American Hustle Kinokritik

AMERICAN HUSTLE“ von David O. Russell (Co-B + R; USA 2013; Co-B: Eric Warren Singer; K: Linus Sandgren; M: Danny Elfman; 138 Minuten; Start D: 13.02.2014); geboren ist er am 20. August 1958 in New York City, er wuchs in einem atheistischen Haushalt auf (der Vater war russisch-jüdischer, die Mutter italienisch-amerikanischer Abstammung), und mit seinen bisherigen Filmen balancierte DAVID O. RUSSELL ständig zwischen „Arthouse“ und „Mainstream“. Siehe beispielsweise die auch bei uns bekannt gewordenen Streifen „Flirting with Desaster“ (1996; mit Ben Stiller); „Three Kings“ (1999; mit Georg Clooney), natürlich „The Fighter“ (2010; Nebendarsteller-„Oscars“ für Christian Bale + Melissa Leo) sowie zuletzt der auch wegen seines unverständlichen „deutschen“ Originaltitels zu wenig beachtete tragikomische Spaß „SILVER LININGS“ von 2012 mit gleich 8 „Oscar“-Nominierungen („Beste Hauptdarstellerin“: Jennifer Lawrence / s. Kino-KRITIK).

Originelle „Helden“ am Rande der Gesellschaft lautete sein bisheriges Themenmotto, nun haben sich seine gesellschaftlichen Outlaws in die gesellschaftliche Mitte vorgeboxt. In „American Hustle“, lapidar: „Amerikanisches Treiben“, geht es um Lebens- und Überlebensstrategien von skurrilen „amerikanischen“ Figuren, die sich viel „verrenken“ und dabei immer wieder neu erfinden, um am großen Segen des Dollar-Kuchens bequem teilzuhaben. Das Da-Sein als ständiges Spiel. Spielen. Teils aus Lust und Tollerei, viel aber auch um nicht „vernünftig“ arbeiten und leben zu müssen. Der erste Spieltag fällt auf den 28. April 1978. Und die erste Szene ist unglaublich. Bekloppt-komisch. Da mischt und verklebt ein ziemlich feister Bart-Typ mittleren Alters vor dem Spiegel in seinem Hotelzimmer in New York City sein Kopfhaar-Toupet. Auf sein schütteres Haupthaar. Sieht schließlich „schlimm“ aus. Was man ihm aber keinesfalls sagen sollte. Denn dann flippt er sogleich mächtig aus. Also Slapstick? Denkste. Gleich sind wir in einer verkorksten FBI-Aktion, bei der ein korrupter Bürgermeister mit einem Koffer voller Geld überführt werden soll. Doch der übereifrige und dem feisten „Haar-Helden“ überhaupt nicht wohlgesonnene FBI-Agent verbockt alles. Und wir kriegen nun vorerzählt, WIE DAS alles einmal begonnen und sich kurios entwickelt hat.

In der Hauptrolle: Irving Rosenfeld (nicht wieder zu erkennen: CHRISTIAN BALE). DER hatte nie Lust „auf normal“ und begann schon in jungen Jahren, profitabel „vom Bescheißen“ zu leben. Tarnte sich später mit einem bürgerlichen Waschsalon, um hinter der offiziellen Kulisse dubiosen Geldgeschäften nachgehen zu können. Irving machte es sich mit ordentlichem Einkommen bequem. Bis Sydney auftaucht (nicht wieder zu erkennen: die plötzliche Sexy-Braut AMY ADAMS). Ein attraktives Land-Ei, die in der großen betrügerischen Großstadtcity-Welt hoch hinaus will. Und kommt. Dank Irving. DER sie mit ins lukrative Boot holt. Beruflich, vor allem aber auch privat. Man schwindelt sich höher. Mit dubiosen Geld(verleih)geschäften. Und alles wäre im besten Lot, gäbe es da nicht klitzekleine, aber erhebliche Störenfriede: 1.) Der ehrgeizige FBI-Agent und Stänkerkopf mit dem Mafia-Namen Richie DiMaso (der „Hangover“-Kerl BRADLEY COOPER; auch bart-stark und haar-ulkig verändert), der lustvoll Irving & Sydney bei angebotener Straffreiheit zu vereinnahmen beginnt und sich vor allem dann auch mit der willigen Sydney näher „befasst“ sowie 2.) Rosalyn (stürmisch- sexy: JENNIFFER LAWRENCE), die Angetraute von Irving Rosenfeld. Plus Nachwuchs.

