TÜRKISCH FÜR ANFÄNGER

TÜRKISCH FÜR ANFÄNGER“ von Bora Dagtekin (B+R; D 2011; 110 Minuten; Start D: 15.03.2012); der am 27. Oktober 1978 in Hannover geborene Sohn einer Deutschen und eines Türken war bislang – als Drehbuch-Verfasser – im deutschen Serienfernsehen unterwegs („Doctor’s Diary“; „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“). 2006 war er einer der Drehbuch-Schreiber für den Kino-Blödsinn „Wo ist Fred?“ von Anno Saul, mit Til Schweiger. Bekannt aber wurde er vor allem als verantwortlicher Autor für die ARD-Vorabendserie „Türkisch für Anfänger“, die im „Ersten“ in drei Staffeln zwischen März 2006 und Dezember 2008 lief und sowohl mit dem „Deutschen Fernsehpreis“ wie mit dem hiesigen TV-„Oscar“, dem „Adolf Grimme-Preis“, ausgezeichnet wurde.
Gleich – ich kenne diese Serie NICHT. Habe natürlich von ihr gehört, aber keine Folge gesehen. Bin sozusagen „unschuldig“ in den Kinofilm gegangen. Der praktisch die Vorgeschichte zur Serie erzählt. Also „selbständig“ ist. Und hantiert. Mit dem einstigen Serien-Personal.

Zwei Familien, zwei „Kultur“-Welten. Aus Deutschland. Familie Schneider, Familie Öztürk. Beide wollen Urlaub machen. In Thailand. Allerdings unterschiedlich motiviert. Wie Lena Schneider, 19, vom noch jungen Leben schon frustriert und durch die antiautoritäre Erziehung ihrer „voll lebenslustigen“, „öfters“ geschiedenen Mutter Doris, einer Alt-68er-Therapeutin und Berufsjugendlichen von „ewig 38“, „traumatisiert“. Hat eigentlich überhaupt keinen Bock „auf so was“. Zumal dann auch diese „beknackte“ Sitzplatzbegegnung mit dem Voll-Macho-Nachbarn Cem Öztürk alles andere als „sympathisch“ verläuft. Cem ist mit seinem Erzeuger Metin unterwegs, dem verwitweten Hannoveraner Polizeikommissar, sowie mit seiner „gläubigen Schwester“ Yagmur, die listig auf „keusche Muslima“ „macht“. Kurzum – das Flugzeug kommt ins „Wackeln“. Die Alten landen am Urlaubsort, die Jungen auf einer abgelegenen Insel. Wo sich dann noch ein stotternder Griechen-Bursche hinzugesellt. Und das verbale Kloppen beginnen kann. Mit viel Duell-Charme. Und mit weiteren Inselbewohnern wie einer „touristischen Kannibalen-Sekte“ (mit dabei: KATJA RIEMANN + GÜNTHER KAUFMANN). Während sich – fernab – die penetrante Party-Schnalle Frau Schneider und der gutwillige Herr Beamte Öztürk im Urlaubscamp ein wenig näher kennenlernen. Könnten. Vielleicht auch möchten. Man hat ja Zeit, jetzt, wo die „Kinder“ gerade „aushäusig“ sind…..

So prächtig witzig ging es schon lange nicht mehr im deutschen Komödien-Kino zu. Mit Pointen, die ihren lustigen Namen auch wirklich verdienen. Ironisch, treffsicher, frech, also durchweg AMÜSANT daherkommen. Zünden. Anmachen. Es sprühen die kessen Unterhaltungsfunken. Über pfiffige Situationskomik. Krassen Spott. Süffisantem Klischee-Kompott. Mit spitzzüngigen Lächerlichkeiten in Sachen dussliger Vorurteile. In Sachen verkrampftem Multikulti-Gehabe. In Sachen ritualisierte Macht-Spielchen. Was für ein temperamentvolles Locker-Vergnügen!
Ein herrlicher WONNEPROPPEN ist die hart-zarte 25jährige JOSEFINE PREUß. Aus Brandenburg. Als wunderbare kesse Göre Lena. Erinnerungen an die junge Nora Tschirner („Kebab Connection“/2005; zuletzt: „Offroad“) werden wach: Ein feuriges Mädel keilt selbstbewusst wie rotzig-romantisch aus. Beziehungsweise zurück. Gegen ELYAS M’BAREK (neulich auch in „Offroad“) als Macho-Stänkerer Cem. Ein uriges Paar. Das mit guten lachhaften Power-Sprüchen ausgestattet ist. ANNA STIEBLICH gibt eine köstlich penetrante „Unkonventionelle“ von Lena-Mutter; ADNAN MARAL ist der „behutsame“, stolze Cem-Vater.

Was für eine PRIMA-Witzigkeit von amüsanter Deutsch-Komödie! Der Kinofilm „Türkisch für Anfänger“ tritt voll aufs Lach-Gas (= 4 PÖNIs).