Antonionis China Kritik

Auf Einladung des chinesischen Fernsehens war der italienische Regisseur Michelangelo Antonioni 1972 mit einem Team durch die Volksrepublik China gefahren, um vom Land und seinen Menschen zu berichten. Aus dem mitgebrachten Material von vierzig Stunden Länge montierte Antonioni zusammen mit dem Journalisten Andrea Barbato einen 3stündigen Film fürs Fernsehen. Und aus dieser Fassung schnitt er dann eine eigene, 2stündige Kino-Version, die bei uns jetzt erstmals zu sehen ist.

ANTONIONIS CHINA“ von Michelangelo Antonioni (B+R; It 1972; 120 Minuten; Start D: 31.08.1989); beginnt in Peking, führt nach Süden -in Land-Kommunen und Bergdörfer, führt in die Märkte der Kleinstädte und weiter nach Nanking, Sudschou und Shanghai. Dort endet der Film mit Straßenszenen und den lächelnden Masken eines Puppenorchesters.

Dazu kommentiert der Regisseur die Grenzen seiner Arbeit, indem er das chinesische Sprichwort zitiert: “Du kannst das Fell des Tigers zeichnen, aber nicht seine Knochen. Du kannst das Antlitz eines Menschen zeichnen, aber nicht sein Herz. Worte, die gerade im Hinblick auf jüngste Ereignisse nachhaltig wirken. “Antonionis China“ ist ein nüchterner Bericht. Ist geprägt von freundlicher Neugier, mildem Spott und wacher Aufmerksamkeit. Der Ausgangspunkt, der Blick auf den gigantischen “Platz des Himmlischen Friedens“ in Peking, besitzt heute einen ganz anderen politischen Stellenwert als damals. Heute ist uns China schon sehr viel näher und deutlicher geworden, so dass dieser Film zwar ein sehr informatives und cineastisch interessantes, vielfach aber auch anachronistisches Dokument ist (= 3 PÖNIs).