Straight Story Kritik

Wann haben wir zum letzten Mal im Kino ein SO schönes, altes, souveränes Gesicht gesehen???: Der 80jährige RICHARD FARNSWORTH ist ein Veteran im Filmgeschäft von Hollywood. Seit 1937 steht er vor der Kamera. Viele Jahre arbeitete er als Stuntman. 1976 begann seine Karriere als Schauspieler – n e b e n Stars wie Goldie Hawn, Jane Fonda, Steve McQueen und Robert Redford. Im Alter kamen dann die größeren Rollen. Für seine Darstellung des legendären Gentleman-Banditen Bill Miner in “Der Fuchs“ wurde Richard Farnsworth 1983 mit dem kanadischen “Oscar“- Gegenstück, dem “Genie-Award“, ausgezeichnet. Als ALVIN STRAIGHT in dem neuen David Lynch-Film

THE STRAIGHT STORY – EINE WAHRE GESCHICHE“ von David Lynch (USA 1999; 112 Minuten; Start D: 02.12.1999) hat Richard Farnsworth jetzt seinen größten Leinwand-Auftritt.

Er spielt einen 73jährigen Kauz aus Iowa. Der hat sich vor vielen Jahren mit seinem Bruder verkracht. Doch als der einen Schlaganfall erleidet, fasst Alvin einen Entschluss: Er muss hin zu ihm, zu seinem Bruder. Egal wie. Seine Töchter versucht es ihm auszureden.

Doch was sich so ein sturer alter amerikanischer Mittelwestler einmal in den Dickschädel gesetzt hat, ist ihm nicht mehr auszutreiben. Ganz im
Gegenteil und so gänzlich unkonventionell.

Die Geschichte des Alvin Straight ist, wie im deutschen Titel bereits annonciert, wahr. 1994 machte sich ein knorriger Sonderling aus dem Dorf Laurens in lowa auf den beschwerlichen Weg, um seinen Bruder im Dorf Zion in Wisconsin zu besuchen. 400 Kilometer – mit bzw. auf einem Rasenmäher vom Baujahr ‘66. Der 53jährige amerikanische Regisseur DAVID LYNCH hat sich bekanntlich nicht gerade mit “sanften Filmen“ einen hervorragenden cineastischen Namen geschaffen. Werke wie “Eraserhead“, “Blue Velvet“ und “Wild at Heart“ stehen für Gewalt, Düsternis, Horror. Hier aber folgt David Lynch den ruhigen Spuren eines alten Cowboys durch das schöne Land. Erzählt anekdotenhaft von kleinen Begegnungen mit Touristen und Einwohnern. Beobachtet genüsslich die Langsamkeit der Reise und lässt dabei das Zwischenmenschliche angenehm “sprießen“.

“The Straight Story – Eine wahre Geschichte“ von David Lynch ist eine sanfte Hymne auf das Alter. Ist eine poesievolle Verbeugung vor der Würde des Menschen. Handelt von respektvoller Zuneigung und sympathischer Weisheit. Ist also nie belehrend oder aufdringlich. Die Kostbarkeit von Atem und Zufriedenheit wird förmlich spürbar. Und trotz seiner bedächtigen Einfachheit wirkt der Film in seinen Details und seinen liebevollen Abschweifungen augenzwinkernd-zärtlich und faszinierend-träumerisch: Die Zusammenfassung eines nun akzeptierten Lebens. Wobei die Bilder des 81jährigen Kamera-“Oscar“-Preisträgers FREDDIE FRANCIS und die dezenten, stimmungsvollen Klänge von
ANGELO BADALAMENTl dieses feine, beeindruckende Road-Movie wunderbar begleiten.

“The Straight Story – Eine wahre Geschichte“ von David Lynch ist ein neuer Lichtblick im Alltag und Stress des gegenwärtigen Kinos…(= 4 PÖNIs).