SWEETWATER

SIE sind die Übelsten. Diese selbsternannten Heilsbringer. Die „im Namen des Herrn“ unterwegs sind (einzige Film-Ausnahme: Die „Blues Brother“). Die Gott im Mund haben und Satan in ihrer Handhabung speien. Solch ein „religiöser Eiferer“, solch ein Verführer, Scharlatan, solch ein Sadist, Mörder und Psychopath ist der Sektenführer und „Prophet“ Josiah (JASON ISAACS), der anno 1886 in einem kleinen Nest im amerikanischen New Mexico auftaucht, um als aggressiver Widerling und Fanatiker „Gottes Willen“ hier „umzusetzen“. In dieser „simplen“ Einöde scheint er ein leichtes Spiel zu haben, um Land und Leute zu manipulieren. Doch dann stellt sich ihm „ausgerechnet“ eine Frau in den ausbeuterischen wie mörderischen Weg. Und erweist sich als ein ebenbürtiger Gegner, mit dem er nie und nimmer „so“, also in dieser Härte und Konsequenz, gerechnet hat:

SWEETWATER“ von Logan Miller (Co-B + R; USA 2012; Co-B: Noah Miller, Andrew McKenzie; K: Brad Schild; M: Martin Davich; 95 Minuten; Heimkino-Veröffentlichung: 16.01.2014).

Die Zwillingsbrüder Logan und Noah Miller sind – als Produzenten, Regisseure und Schauspieler – über ihr autobiographisch gefärbtes Sportfilm-Drama „Touching Home – So spielt das Leben“ bekannt, das hierzulande am 6.7.2012 gleich fürs Heimkino veröffentlicht wurde. Ihr zweiter Film, mit Logan als Regisseur, beiden als Autoren und Produzenten und mit vergleichsweise „schlappen“ 7 Millionen Dollar budgetiert, ist ein kleines Meisterwerk geworden. Als atmosphärischer wie spannender WESTERN-THRILLER. Mit exzellenten Schauspielern als explizite Figuren. Eine Familie. Miguel und Sarah. Sie haben sich gefunden und beschlossen, in der Abgeschiedenheit eines schönen Kleinods von Farm zu ernten und zu leben. Im Guten und Harmonischen. Mit allen und jedem. Doch wie heißt es,… wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt…, ist Stress angesagt. Angezeigt. Sofort spürbar.

Dieser Nachbar ist eine menschliche Drecksau. Die sich zum jähzornigen Herrn und kompromisslosen Herrscher der Region monstert. Widersprüche werden nicht akzeptiert und sogleich bestraft. Ein „feines“ fundamentalistisches Arschloch, das inzwischen folgsame Jünger um sich geschart hat. Doch dann „übertreibt“ er es. Gewaltig. Tötet zwei scheinbar zurückgebliebene Wegelagerer, weil sie auf seinem Land kurz „parken“ und sich futtermäßig bedient haben (Cameo-Auftritte von Logan + Noah Miller). Weil nun zwei verschollene Mitglieder aus der Family des fernen Gouverneurs vermisst werden, taucht der exzentrische wie völlig unberechenbare Sheriff Jackson auf, ED HARRIS in köstlich tänzerischer Pose: „Ich bevorzuge ungewöhnlich, nicht wunderlich“, um „arrogant-hart“ zu ermitteln. Stellt sich dem dunklen Josiah ebenso in den Weg wie jetzt auch die inzwischen schwangere Ehefrau Sarah (JANUARY JONES), deren Ehemann Miguel „verschwunden“ ist. Als ihr klar wird, künftig auf sich alleine gestellt zu sein, nimmt sie ihr Schicksal in die eigenen Hände. Denn sie versteht es prächtig, mit Gewehr und Pistole umzugehen. Was zunächst sowohl ein raffgieriger Banker wie auch ein notgeiler Krämer zu spüren bekommen. Bevor es ans Eingemachte geht. „Ich fürchte, es wird ab jetzt nur noch schlimmer“, meint der extrem unkonventionelle, rüde Sheriff. Und soll Recht haben.

Gestandene Rache-Frauen, die „ihren Mann“ stehen und sich nichts (mehr) gefallen lassen wollen, sind in der Filmgeschichte durchaus bekannt. Vor vielen Jahrzehnten war es Francois Truffaut, der JEANNE MOREAU in „Die Braut trug schwarz“ (1967) auf die Jagd nach den Mördern ihres Mannes schickte. RAQUEL WELCH nahm 1971 in dem Western „In einem Sattel mit dem Tod“ (Original: „Hannie Caulder“) die Spuren nach den Mördern ihres Mannes und ihren Vergewaltigern blutig auf. Und nicht zuletzt UMA THURMAN besaß (sehr) viel Rache-Durst in den beiden „Kill Bill“-Massaker-Movies von Quentin Tarantino (2003/2004). Hier ist es die schöne 34jährige JANUARY JONES, bekannt als Betty Draper Francis aus der populären TV-Serie „Mad Men“, die in ihrem herrlich violetten Kleid mächtig „rot“ sieht. Und mit den Schweine-Kerlen kein Pardon kennt. Allerdings nicht im Hauruck-Stil eines einst wütenden Charles Bronson („Ein Mann sieht rot“), sondern als einzig mögliches Überlebensmotiv. Hier, in dieser ebenso abgeschiedenen wie rechtlosen Region.

Die Miller- Brüder erzählen. Von einem wunderschönen Land, in dem sich fiese Menschen aufhalten. Um es kaputtzumachen. Moralisch und ökonomisch. Was einige „Interessant-Vernünftige“ zu verhindern gedenken. JASON ISAACS ist ein Klasse Bösewicht. Füllt diesen zügellosen Bastard Josiah prächtig SCHWARZ aus. Er, der Lucius Malfoy – Bad Guy aus den „Harry Potter“-Filmen, trägt hier als eleganter Schurke starke listig-gemeine Charakterzüge. Zum Prima-Fürchten. Vortrefflich boshaft. Gemein-gefährlich. Als ebenso brillant-furioser Gegenspieler tritt genüsslich und mit hellen Zauselhaaren Mit-Produzent ED HARRIS („Die Truman Show“; „Pollock“/auch Regie) in den süffisanten exzentrischen Western-Ring, um als überkandidelter, ruchloser Gesetzesvertreter für imposante Radau-Motive zu sorgen. Es bleibt dabei – wo und wann immer ED HARRIS, 62, mitmischt, sind schwarzer Spaß und herrlich überspannte Gute Laune annonciert. Garantiert. Wie HIER. (Mit seiner kernigen deutschen Stimme von WOLFGANG CONDRUS).

Schade, dass sich das hiesige Kino solch ein stimmungsvolles Spannungsjuwel hat entgehen lassen. Umso mehr gilt die dringliche Heimkino-Empfehlung. Now. (Käme im Kino auf mindestens 4 PÖNIs).

Anbieter: „Studiocanal“