Abenteurer

Der Film, den ich heute anpreise, gehört zu meinen DEFINITIVEN Lieblingsfilmen. Ist ein französischer Klassiker, den es erst jetzt erstmals hierzulande „per Scheibe“ gibt. Und dieses Angebot sollte man unbedingt nutzen. Entstanden ist er 1966/67. Zu einer Zeit also, wo ohnehin einiges „in Bewegung“ war. Stichwort: Freiheit und Abenteuer.

Also 1967, ein spannendes popkulturelles Jahr, das „Internationale Jahr des Tourismus“, filmisch wie auch „sonst“ – Hits wie „Die Reifeprüfung“, „Bonnie & Clyde“ oder Disney´s „Das Dschungelbuch“ starteten in unseren Lichtspielhäusern. Jimi Hendrix erreicht mit „Hey Joe“ Platz 6 der Briten-Pop-Charts. Die Stones belegen mit „Let Spend the Night Together“ Platz 1 der internationalen Single-Charts bei uns. Die Beatles veröffentlichen ihr epochales Album „Sgt.Pepper´s Lonely Hearts Club Band“. SANDIE SHAW gewinnt am 8. April in Wien mit dem Lied „Puppet on a String“ für Großbritannien die 12. Auflage des Eurovision- „Chanson“-Wettbewerbs. Eintracht Braunschweig wird Deutscher Fußballmeister. Am 16. Juni wird JÜRGEN KLOPP, heutiger Trainer von Borussia Dortmund, geboren. Am 28. Oktober JULIA ROBERTS.
Und am 21. April 1967 ist „LES AVENTURIERS“ unter dem Titel

DIE ABENTEURER“ von Robert Enrico (B+R; Fr/It 1967; B: Pierre Pellegri + Ex-Knacki José Giovanni; nach einem Roman von José Giovanni; K: Jean Boffety + Didiere Tarot, M: Francois de Roubaix; 113 Minuten; Start D: 21.04.1967; deutsche DVD-Premiere: 13.01.2011)

ROBERT ENRICO (13.4.1931 – 23.2.2001) gehörte mit seinen 1960er-/1970er-Filmen wie „Die großen Schnauzen“ (mit Bourvil; Lino Ventura); „Ho!“ (mit Jean-Paul Belmondo); „Die Rumstraße“ (mit Brigitte Bardot + Lino Ventura); „Das Netz der tausend Augen“ (mit Philippe Noiret + Jean-Louis Trintignant) und „Das alte Gewehr“ (mit Romy Schneider + Philippe Noiret) zu den besten französischen Filmemachern jener Jahre. Der sowohl kommerziell wie „engagiert“ SEHR zu unterhalten wusste. Denn seine Helden spiegeln sich im gesellschaftlichen Kontext jener Jahre. Sie haben es satt, sich mit den „abgestandenen“, trockenen, phantasielosen, trüben bürgerlichen Konventionen abzufinden und begeben sich risikobereit wie couragiert in extreme Situationen, um „Leben“, ein anderes Dasein, auszuprobieren, zu wagen. Natürlich auch unter dem Wagnis des Scheiterns, des Sterbens. Dabei spielen Themen wie Freundschaft, Zusammenhalt auch in schwierigsten Situationen, die gewöhnliche alltägliche kriminelle Energie und natürlich DIE (zumeist vergebliche) LIEBE einen bedeutsamen, reizvollen zwischenmenschlichen Spannungspart.
So wie hier.

„Die Abenteurer sind für mich Träumer, die die Wirklichkeit zu versetzen trachten“, bezeichnete Robert Enrico einst seine Außenseiter-Figuren hier, den Flieger Manu (ALAIN DELON/dtsch. Stimme: Joachim Ansorge) und den ehemaligen Rennfahrer Roland (LINO VENTURA/Arnold Marquis, die ständige deutsche Stimme von John Wayne). Obwohl sie in der Welt der Technik leben, sind die beiden unzertrennlichen Freunde im Grunde zeitlose, lebensoptimistische Phantasten, die sich nicht von der Hektik der Zivilisation und vor allem von den „herkömmlichen“ Regeln haben einfangen, einengen lassen. Manu und Roland sind Aussteiger „ohne Fahne“, die sich für sich so etwas wie eine robinsonsche Privatinsel bewahrt haben, zu der Fremde keinen Zugang bekommen. Bis auf Laetitia (JOANNA SHIMKUS/Brigitte Grothum). Die Metallbildhauerin. Die auf der Suche nach geeignetem Arbeitsmaterial mit den beiden in der Werkstatt von Roland in Kontakt kommt. Und bleibt. Und für emotionales „Gemeinschaftsknistern“ sorgt. Als sie von einem sagenhaften Schatz in einem Flugzeugwrack vor der kongolesischen Küste erfahren, gehen sie das Risiko ein. Machen sich auf den Weg dorthin. Werden schließlich auch fündig. Aber um welchen Preis? Denn sie stehen schon längst „unter Beobachtung“ von kriminellem Söldner-Gesocks, zu dem auch ihr zwielichtiger Pilot (SERGE REGGIANI/Siegfried Dornbusch) wahrscheinlich zählt. In einem verlassenen Kastell, mitten im Atlantik, im Fort Boyard auf der Ile de Ré, kommt es zum Show-Down.

Ein MEISTERWERK von brillantem, atmosphärischem Abenteuerfilm. Mit den phänomenalen französischen Personality-Akteuren Delon-Ventura, also WAHREN „Bogartschen“ Leinwand-Kerlen; mit dem hinreißenden, damals 23jährigen „Darling“, der Kanadierin JOANNA SHIMKUNS als Laetitia, mit viel Frische, Natürlichkeit und „Strahlung“ ausgestattet (die bereits 3 Jahre später ihre Filmkarriere beendete, um sich ganz ihrer Ehe mit dem amerikanischen Schauspieler Sydney Poitier und ihren Kindern zu widmen; „Sänger“ Alain Delon huldigte ihr und verewigte sie in seinem gleichzeitigen Film-Chanson); mit einer gänzlich unaufgeregten, feinen wie stimmungsvollen Farb-Kamera; mit einer reizvoll begleitenden Musikalität. Sinnliche Dauer-Suspense-pur.

„Die Abenteurer“ ist ein tragik-schönes Melancholie-Erlebnis allererster Pracht. GANZ großes KINO, jetzt endlich auch auf DVD. Mit zudem exzellentem Bonusmaterial wie einem interessanten Making Of sowie einem Porträt des Komponisten Francois de Roubaix. Ein DVD-Klassiker, der in jedes Archiv gehört (5 Pönis).