mit „Argo“ in die US-Championsliga der Spannungsmacher katapultiert (= 4 PÖNIs).