Die mag ihre sorgenfreie Existenz als nichtpraktizierende Hausfrau und Mutter viel zu sehr als dass sie DAS so ohne weiteres aufzugeben bereit wäre. Zudem plaudert sie gerne psychotisch viel wenn der Tag lang ist. Zwei offenherzige Furien, ein aufgescheuchter Profi-Betrüger, dieser neurotische und gerne schon mal ausflippende FBI-Arsch, dessen „Spesen“ immer umfangreicher werden und seinen Chef an den Rand der Verzweiflung treiben, bilden DAS TEAM. Gegenüber: Ebenso schmierige wie gierige Amtsinhaber. Und somit sind wir am Anfang. Wo in besagtem Hotelzimmer alles schief läuft. Also – nochmal von vorne. Das Bäumchen-Wechsel-Dich-Spiel. Um Sex & Crime & Money. Und Rock ‚n’ Roll. Beziehungsweise umgekehrt. Mit oftmaligen Positionswechseln. Und veränderten Risiken. Alles klar? Egal. Das Zuschauen verblüfft. Mit diesen hanebüchenen Situationen. Exzentrischen Verkleidungen. Überkandidelten Auftritten. Kauz-Bewegungen. Raffiniert. Selbstironisch. Clever bekloppt. Attribute für einen außergewöhnlichen Filmstreich. Bei dem Martin Scorsese („GoodFellas“; „Casino“) zweifellos Pate stand.

Denn die Mixtur hier ist ähnlich: Man nehme populäre Klänge, etwa von Duke Ellington, Elton John, The Electric Light Orchestra, Wings („Live and Let Die“) oder Tom Jones („Delilah“), rühre den bildlichen Endsiebziger Jahre Mix dazu, lasse eine „unglaubliche“ Milieu-Geschichte um fingiertes Business hintergründig feixend ausrasten, tue mächtig viel Masken- und ironischen Vergnügungskleister hinein und fertig ist die kesse Satire-Show. Bei der natürlich auch ein Casino-„Mafiosi“ ROBERT DE NIRO in einem kleinen, aber feinen, angemessen präzisen Gangster-Part nicht fehlen darf. Mit einem kultigen wie kalten Schmunzel-Auftritt. Wie überhaupt dieser herrlich vertrackte, aberwitzige Taumel amüsant irritiert. Ob seiner prächtigen Verrücktheiten, mannigfaltigen Wendungen, darstellerischen Pointen.

Wie gesagt – ein „Batman“ CHRISTIAN BALE („The Dark Knight“) ist zunächst überhaupt nicht zu identifizieren, erinnert lange Zeit an einen fülligen „Burt Reynolds“ und soll selbst von Robert De Niro am Set zunächst nicht erkannt worden sein („Wer ist eigentlich der Kerl?). Großartig ist der 39jährige Christian Bale in seiner Schmiere, listig in seiner Betrüger-Bewegung, launig in seiner komischen Feist-Mode. Was für ein stimmiger wie stimmungsvoller Part! Überraschungen auch durch die beiden „Mädels“: Die manchmal so „süßliche“ AMY ADAMS („Verwünscht“) und die anfangs so grandios „unschuldige“ JENNIFER LAWRENCE („Winter’s Bone“) hauen hier kräftig und voll aggressiv auf den erotischen Putz. So dass den Kerlen bisweilen die Puste ausgeht. Marke: Wir wollen und wir kriegen unseren Anteil. Von allem. Von WEM ist dabei letztlich wurscht. Während BRADLEY COOPER als sich immer „führend“ betrachtender Amtsschnüffler mit seiner Minipli-Pudelfrisur und seiner feurigen Egozentrik den Rollenwechsel vom stürmischen „Hangover“-Sympath zum herrischen Tölpel prima besteht.

Außen wie innen ist „American Hustle“ ein zwar etwas zu langes, aber eben meistens herrlich beknacktes, schön-schräges Scorsese II-Knallbonbon-Vergnügen (= 4 PÖNIs).