THE HAPPY PRINCE

„THE HAPPY PRINCE“ von und mit Rupert Everett (B + R; D/Belgien/GB/Italien 2016; K: John Conroy; M: Gabriel Yared; 106 Minuten); OSCAR WILDE (bürgerlich: Oscar Fingal O’Flahertie Wills Wilde / geboren am 16. Oktober 1854 in Dublin, gestorben am 30. November 1900 in Paris) zählt zu den bekanntesten Künstlern im Viktorianischen Britannien. Als Lyriker, Schriftsteller, Dramatiker und Kritiker wurde er populär. Sein – einziger- Roman, „Das Bildnis des Dorian Gray“, 1890 erschienen, gilt als sein Prosa-Hauptwerk. Aus seiner Ehe mit Constance Lloyd (hier: EMMA WATSON) gingen zwei Söhne hervor. Wegen „homosexueller Unzucht“ wurde er zunehmend von der Gesellschaft geächtet und zu zwei Jahren Zuchthaus mit harter Zwangsarbeit verurteilt. Durch die harte Haft wurde seine Gesundheit ruiniert. Nach seiner Haftentlassung lebte er verarmt in Paris, wo er auch im Alter von 46 Jahren starb.

RUPERT EVERETT, bürgerlich: Rupert James Hector Everett, wurde am 29. Mai 1959 im britischen Norfolk geboren und ist ein hochgeschätzter britischer Bühnen- und Film-Schauspieler („Another Country“; Die Hochzeit meines besten Freundes“; „Ein Freund zum Verlieben“; zuletzt in „Die Insel der besonderen Kinder“). 1989 outete er sich als homosexuell. Rupert Everett hat in der Vergangenheit betont, dass ihm für seine Karriere sein offenes Bekenntnis zu seiner Homosexualität auch geschadet habe. Der Film „The Happy Prince“ ist ihm ein unbedingtes Lebens-Werk. Das er sich unbedingt erfüllen wollte, sind doch „biographische Vergleiche“ gedanklich gestattet. Everett, der das Drehbuch verfasste und die Titelrolle übernahm, wollte nicht auch noch und erstmals Regie übernehmen, tat es aber dann doch. Aber nicht, um Wilde zu glorifizieren, sondern weil sich niemand fand, um nach seinen Vorgaben als Autor und Hauptdarsteller von dessen letzten schäbigen Jahren zu erzählen.

1897. Nach seiner Entlassung aus englischer Haft begibt sich Oscar Wilde nach Paris. Ein gebrochener, emotional hinfälliger Mann, der den Ruhm von einst vergeblich wieder zu beleben versucht. Was dagegen ist, sind Armut, Hinfälligkeit, Demütigungen, Entbehrungen. Das Betäuben mit Alkohol. Dem auch seine Freunde Reggie Turner (COLIN FIRTH/dessen Mitwirkung den Film erst „produzierbar“ machte) und Robbie Ross (Edwin Thomas) nicht helfen können, als sein „Dämon“, in Gestalt des jungen schönen dekadenten Liebhabers Lord Alfred Douglas (bizarr: COLIN MORGAN), wieder auftaucht.

Es ist SEINE Bühne, SEIN Abend, SEIN Triumph: RUPERT EVERETT kotzt sich seinen – geliebten, verehrten – Oscar Wilde aus Körper und Seele wahnsinnig gut heraus. Vergisst dabei schon mal einige Leblosigkeit, etwa Dialog-Schwächen und inszenatorischen Stillstand, zu überwinden, etwa die Dramaturgie anzuziehen, doch das ist hier alles sowieso egal: ER-ER-ER ist hier der darstellerische (Be-)Herrscher der inneren und äußeren hingebungsvollen Bewegung, der opulenten Artikulation. ER vermag unglaublich faszinierend zu begeistern. Freunde der herausragenden  leidenschaftlichen besessenen Schauspielkunst, so etwas soll es ja noch geben, kommen hier, bei diesem Quasi-Allein-Auftritt und wegen der einzigartigen Solo-Dynamik, von wegen RUPERT EVERETT, auf ihre sättigenden Voll-Kosten (= 4 PÖNIs).