SUPER 8

SUPER 8“ von J. J. Abrams (B+R; USA 2010; 112 Minuten; Start D: 04.08.2011); dieser Jeffrey Jacob Abrams, geboren am 27. Juni 1966 in New York City, ist ein interessanter „Spinner“ im amerikanischen Unterhaltungsbusiness. Als Regisseur hat er die Phantasie bei Streifen wie „Mission: Impossible III“ (2006) sowie für die Neuauflage von „Star Trek“ (2009) fließen lassen. Als Drehbuch-Autor war er für fiktive Gedankenstoffe wie „Filofax – Ich bin du und du bist nichts“ (1990), „Joyride – Spritztour“ (2001) oder „Armageddon – Das jüngste Gericht“ (1998) verantwortlich. Als Produzent war er vor allem mit der TV-Serie „Lost“ (2004-2010) sowie mit dem Kino-Monsterfilm „Cloverfield“ (2008) sehr erfolgreich.

In seinem neuen Kinowerk huldigt Abrams – zunächst – seinem großen Vorbild STEVEN SPIELBERG. Mit DEM er in frühen Kindheitsjahren Kontakt bekam, als der Maestro („Der weiße Hai“; „Unheimliche Begegnung der Dritten Art“ waren bereits in den Kinos) auf dessen Super 8-Filme und den jungen Hersteller aufmerksam wurde. Und diesen bat, sein eigenes erstes Super 8-Material zu restaurieren. Heute besteht dieser „Kontakt“ weiterhin, und Spielberg ist einer der Produzenten von „Super 8“. In dem es um die Noch-Unschuld in einer (fiktiven) Kleinstadt namens Lillian anno Juni 1979 geht. Wo befreundete filmsüchtige Kids gerade eifrig bemüht sind, einen eigenen Zombiefilm zu drehen. Auf Super 8-Material. Dabei gehen sie bei ihrem No-Budget-Fantasy-Movie ziemlich professionell vor. Mit selbstverfasstem Drehbuch, mit selbstgebauten Modellen für die Trickszenen, mit dem Bereits-Wissen von Kameraeinstellungen. Um dies alles auch „tatsächlich“ gut aussehen zu lassen, wurde zudem eine 14jährige blonde Mitschülerin verpflichtet, die sich bereits als „schönes Talent“ erweist. Was natürlich alle pubertär „bewegt“. Zugleich aber winkt das große haarsträubende Abenteuer. Als nämlich und ganz real bei einem ihrer nächtlichen Drehs am alten Bahnhof ein Zug entgleist. Beim Zusammenstoß mit einem auf den auf den Gleisen heranbrausenden Auto. Eine mächtige Explosion. Der Schrecken ist immens. Abhauen ist angesagt.

Während die – umgefallene – Kamera weiterläuft. Und Augenzeuge bei einer wahrhaften Monsterei wird. Was aber die Kinder erst (viel) später entdecken sollen. Dabei sind die Leute in der Region sowieso schon aufgescheucht, denn nicht nur dass einige Menschen in der Gemeinde plötzlich verschwunden sind, andauernd sind in den letzten Tagen auch Hunde, Küchengeräte, Automotoren und Stromleitungen „abhanden“ gekommen. Als dann das grölende Militär auftaucht, wie gehabt Marke ignorante „Stimmungskanonen“, und die Gegend evakuiert, deutet alles auf „was Großes“ hin. Und natürlich – ein „E.T.“ ist hier gestrandet und benötigt „Material“ für die All-Rückkehr. Allerdings erweist sich dieses Viech keineswegs so „gemütlich“ wie DAS damals, 1982, von Steven Spielberg, sondern schon weitaus „unruhiger“, bedrohlicher. Mit großem Appetit auf viel kleinstädtischer „Sättigungsbeilage“ aus Fleisch und Metall.

„Super 8“ beschwört, zitiert Erinnerungen. Thema: Der filmische Hollywood-Jahrmarkt der 70er und 80er Jahre. Mit Genre-Späßen wie eben „Unheimliche Begegnung…“ oder eben „E.T.“ von Spielberg. Oder Hits wie „Stand by me – Das Geheimnis eines Sommers“ von Rob Reiner (1986) oder „Die Goonies“ von Richard Donner (1985). Oder „Stephen Kings ES“ von Tommy Lee Wallace von 1989. Wo Kleinstädte zünftig „aufgemischt“ wurden. Durch Störenfriede bzw. Aliens aller Art. Wo die innerfamiliären Bindungen in Amerikas Wohnstuben bröckelten. Wo gerne der Aberglaube an(s) „Überirdische“ gepflegt wurde. Wo stetig Ordnung in Unordnung zerpflügt wurde.
Von solch einem schleichenden Chaos erzählt auch dieser neue Abrams-Alptraum. Invasions-Rummel wie auch hektische Krieg der Welten- und aktuelle „Transformers“-Fantasy breitet sich nervös aus. Mit viel „Maschinen-Charme“. Zunehmend aber leider nur noch voll-krachend, also dick und dicker zuschnappend. Denn in der zweiten Filmhälfte verkommt dieses Spektakel zum puren Special Effects-Karacho.

Das coole Spielerische, mit diesen riesigen ersten Walkie Talkies und dem Ohrwurm-Song „My Sharona“ aus dem Radio, wird ebenso wie die märchenhafte Magie von/über filmische Anfänger völlig und im wahrsten Sinne zerstört. Kaputt gemacht. J.J. Abrams „verbeugt“ sich dann nur noch vor dem heutigen Videospielpublikum, dem Zerstörungsspiel-Nachwuchs, und „gibt“ ihm die volle, dumpfe Kanne Dauer-Ballerei. Mit viel läppischer Aggressions-Breitseite. Als kriegerisches Schrei-Getümmel. Aus die Maus. „Super 8“ mutiert zum kreischenden Horror-Action-Quatsch. Auch wenn gegen Ende Gevatter Monster dann weitgehend „beruhigt“, „gesättigt“, von dannen düst. Nö, Da hilft dann auch nicht mehr der hübsche Nachspann, wenn der „wahre“ Horrorfilm der jugendlichen Clique urig-originell nebenbei mit-abläuft. Schade, denn durch diesen ganzen unentschlossenen Mischmasch-Mix wirkt „Super 8“ wie eine Genre-Spezialität, die lange Zeit schmackhaft umherschwirrt, um dann arg verhunzt und „versalzen“ abzusaufen.

„Super 8“ ist ein gepanschtes Genre-Movie von Kinder-Horror-Fantasy-Abenteuer-Fiction-Eintopf (= 2 ½ PÖNIs).