WER’S GLAUBT, WIRD SELIG – SALVATION BOULEVARD

An diesem amerikanischen Film hätte ich wahrscheinlich glatt vorbeigeschaut (obwohl Pierce Brosnan die Hauptrolle spielt), wenn ich nicht bei näherem Cover-(Rückseiten-)Hinsehen auf den Namen LARRY BEINHART gestoßen und dadurch „elektrisiert“ worden wäre. LARRY BEINHART ist ein US-Schriftsteller, dessen 1993er Roman „American Hero“ bzw. später, in der Neuauflage, „Wag the Dog: A Novel“, Grundlage für einen der besten Ami-Filme der 90er Jahre war: „WAG THE DOG ODER WENN DER SCHWANZ MIT DEM HUND WEDELT“ von Barry Levinson (1997; mit Dustin Hoffman, Robert De Niro/s. KRITIK ). Jetzt liegt also eine weitere filmische Adaption eines Larry Beinhart-Romans (von 2008) vor:

WER’S GLAUBT, WIRD SELIG – SALVATION BOULEVARD“ von George Ratliff (Co-B+R; USA 2011; 92 Minuten; DVD-Veröffentlichung: 25.05.2012).

„Salvation Boulevard“, so der Roman- wie der originale Filmtitel, also „Boulevard der Erlösung“, ist in irgendeinem US-Provinz-Kaff angesiedelt (gedreht wurde in Michigan). Dort gibt Pastor Dan Day (PIERCE BROSNAN) den moralischen Ton vor. Beziehungsweise – alles hat, alle haben nach seiner Wort-Pfeife zu „tanzen“. Denn ER ist schließlich „der gesalbte Diener Gottes“. DER seine „Schäfchen“ wortreich im Griff hat. Und plant, demnächst hier auch ein bauliches Kirchen-Imperium zu errichten: Eine Gottes-Stadt sozusagen. Zu bauen. Entstehen zu lassen. Um „der Sünde“ endgültig „groß“ kontra zu bieten. Sein redegewandter Gegner ist Dr. Paul Blaylock (ED HARRIS), ein ebenso charismatischer Bestseller-Autor („Die Welt braucht Religion wie ein Loch im Kopf“). Nach einem neuerlichen öffentlichen verbalen Duell im Gemeindesaal („Der Ursprung von Glauben ist ‚gemachte‘ Angst“) treffen sich die Kontrahenten im Haus von Blaylock zu einem „Absacker“. Mit dabei: Carl, ein naiver Nett-Idiot (GREG KINNEAR), der seiner glaubensfanatischen Ehefrau Gwen zuliebe (super „fanatisch“: JENNIFER CONNELLY) zum angesagten „einheimischen“ Glauben konvertiert ist und nun Zeuge wird, wie der smarte Gottes-Bruder den ungläubigen Doktor (mutmaßlich) versehentlich erschießt. Vertuschung lautet der (all-)gemeine wie gemeinsame Plan. Mit vielen tückischen Folgen. Bei denen als weitere Mitwirkende auftreten/eingreifen: Der militärisch „korrekte“ Schwiegervater vom nun verdächtigen Carl; Freunde, die sich als Auftragsmörder erweisen; ein mexikanischer Mafiosi und Bauunternehmer, der ein „vitales Geschäft“ wittert. Während der pfiffige Pastor seinen „spirituellen Krieg“ durchzieht und als cleverer Herr Saubermann nichts zu befürchten hat. Wie er fest glaubt. Doch das Finale hat schließlich für ALLE ziemlich viele wie „eigenwillige“ Überraschungen parat…

Ein sündiges Vergnügen. Als Satire-Thriller. Tragikomisch, lakonisch, durchtrieben. Stets zweideutig, doppelbödig, als eine filmische Schwarze Messe. Mit Halleluja-Suspense. Um diese selbsternannten, dominanten Scharlatan-Verführer und Sekten-Spinner, die „im Namen des Herrn“ ihre eigenen profitablen Interessen verfolgen. Und von denen sich „dünnhäutige“, ängstliche, autoritätsgläubige Untertanen allzu gerne „leiten“ lassen. Im weiten Ami-Country. In „überschaubaren“ Provinz-Gegenden. Wie hier. Im tiefen Tal der Ahnungslosen. Und Gerne-Hörigen.

Wo es den Film-Anschein hat, als hätten sämtliche (Promi-)Beteiligten einen höllischen Spaß „dabei“ gehabt: Ex-007 PIERCE BROSNAN (mit seiner ständigen feinen deutschen Bariton-Stimme Frank Glaubrecht) gibt den smarten Heuchel-Bruder Dan Day angenehm unangestrengt, lässig-locker-überzeugend; quasi jede Bewegung als eine exquisite Gedanken-Gemeinheit. Ed Harris (mit seiner ständigen deutschen Stimme Wolfgang Condrus) darf feinzüngig „fröhlich“ – vor wie nach dem Koma – dagegenhalten; was für ein süffisanter Ironie-Auftritt. Während der gebeutelte GREG KINNEAR (2006 der „brüchige“ Papa in „Little Miss Sunshine“) als hin- und hergerissener Carl es nicht fassen will, fassen kann, was um ihn herum und mit ihm geschieht. Passiert. Weil er doch eigentlich „so harmlos“ ist. Sein will. Und dann „so viel“ dies…, auf einmal. Greg Kinnear mimt den schlichten amerikanischen „Otto Normalbürger“ mit viel Naiv-List. Und -Lust. Während „Oscar“-Preisträgerin JENNIFER CONNELLY („A Beautiful Mind – Genie und Wahnsinn“/2001; einst die „kleine Ballett-Süße“ in Sergio Leones „Es war einmal in Amerika“/1984) als seine Ehefrau mit köstlich-beißender, provozierend- fundamentalistischer Hörigkeit auftrumpft. Wunderbar dusslig.

Der hierzulande wenig bekannte 43jährige Drehbuch-Autor und Regisseur George Ratliff, dessen Debüt-Spielfilm „Teufelskind Joshua“ 2007 im Wettbewerb beim Locarno-Festival lief und ab Januar 2008 bei uns nur kurz im Kino auftauchte, hat mit „Wer’s glaubt, wird selig“ einen vorzüglichen sakralen Ironie-Thriller geschaffen, der sich sehen und vor allem auch – hinterfotzig – hören lassen kann.
Die DVD-Empfehlung gilt.

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