Whatever works

WHATEVER WORKS“ von Woody Allen (B+R; USA 2008; 92 Minuten; Start D: 03.12.2009); also „Alles was geht“, ist der 39. Regie-Spielfilm des heute, am 1. Dezember 2009, 74 Jahre alt gewordenen New Yorker Stadtneurotikers. Der weiterhin beharrlich in jedem Jahr einen neuen Film „komplett“ (also B+R + manchmal auch als HD) realisiert. Nach den letzten (hervorragenden) Europa-Ausflügen gen London (“Match Point“/2005) und Barcelona: („Vicky Christian Barcelona“/2007), ist er nun wieder in sein Biotop New York zurückgekehrt. Um von einem fürchterlichen wie bedauerlicherweise auch äußerst intelligenten Dauergrummelzausel zu erzählen.

Der heißt Boris Yellnikoff, war mal ein sehr talentierter Quantenphysiker (mit Chancen auf den Nobelpreis), hatte zudem d i e perfekte Ehefrau an se
iner Seite, bevor er als verkanntes Genie zum polternden Schachlehrer für Unbegabte mutierte. Eine verkrachte, daueraufbrausende Existenz um die Ende 50, mit karierten unappetitlichen Shorts sowie einer Dreiviertelglatze ausgestattet, der seit seinem zweiten gescheiterten Selbstmord sein linkes Bein hinter sich herzieht. Ein rechthaberischer, egozentrischer sowie lebensüberdrüssiger Ewig-Pessimist, dessen lärmender Sarkasmus fremdelt. Doch ausgerechnet diesem alten zynischen Sack läuft ein junges Blondchen über den Weg, die von ihm einfach nicht genug haben kann, die von ihm nicht loskommen will: Melodie St. Ann Celestine, eine 19jähriger schnucklige Blondinen-Ausreißerin aus dem „sauberen“ amerikanischen Mississippi-Süden. Obwohl sich Boris noch so viel grantelnde Mühe gibt, sie ständig zu belehren und zu beleidigen, er wird „dieses Wesen“ einfach nicht mehr los. Also heiraten sie. Was auch überraschenderweise ganz gut läuft. Bis ihre Mama auftaucht, eine bigotte Religionsfrau, die ihre Tochter „vor diesem Satan“ wegholen will. Mit viel Jesus und einem attraktiven Studenten. Ebenso wie dann auch der auftauchende Papa, der über „den Herrn“ sowohl Weib wie auch Tochter „zurückverlangt“. Boris, der Nervige, ist völlig genervt.

Diese Geschichte ist nicht neu, Allen hat sie bereits vor über 30 Jahren geschrieben, damals für den Komiker Zero Mostel („Frühling für Hitler“/1968), der im September 1977 verstarb. Danach wurde die Story abgelegt. Jetzt füllt der hierzulande weitgehend unbekannte US-Komiker LARRY DAVID diese Quasselstrippe von Kotzbrocken aus. Das Allen-Pendant, der mit ständiger Weltwut und ewiger Düsterseherei herumwuselnde Lebenskommentator, „funktioniert“ nur „in Maßen“. Die Verbal-Einfälle purzeln zwar wie gehabt bei Allen, aber sie fallen eher steifer und matter aus als sonst. Die Pointen besitzen Allenschen Wiederholungswert, wenn es um den Zustand des Planeten und um die zwischenmenschlichen Beziehungen und um die attackierte Gesellschaftsmischung aus zuviel Blöden gegenüber den wenigen Wissenden geht; haben also nicht die sonst so gewohnte überraschende Originalität und Pfiffigkeit. Und überhaupt – die filmische Betriebstemperatur auf der Unterhaltungsskala bleibt im sympathisch-freundlichen Mittelmaß stecken. Beifälliges Nicken, etwas ablächeln, manchmal lachen, aber meistens bleibt dieser Unsympath von Antimensch einem wurscht. Ganz im Gegensatz zur feurigen, unaufhaltsamen Süd-Mama, die prompt einen New Yorker Schnellkurs in Sachen Selbstverwirklichung durchläuft, um schließlich mit zwei Kerlen das Bett zu teilen. Neben dem (vor allem sprachlich) ackernden Larry David geben sich EVEN RACHEL WOOD (Tochter von Mickey Rourke in „The Wrestler“) und vor allem PATRICIA CLARKSON (einst die fanatische Mutter von Sissy Spacek in „Carrie – Des Satans jüngste Tochter“/1976) als Mama-Furie viel gute Darsteller-Mühe. Ist Woody müde geworden? (Zu) alt? Wir attestieren diesmal erheblichen Leichtigkeitsverlust sowie das Fehlen SEINER New Yorker Louis-de-Funes-Hibbel-Schneisen. Larry David ist da nur ein bemühter Allen-Abklatsch. Die Pointen haben müde…..beim neuen Woody Allen (= 3 PÖNIs).