Die Verurteilten

STEPHEN KING zählt seit Jahren zu d e n Horror-Experten in der amerikanischen Literatur. Zugleich gehört er zu den erfolgreichsten Autoren der Welt. Seine Bücher haben mittlerweile weltweit eine Auflage von über 100 Millionen Exemplaren erreicht, Von den 25 erfolgreichsten Büchern der 80er Jahre schrieb er allein 8. Die vielen Filme, die nach seinen Romanen und Kurzgeschichten entstanden, waren oft von sehr unterschiedlicher Qualität. “Carrie“, „Shining“ und “Misery“ waren die besseren Kinofilme, die nach einem King-Stoff gedreht wurden. Und nun auch:

DIE VERURTEILTEN“ von Frank Darabont (Co-B + R; USA 1994; Co-B: Stephen King; nach der Kurzgeschichte „Rita Hayworth and Shawshank Redemption“ von Stephen King; K: Roger Deakins; M: Thomas Newman; 142 Minuten; Start D: 09.03.1995). Der galt bislang als guter
Hollywood-Autor und schrieb zuletzt das Skript für den Kenneth-Branagh-Film “Mary Shelley‘s Frankenstein“. Mit “Die Verurteilten“ liefert er nun auch sein Debüt als Regisseur ab. Der 36jährige Darabont adaptierte aus der 1982 erschienenen Novellensammlung “Frühling, Sommer, Herbst und Tod“ von Stephen King eine der 4 Kurzstories. Originaltitel: “Pin-Up“.

Im Mittelpunkt: Der junge Banker Andy. Wir schreiben das Jahr 1947. Andys Ehefrau wurde zusammen mit ihrem Liebhaber erschossen. Andy wird in einem. Indizienprozess zu 2 x Lebenslänglich verurteilt und in das Gefängnis von Shawshank im Bundesstaat Maine eingeliefert. Hier begegnet ihm “die Hölle“. Von allen Seiten gibt es Prügel. Doch Andy ist nicht kleinzukriegen. Stoisch übersteht er die ersten üblen Wochen. In Red, einem Farbigen, findet Andy bald schon einen verlässlichen Freund. Red ist hier sozusagen einer der “Häuptlinge“. Für einen gewissen Preis kann er fast alles besorgen. Auch zum Beispiel Poster mit den Pin-Up-Girls jener Jahre. Allerdings ist Andy auch “nicht ohne“: Sein Wissen und seine Fähigkeiten als Banker helfen ihm bald schon zu einem “besseren Leben“. Denn als er dem sadistischen Oberaufseher bei einer Erbschaft guten Rat mitzuteilen weiß, kommt er in die Kategorie “besonderer Häftling“. Er wird Assistent in der Bücherei und kümmert sich fortan hier um die Finanz- und Steuerprobleme der hiesigen Chefetage. Für den Herrn Direktor gar, der so gerne die Worte des Herrn auf seinen Lippen führt, wird Andy bald zum unentbehrlichen Finanzhelfer bei dessen korrupten, dunklen Eigen-Geschäften.

So verläuft das Leben über die Jahre, von mancherlei Rück- und Tiefschlägen. mal abgesehen. Man hat sich “arrangiert“. Während Kumpan Red das Geschehen als Erzähler begleitet, kommentiert und vorantreibt. Und dazu sind da noch diese Plakate mit den Pin-Up-Schönheiten Rita Hayworth, Marilyn Monroe und schließlich Raquel Welch. Dass diese aber nicht nur bloße Dekoration für eine kalte Zelle sind, müssen wir erst ganz spät zur freudigen Kenntnis nehmen. Die Schlusspointe von “Die Verurteilten“ ist ziemlich überraschend und pfiffig.

Ein hervorragender Film aus dem Genre ‘Knast-Movie‘ Von denen gab es seit den Dreißigern sehr viele und natürlich viele schlechte. Zu den A-Filmen zählen dagegen Werke wie “Flucht von Alcatraz“ von Don Siegel und “Brubaker“ von Stuart Rosenberg; beide von 1980. Clint Eastwood und Robert Redford hießen damals die Protagonisten. Hier ist es der durch sein kindliches Gesicht unterschätzte Tim Robbins, der über knapp 2 Jahrzehnte an “seiner“ Geschichte buchstäblich wühlt.

Robbins, seit dem Altman-Film “The Player“ und seinem Auch-Regie-Debüt “Bob Roberts“ in die erste Hollywood-Reihe aufgestiegen, spielt den Andy mit überzeugender Zurückhaltung. Gemeinsam mit Morgan Freeman, dem aus “Miss Daisy und ihr Chauffeur“, steuert er das außergewöhnliche, atmosphärische Geschehen. Das keine Effekte benötigt und sich ganz auf diese interessante Figuren hier und ihre Erlebnisse einlässt. Neben diesen beiden Hauptakteuren agiert ein vorzügliches Ensemble, das mehr als nur Stichwortgeber-Funktion besitzt: Man bildet hier zusammen ein konzentriertes, brillantes Darsteller-Team. Auf das absolut “Verlass“ ist.

“Die Verurteilten“: Ein kluger, ein spannender, ein hervorragender Streifen, der zu den besten Gefängnisfilmen zählt, die je gedreht wurden. 142 Minuten dichte Unterhaltung (= 4 ½ PÖNIs).