WENN DIE FLUT KOMMT

WENN DIE FLUT KOMMT“ von Yolande Moreau und Gilles Porte (FR/Belg 2004; 90 Minuten; Start D: 08.06.2006); zählt für mich zu den derzeit schönsten Entdeckungen für das Off-/Arthouse-Kino. Erhielt zahlreiche Auszeichnungen (u.a. zwei „französische Oscars“/“Cesars“ als „bester Debütfilm“ und für die „beste Darstellerin: Yolande Moreau) und erzählt die ebenso simple wie superbe Schmunzel-Geschichte: „Märchenprinz wird Frosch“.

Ausgangspunkt: Die Schauspielerin YOLANDE MOREAU, bekannt als Concierge in „Die fabelhafte Welt der Amelie“, hat sich als Co-Regisseurin und Co-Drehbuchautorin einen Film auf den üppigen Leib geschrieben, in dem sich (Liebes-)Leben und Kunst feinsinnig begegnen/imitieren. Die Idee dazu kam der ausgebildeten Clown-Artistin, als sie in den 80er Jahren mit einer schrillen One-Woman-Show durch Nordfrankreich tingelte. Hier blickt sie auf/erzählt sie von Iréne. Die ist Bühnenschauspielerin. Mit ihrem satirischen Ein-Frau-Stück „Sale Affaire“/“Eine schmutzige Geschichte“ tourt sie durch die kleinen Bühnensäle im ländliche Norden von Frankreich. Skurril verkleidet, mit Maske und Kittelkleid, spielt sie tagaus/tagein eine in die Jahre gekommene Frau, die auf der Suche nach d e r großen Liebe ihren jeweiligen Liebhaber umbringt. Dargestellt wird dieser „tägliche Liebhaber“ von einem spontan ausgewählten Gast aus dem Zuschauerraum. Als sie dabei eines Tages auf den Belgier Dries (Wim Willaert) trifft, einem Vagabunden und Tagträumer, weicht der nicht mehr von ihrer Seite. In der Zeit „bis die Flut kommt“ (Zeile aus dem Titelsong, der Liebeskummer mit Ebbe + Flut vergleicht)), erleben beide eine stille, sanfte/unspektakuläre Romanze. Für Iréne bleibt es aber ein Traum/ein Urlaub vom Alltag. Ihre Realität ist bei ihrem Ehemann und ihrem Kind.

Eine ganz wunderbar-leise, zärtliche, verspielte Poesie. Ein Liebes- und Road-Movie mit Seelen-Tiefe und auch als Hommage an die sympathisch-herbe Landschaft um das französisch-belgische Grenzgebiet berührend. Ein mit liebenswert-verschrobenem Personal durchsetzter toller kleiner Stimmungs-Film (= 4 PÖNIs).

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