ÜBERALL IST ES BESSER, WO WIR NICHT SIND

ÜBERALL IST ES BESSER, WO WIR NICHT SIND“ von Michael Klier (Co-B+R; D1989; 74 Minuten; Start D: 28.12.1989).

Jerzy ist ein junger Pole. Einer der vielen, die Zuhause in Warschau keine Chance mehr sehen, weil alles zerfällt. Es gibt keine Arbeit, keine Hoffnung, nur den Wodka. Jerzy lernt Ewa kennen, eine Serviererin. Er schenkt ihr spontan einen Ring. Schnitt. Jerzy in West-Berlin. Fast genau dieselben trostlosen Ecken, Straßen, Gebäude. Jerzy versucht Arbeit zu finden, wird aber nur ausgenutzt. Doch er gibt nicht auf. Passt sich den Verhältnissen an, macht erste eigene, kleine, windige Geschäfte. Entdeckt plötzlich Ewa, die auch nach West-Berlin gekommen ist. Eine flüchtige Liaison, die keine Zukunft hat, weil beide nur angestrengt herumrudern, um sich über Wasser zu halten. Man verliert sich wieder aus den Augen. Man “macht“ alleine weiter. Schnitt. Der große Traum ist geschafft. Amerika. New York. Jerzy und wieder trostlose Ecken, Straßen, Gebäude. In einer Bar fragt er nach dem Weg zum Flughafen. Und sieht Ewa, die in der Küche hilft. “Weiter nach Westen geht es nicht“, sagt sie.

“Überall ist es besser, wo wir nicht sind“ – der Titel ist ein polnisches Sprichwort, das 1981 nach Ausrufung des Kriegsrechts auf den Häuserwänden in Warschau zu finden war, ist ein kleiner, schmutziger, poesievoller Schwarz-Weiß-Film. Ist ein Billig-Film, der mit dem atmosphärischen Charme eines Jim Jarmusch-Films und den früheren Roadmovies eines Wim Wenders zu tun hat. Der seine Beteiligten mag, sie nicht denunziert oder attackiert, sondern ruhig beschreibt, was Seele und Augen erleben. Der stimmungsvoll und traurig ist, ohne gleich wehleidig zu sein, Der eine Geschichte von heute erzählt.

Eine wunderbare, kleine Entdeckung von Film:
“Überall ist es besser, wo wir nicht sind“ von Michael Klier (= 4 PÖNIs).