DIE TRIBUTE VON PANEM – MOCKINGJAY Teil 2

Teil 4 „DIE TRIBUTE VON PANEM – MOCKINGJAY Teil 2“ von Francis Lawrence (USA 2013/2014; B: Danny Strong, Peter Craig, nach der gleichnamigen Roman-Trilogie von Suzanne Collins; K: Jo Willems; M: James Newton Howard; 137 Minuten; Start D: 19.11.2015); das Streck-Movie Teil zwei, noch einmal sind 137 Minuten zu überstehen. 390 Seiten umfasst das Buch „Mockingjay“, erschienen 2010, und das wurde auf insgesamt 125 plus 137 = sage und schreibe 262 Minuten, also insgesamt über vier Stunden, filmisch ausgebreitet. Und zwar so, als würde man einen Kaugummi abzukauen beginnen und diesen immer und immer wieder weiter benutzen. Obwohl er bald nur noch abgeschmackt und fade schmeckt. Insgesamt haben wir nach Ablauf dieses Films über neun Stunden Lebenszeit im Kino vergeudet.

Sollte es wirklich jemanden geben, der hierüber nix weiß, den verweise ich auf meine Kritiken zu den drei vorhergehenden Filmen seit den Anfängen von 2012: „Die Tribute von Panem – The Hunger Games“, „Die Tribute von Panem – Catching Fire“ und „Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 1“.

Krieg ist nötig. Um einen laufenden Krieg zu beenden. Der Film kann nichts dafür, aber natürlich ist jetzt „Paris vom 13. November 2015“ im Kopf. Was der Kinofilm, freigegeben ab 12 Jahren, nur andeutet, haben wir soeben in der Realität eklig und widerwärtig und entsetzt erleben müssen: Gewalt. Gewalt. Gewalt. Gegen jeden Menschen, der sich zufällig zum Zeitpunkt der Ausübung im Fadenkreuz aufhält. Insoweit kann der militaristische „Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 2“-Film derzeit überhaupt keine „Freude“ mehr bereiten. (Für mich konnten die Filme dieser Reihe dies sowieso nie).

Nachdem in Teil 1 viel ge- und zerquatscht wurde, dachte ich, dass nun das große Hauen und Stechen beginnt. Nichts da. Weiterhin erleben wir viele Gespräche, Diskussionen, man kann auch sagen: viel Gelaber. Verkündungen. Dauer-Thema, natürlich: der geplante Tyrannen-Tod. Von Präsident Snow (völlig unterfordert: DONALD SUTHERLAND). Aber auch: Lover Peeta (JOSH HUTCHERSON mit Ausstrahlung eines Bleistifts) ist in der Krise. Präziser: Er ist gehirn-amputiert. Seitdem er aus der diktatorischen Gefangenschaft zurück ist. Dort wurde er nämlich umgedreht, manipuliert, sozusagen einer Gehirnwäsche unterzogen, so dass er jetzt als Jekyll/Hyde herumtut. Nebenbei – dass bei dem bevorstehenden Angriff auf den Präsidenten, seiner Festung und seinen Adlaten auch Zivilisten umkommen werden, wird billigend – im Namen der dann zu erwartenden Endlich-Freiheit – in Kauf genommen. Ohne Krieg geht es halt nicht. Wir verstehen.

„Die Tribute von Panem 4“ ist ein Fratzen-Film. IHR GESICHT. Besser: DIESE SCHNUTE. Immer dieselbe. Traurige. Fragende. Zweifelnde. Tragische. Dieses Ach-Gottchen-Lahm-Face. JENNIFER LAWRENCE als Katness. Eigentlich ist Jennifer Lawrence eine begnadete Schauspielerin. 2010 erhielt sie eine „Oscar“-Nominierung für die Hauptrolle in dem Independent-Film „Winter’s Bone“. 2013 bekam sie für ihren Führungs-Part in dem Drama „Silver Linings“ den „Oscar“; im vorigen Jahr gab es eine „Oscar“-Nominierung für ihre Nebenrolle in „American Hustle“. Inzwischen zählt die 25jährige zu den bestbezahlten Schauspielerinnen überhaupt. Aber was macht / zeigt sie hier?: Immer denselben Ausdruck. Als – wie auf einem Laufsteg – mit Pfeil und Bogen herumstolzierende Panem-Modell-„Jungfrau von Orleans“, die ständig am Schmachten ist. Weil doch so viel Unrecht in der Panem-Welt herrscht und sie nicht mehr genau weiß, wem sie wirklich vertrauen darf / kann / soll. Und so schaut sie entsprechend. In die Gegend. Bevor es dann zu den unvermeidlichen Kampfes-Handlungen kommt. Die aber natürlich so „spektakulär“ wie vergleichsweise kriegs-harmlos getrickst sind, dass die FSK-Freigabe „ab 12“ keine Action-Frage war. Schließlich sollen ja „Kinder“ vor allem die Eintritts-Kohle bringen. Am Ende denke ich unfreiwillig an Syrien: Alles ist und alle sind beschädigt. Zerstört. Kaputt.

Ein paar kurze Male taucht noch einmal der am 1. Februar 2014 verstorbene PHILIP SEYMOUR HOFFMAN auf. Bilderreste-Verwertung. Da kommt richtige Wehmut auf. Ansonsten aber ist dies ein blödes Murks-Movie, das nebenbei auch in Berlin (Flughafen Tempelhof/ICC-Unterführung) gedreht wurde, weil’s dafür regionales Fördergeld gab. Einer der überflüssigsten Filme des Jahres und überhaupt (= 1 PÖNI; nochmal: in Gedenken an Philip Seymour Hoffman).