22 Bullets Kritik

22 BULLETS“ von Richard Berry (Co-B+R; Fr 2009; 115 Minuten; Start D: 02.12.2010); basiert auf dem 2007 in Frankreich veröffentlichten Roman „L´Immortel“ („Der Unsterbliche“) des französischen Schriftstellers FRANZ-OLIVIER GIESBERT (Vater ist ein deutschstämmiger Amerikaner), der bei uns bislang nicht erschienen ist. Der am 31. Juli 1950 in Paris geborene RICHARD BERRY hat sich sowohl als Schauspieler („Der Flug des Schmetterlings“) wie auch als Spielleiter („Black Box“/2005) einen Namen gemacht. „22 Bullets“, also „22 Kugeln“, ist die vierte Regie-Arbeit des leidenschaftlichen Uhrensammlers und Schachliebhabers.

Ein pechschwarzer Gangster-Thriller. Mit einem „halb-bösen“ Helden und vielen ganz-ganz fiesen Typen. Der in Casablanca/Marokko geborene 62jährige französische Super-Star JEAN RENO („Léon – Der Profi“/1994), der inzwischen längst auch in Hollywood angesagt ist („Mission: Impossible“), mimt einen Ex-Paten von Marseille, Charly Mattei. Der Abschied genommen hat und – soweit möglich – „bürgerlich“ geworden ist. Doch nach dem Motto „Du kannst deine Vergangenheit nicht hinter Dir lassen“, rückt man ihm auf die Pelle. In einer Tiefgarage wird er von einem achtköpfigen Mordkommando mit 22 Kugeln durchsiebt. Weil er überlebt, trägt er fortan den Spitznamen „Der Unverwundbare“. Natürlich schreit jetzt alles nach Rache. Und der wortkarge Charly macht sich also auf „den Weg“. Will wissen, warum und WER ihn und seine Familie (Frau + Kind) permanent bedroht. Denn im Grunde waren/sind alle Rechnungen von einst beglichen. Oder? Leichen pflastern seinen blutigen Rache-Weg. In der Balance aus Rache-Sucht und Alters-Existenz und geht es tief „in den eigenen Zirkel“ hinein. In die unbarmherzige Konfrontation mit der eigenen verlogenen Doppelmoral.

Jean Reno wandelt auf den französischen, also differenzierteren Genre-Spuren von Charles Bronson („Ein Mann sieht rot“) und Clint Eastwood („Dirty Harry“). Mit düsterem Lino Ventura-Appeal („Das Raubtier rechnet ab“/1958). Renos Charly ist ein müder wütender Outlaw. Der noch einmal im „Wilden Westen“ von Marseille gnadenlos-cool herumwildert. Wobei ihm sein einstiges Chef-Motto „Keine Frauen, keine Kinder, keine Drogen“ offensichtlich jetzt zu Fall bringen soll. Denn ein Gangster-Boss mit „moralischer“ Rücksichtnahme gilt intern als „unerwünscht“. Auch noch nach Jahren. Da wird jetzt mächtig „nachgekarrt“.

Die Figur des Charly Mattei lehnt sich an die Lebensgeschichte des Marseiller Mafia-Paten Jacques Imbert an, der 1977 auf einem Parkplatz einen brutalen Anschlag überlebte. Richard Berry macht daraus aber kein realitätsnahes Biopic, sondern liefert ein hartes Unterhaltungsstück von einem „Auge um Auge“-Thriller ab. In dem die Körper nur so „knallen“. Jean Reno zieht souverän, kompromisslos seine unerbittlichen Duell-Runden, ist eine unzerstörbare Persona Non Grata. Im „Verbund“ mit einer völlig überforderten, in ihren Werten durchgeschüttelten, erschütterten Polizistin (MARINA FOIS), die von ihrem Vorgesetzten scheinheilig benutzt, ausgenutzt wird. Während „Schti´s“-Liebling KAD MERAD („Willkommen bei den Schti´s“/2008 oder neulich der „komische“ Papa in „Der kleine Nick“)) als tückischer Unterwelt-Boß hier ganz unkomödiantisch auftritt und seine viehische (Darsteller-)Kraft faszinierend offen legt.

Ein solider Spannungsfilm. Kraftvoll inszeniert. Rasant, fulminant in den Action-Motiven. Mit einiger dieser stilisierten Melville-ähnlichen Schurkenwelt-Atmosphäre („Der eiskalte Engel“). Überbrutal in manchen Details. Darstellerisch typengerecht.

„22 Bullets“ – ein Okay-Unterhaltungskracher aus Frankreich (= 3 PÖNIs).