TAXI ZUM KLO

FILM im RIAS “Treffpunkt“ vom 08.01. 1981

TAXI ZUM KLO“ von Frank Ripploh (B, D + R; D 1981; 95 Minuten; Start D: 09.01.1981).

Ein ganz außergewöhnlich guter neuer deutscher Film. Frank Ripploh hat ihn gemacht, er ist, noch jedenfalls, Berliner Lehrer und Insidern durch seine beiden Dia-Shows “Blutsturz oder Wie ein Stern in der Nacht“ und “Kindermund und Herzensschund oder Die Angst des Lehrers, Mensch zu sein“ bekannt, die er unter seinem Pseudonym Peggy von Schnottgenberg vorstellte. Die breite Öffentlichkeit nahm Frank Ripploh zur Kenntnis als er sich im “Stern“ zur Homosexualität bekannte. Was zur Entfernung, im Amtsdeutsch: Beurlaubung, aus dem Schuldienst zur Folge hatte.
Nun hat er, unter seinem richtigen Namen, seinen ersten Spielfilm gedreht: die Liebesgeschichte eines Berliner Lehrers oder Mann liebt Mann.

Frank und Bernd begegnen sich eines Abends in einem Kino, finden sich sympathisch, ziehen zusammen. Bernd ist der Ruhigere von beiden, eher häuslich, er kocht gerne, macht die Hausarbeit und träumt dann auch schon mal vom trauten Heim in sauberer Landluft. Frank dagegen ist ein Unruhegeist. Ihm reicht es schon, dass er sich tagsüber in seinem Beamten-Job disziplinieren, einengen muss, er will wenigstens nach Feierabend los, hat verschiedene Verhältnisse nebenbei und liebt es, immer auf Achse zu sein. Man liebt sich und streitet sich, man geht auseinander, vielleicht wird man sich mal wieder sehen, vielleicht aber auch nicht.

Eine alltägliche Geschichte, wie sie halt andauernd (und nicht nur im Kino) abläuft. Aber, das sie nicht zwischen Mann – Frau, sondern zwischen Mann – Mann passiert, ist eben heute noch etwas Besonderes. Im Gegensatz zu vielen der früheren Schwulen-Filme geht Ripploh nicht den verbiesterten, kämpferischen (= ideologischen) Weg, sondern befreit die Anrüchigkeit und “Besonderheit“ des Themas durch Ehrlichkeit, aber auch Deutlichkeit. An letzterem lässt der Film, der sich natürlich mit der Sexualität von Schwulen befasst, nichts zu wünschen übrig. Aber: er ist weder ordinär noch anmacherisch noch pornografisch. An den Szenen gibt es nichts auszusetzen, sie sind gerade durch ihre Offenheit geeignet, Vorurteile anzugehen und sie abzubauen. Das Publikum bei den Hofer Filmtagen, Ende Oktober letzten Jahres, hat dies so verstanden und nahm den Film begeistert auf.

Ripplohs ebenso poetische wie realistische Szene-Geschichte hat Signalwirkung, ist ein tolles, ungebändigtes Stück kleines, schmutziges Kino. Kino, wie es Samuel Fuller, der amerikanische B-Picture-Spezialist, einmal so treffend umschrieb: “In one word
EMOTION“ (= 4 PÖNIs)!